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Chefdirigent gesucht - Der Schweizer Daniel Montané ist der erste Kandidat in der neuen Spielzeit

Chefdirigent gesucht - Der Schweizer Daniel Montané ist der erste Kandidat in der neuen Spielzeit

Daniel Montané freut sich. Er freut sich momentan in Ostthüringen zu sein, mit einem hochmotivierten Orchester zu arbeiten, an einem absolut ungewöhnlichen Programm.

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Daniel Montané

Gera. Von Tatjana Böhme-Mehner

Das ungewöhnliche Programm hatte ihm das Haus vorgeschlagen. Und es machte ihn neugierig. Eine gute Gelegenheit, sich mit einer Musik zu beschäftigen, mit der er noch nicht intensiver zu tun hatte, die er aber von vornherein interessant fand. Natürlich kannte er Hanns Eisler. Für eine intensivere Beschäftigung indes ist diese "Deutsche Sinfonie" die erste wirkliche Gelegenheit in der Karriere des in Barcelona geborenen und in Graz ausgebildeten Musikers.

Überrascht sei er gewesen beim ersten Blick in die Partitur. Überrascht, welch politisches Werk das ist, habe er sich immer mehr in die Gedankenwelt Eislers vertieft, im Einzelfall, aber auch in die Geschichte des Schönberg-Schülers, der sich bewusst für einen völlig anderen Weg entschieden hatte als der große Meister. Ein sehr politisches Werk, das von Krieg erzählt, von Schrecken und Gräuel - Montané ist in Katalonien aufgewachsen, er erinnert sich an Erzählungen seiner Großmutter. Er selbst habe zwar die Jahre des spanischen Bürgerkrieges nicht mehr erlebt. Er war fünf, als Franco starb. Aber natürlich haben ihn die Erfahrungen seiner Familie geprägt. Dass die politische Aussage bei Eisler so wenig verklausuliert ist, reizt ihn, dass sie so unmittelbar und ohne Umwege auf den Punkt kommt. Eine spannende Herausforderung sei Eisler, zumal er in diesem außergewöhnlichen Programm auf Bach und Wagner trifft.

Mit Richard Wagners "Siegfried-Idyll" läutet das Altenburg-Geraer Theater das Wagner-Jahr ein und mit Johann Sebastian Bach bringen sie den dritten mitteldeutschen Komponisten ins Spiel. Aber nicht nur der lokale Bezug ist es, der die Verbindung zwischen den drei sehr verschiedenen Werken im Konzertprogramm ausmacht. Wie eine Zeitreise durch die deutsche Kultur mit ihrem Selbstverständnis erscheine dieses geschickt gestaltete Programm, meint Montané. Und im Falle von Eisler ist der Katalane überzeugt, dass es die Pflicht eines Klangkörpers wie des Philharmonischen Orchester Altenburg-Gera sei, derartige Werke im Rahmen des Möglichen bekannt zu machen.

Die Tradition der kleinen deutschen Stadttheater und Orchester war es auch, die den Musiker nach Deutschland führte. Vom hiesigen Theater und seinen Qualitäten hatte er in diesem Zusammenhang während seines Studium in Graz schon verschiedentlich gehört. Zunächst ging er aber nach Bremen. Hier wirkte er in den letzten Jahren als erster Kapellmeister. Zuvor war er musikalischer Assistent am legendären Gran Teatro de Liceu - doch es zog ihn stärker ans Pult. Und da bot die deutsche Landschaft mit den vielen kleinen Stadttheatern schließlich doch mehr Möglichkeiten.

Was ihn an Ostthüringen und dem Chefposten reizt? Neben der Stadt Gera, in die er mit seiner Frau und der fünfjährigen Tochter gern bereit ist zu ziehen, wäre es die Chance, verantwortlich etwas zu entwickeln, etwas aufzubauen, von der Idee bis zur Umsetzung durchzuführen. Sein persönliches Steckenpferd sei die Romantik in ihrer ganzen Vielschichtigkeit. Dennoch ist der Dirigent, der fließend deutsch plaudert, überzeugt, dass Kunst in Verbindung mit ihrer Umwelt, mit Gesellschaft stehen müsse, sie ansonsten als Anachronismus keine Chance und Berechtigung habe. Daher sucht er auch immer bewusst Bezüge zum Umfeld, zu Alt und Jung.

Live zu erleben ist Daniel Montané als Dirigent nur in Gera, und zwar noch einmal heute Abend um 19.30 Uhr. Denn das zweite Philharmonische Konzert kommt nicht wie üblich freitags nach Altenburg, weil hier mehrmals im Jahr Schlosskonzerte mit dem Philharmonischen Orchester Altenburg-Gera stattfinden. Dafür müssen die Skatstädter wie schon im vergangenen Jahr auf einige reguläre Philharmonische Konzerte verzichten.

Zu hören sind heute Johann Sebastian Bachs 3. Brandenburgisches Konzert, Richard Wagner "Siegfried-Idyll" und Hanns Eisler Deutsche Sinfonie op. 50. Die Solisten sind Katie Bolding (Sopran), Elisabeth Holmer (Mezzosopran), Johannes Beck (Bariton) und Kai Wefer (Bass). Sprecher sind die Schauspieler Henning Bäcker und Philipp Reinheimer.

⁄ Karten an den Theaterkassen in Altenburg (☎ 03447 585160) und Gera (☎ 0365 8279105).

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