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Altenburg Chaotische Zustände: An Altenburger Schulen werden Lehrer hin- und hergeschoben
Region Altenburg Chaotische Zustände: An Altenburger Schulen werden Lehrer hin- und hergeschoben
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06:05 08.10.2016
Ein Brennpunkt: An der Altenburger Erich-Mäder-Schule wird es auch künftig weniger Lehrer geben als nötig. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Wer fragt, will Antworten und wer fordert, verlangt Lösungen. Diese kann Thüringens Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke) Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) und den Fraktionen des Stadtrats in Sachen Lehrermangel jedoch nur bedingt liefern. Das geht aus ihrer Antwort auf einen offenen Brief aus der Skatstadt hervor. Darin hatten die Kommunalpolitiker Anfang September die extrem angespannte Personalsituation an den hiesigen Schulen beklagt und „eine kurzfristige und wirksame Strategie“ dagegen gefordert.

Nach allgemeinen Ausführungen zu landesweiten Maßnahmen zählt Klaubert in dem Schreiben eine ganze Reihe konkreter Einstellungen auf, die an den vier staatlichen Grund-, den zwei Regelschulen und der Gemeinschaftsschule Erich Mäder in den vergangenen Wochen und Monaten vorgenommen wurden. Dabei offenbart sich allerdings ein chaotisch wirkendes Hin- und Hergeschiebe von Lehrern, was ein Großteil der Probleme nur verschiebt oder gar nicht löst.

Allen voran ist hier die Erich-Mäder-Schule zu nennen, als Gemeinschaftsschule ein Pilot- und daher Prestigeprojekt der Landesregierung. Dort wurden die größten Engpässe seit Frühjahr zunächst durch drei unbefristete Neueinstellungen und eine befristete Besetzung gelöst. Dennoch fiel zuletzt Unterricht aus (die OVZ berichtete). Doch der bestehende und sich unter anderem durch eine Elternzeit im zweiten Schulhalbjahr vergrößernde Bedarf wird nicht mehr gedeckt. Denn der Ersatz geht für drei Jahre an die Martin-Luther-Schule und die andere Lehrkraft soll genauso lange an die Gebrüder-Reichenbach-Schule.

Im Umkehrschluss heißt das: Die Probleme an den beiden Einrichtungen sind mindestens genauso groß. An der Luther-Schule wurden – wie auch an anderer Stelle – Klassen zusammengelegt und es fielen in diesem Schuljahr schon mehr als 50 Stunden aus (die OVZ berichtete). Ein Ende ist nicht abzusehen, weil eine befristete Stelle „wegen Ablehnung der Einstellung“ noch unbesetzt ist. Auch an der Reichenbach-Schule brennt die Luft, gesteht das Ministerium ein: „Die Stundentafel wurde gekürzt“, obwohl dort bereits vier Lehrer für die Fächer Deutsch, Geschichte, Biologie, Kunst und Ethik eingestellt wurden.

Nicht minder problematisch geht es an der Grundschule in der Platanenstraße zu. Trotz zwei befristeter Einstellungen musste noch eine Elternzeitvertretung, die eigentlich für Schmölln vorgesehen war, abgeordnet werden. Zwei weitere Lehrer, einer von der Wilhelm-Busch-Schule und einer vom Karolinum, folgten und reißen dadurch an ihren Stammschulen Löcher. Und in der Regelschule Dietrich Bonhoeffer kamen zwar zwei Lehrerinnen für Deutsch, Englisch und Biologie, aber der Unterricht konnte nur abgesichert werden, indem „die Stundentafel insbesondere in Mathematik gekürzt“ wurde.

Als einen Grund für den hiesigen Lehrermangel führt Klaubert die Vorliebe der Bewerber für einzelne Städte und Regionen an. „Dagegen gestalten sich die Einstellung in anderen Regionen, wie z.B. Altenburg, oft sehr schwierig“, so die Ministerin, die selbst aus der Skatstadt kommt. Das gelte trotz schulscharfer Ausschreibung, bei der die Schule selbst und nicht das Amt über die Besetzung entscheidet.

Um dem zu begegnen, verweist die Ministerin auf eine zusätzliche Einstellungen des Schulamtes im Grundschulbereich und noch offene befristete Jobs im Raum Altenburg und Gera, für die die Behörde aktuell verstärkt wirbt. „Parallel dazu wird die Bundesagentur für Arbeit eingeschaltet“, schreibt Klaubert, die auch die Lockerung der Einstellungskriterien (zum Beispiel Gymnasiallehrer an Regelschulen) anführt. „Die Landesregierung beabsichtigt darüber hinaus, bis Ende dieses Jahres über die Wiedereinführung der Verbeamtung der Lehrkräfte zu entscheiden.“

Eine Sache aber stieß besonders in der Stadtverwaltung sauer auf: In ihrem Brief erwähnt Klaubert, dass die beiden Regelschulen in der Stadt „nur unter Zurückstellung von Bedenken“ weitergeführt werden dürfen, diese aber bisher nicht ausgeräumt seien. „Angesichts der Schülerzahlen sind zwei Regelschulen und eine Gemeinschaftsschule in Altenburg absolut geboten“, verwehrt sich OB Wolf dem Gedanken an eine mögliche Schließung. „Da gibt es keinerlei Handlungsbedarf.“ Mit 629 Kindern und Jugendlichen habe man sogar mehr als die geforderten 600. Auch seien die Prognosen stabil und es gebe an beiden Regelschulen mehr Schüler, als an einer machbar wären. Dem entsprechend beschloss der Stadtrat eine unveränderte Schulnetzplanung bis 2021. Die Überprüfung durch das Ministerium steht freilich noch aus.

Von Thomas Haegeler

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