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Christine Becker verlässt Meuselwitzer Rathaus

Ruhestand Christine Becker verlässt Meuselwitzer Rathaus

Nach fast 40 Dienstjahren im Meuselwitzer Rathaus geht Christie Becker jetzt in den wohlverdienten Ruhestand. Die 60-Jährige, die einen Faible für Zahlen und Sprachen hat, begleitete mehrere Amtsleiterfunktionen und war zuletzt verantwortlich für Controlling, Wahlen und EDV. Sie erlebte sechs verschiedene Bürgermeister.

Den Blick vom kleinen Balkon ihres Büros wird Christine Becker in Zukunft vermissen.

Quelle: Mario Jahn

Meuselwitz. Ein letztes Mal saß Christine Becker am Freitag hinter ihrem Schreibtisch in der ersten Etage des Meuselwitzer Rathauses. Hier hatte sie als 22-Jährige Anfang Januar 1977 ihren ersten Arbeitstag. Wenn sie die vergangenen fast 40 Jahre Revue passieren lässt, kommen der dienstältesten Rathausmitarbeiterin viele Erinnerungen. Wenn man wie sie so lange in einer Stadtverwaltung tätig war und sechs Bürgermeister miterlebt hat, drei davon zu DDR-Zeiten und drei nach der Wende, ist das ganz normal. Besonders gern hatte sie mit Bernd Neidig, dem letzten Bürgermeister vor der Wende, zusammengearbeitet.

Die gebürtige Meuselwitzerin hat zunächst den Beruf eines Wirtschaftskaufmanns erlernt und danach ein Studium als Ingenieur für Papier- und Verpackungstechniker absolviert. „Wenn Herr Eikemeier damals schon in Lucka gewesen wäre, hätte es mich womöglich in die Wellpappe verschlagen“, sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln. Nach der Wende besuchte Becker wie die anderen Kollegen die Verwaltungsschule.

Ihre Karriere im Rathaus begann sie als Leiter Volksbildung. Später war sie für Planung und Finanzen verantwortlich, woraus 1990 der Amtsleiterposten Finanzen wurde. „Da ich ein Faible für Sprachen und Zahlen habe, war der Bereich Finanzen das Richtige für mich. Ich hatte damals alle wichtigen Zahlen immer parat, wenn mich einer danach fragte“, erzählt sie. Dann war sie für einige Jahre Chefin des Hauptamtes. Mit der Eingemeindung von Wintersdorf 2008 sei für sie die Stelle Controlling, Wahlen und EDV geschaffen worden. Das sei ihr ganz recht gewesen, war doch die Arbeit interessant und abwechslungsreich, schätzt die 60-Jährige heute ein.

Bei den Mitarbeitern im Rathaus ist sie dafür bekannt, dass sie stets mit dem größten Schlüsselbund unterwegs war. Scherzhaft nannte man sie deshalb die Schlüsselgewaltige. Ein großer Ring mit jeder Menge alter Schlüssel gehörte deshalb neben vielen anderen Kleinigkeiten zum Abschiedsgeschenk der Kollegen. Denen bleibt sie aber auch als die Mitarbeiterin in Erinnerung, die immer ihre Meinung gesagt hat, auch wenn sie manchmal aneckte. Dabei machte sie nicht mal vor den Bürgermeistern halt.

Selbst schätzt sich die kleine, zierliche Frau mit den kurzen Haaren als eine äußerst strenge Chefin ein. „Ich habe aber von den Kollegen immer nur das verlangt, was ich selbst bewältigen konnte“, versichert sie. Sie habe sich deshalb mit jedem Arbeitsplatz in ihrem Verantwortungsbereich vertraut gemacht. So habe ihr keiner was vormachen können.

Geregelte Arbeitszeiten kannte sie in all den Jahren nicht. Sie hat immer so lange im Rathaus zugebracht, wie sie brauchte, um die anstehenden Aufgaben zu erledigen. „Ich habe es auch fertiggebracht, am Feiertag ins Rathaus zugehen und wunderte mich, dass die Eingangstür verschlossen war“, erzählt die sie und lacht. Da sie nur fünf Minuten von Rathaus weg wohnt, sei sie schnell wieder nach Hause gegangen. Ihre Eltern hätte immer gesagt: „Du bist mit dem Rathaus verheiratet.“ Und deshalb habe da bis heute auch kein Mann dazwischen gepasst, nimmt es die angehende Rentnerin mit Humor. Und davon hat die Frau eine ganze Menge, auch wenn der meist hintergründig und nicht gleich für jeden zu erkennen ist. Da muss man manchmal auf die Zwischentöne hören.

Vor der vielen freien Zeit, die sie nun ab Montag hat, scheint ihr bei all ihrer Arbeitswut nicht bange zu sein. „Ich habe nach einer schwierigen Augenoperation erst vor zwei Jahren meinen Führerschein machen können. Da habe ich jetzt die nötige Muße, mit meinem kleinen Opel los zu düsen und interessante Ziele anzusteuern“, erzählt sie frei von der Leber weg. Vor geraumer Zeit hat sie sich mit Blick auf das Rentnerdasein außerdem einen Hund zugelegt. Mit ihrem Zwergpudel kann sie nun mehr unterwegs sein.

Christine Becker möchte aber auch die Kontakte zu ihren vielen Freunden in Ungarn, deren Sprache sie spricht, wieder aufleben lassen. „Die sind in den letzten drei, vier Jahren etwas eingeschlafen“, bedauert sie. Endlich habe sie nun auch Zeit, an der Volkshochschule noch andere Sprachen zu erlernen. Dafür hatte sie bisher ebenso wenig Zeit wie für den Verein Flugwelten in Nobitz, deren Mitglied sie seit Jahren ist. Künftig werde sie sich dort öfter sehen lassen. Aber erst einmal ist die Renovierung ihrer Wohnung dran. Die Handwerker sind schon bestellt. Damit ist ihr To-Do-Liste jedoch noch längst nicht abgearbeitet.

Denn da sind noch der Garten am Haus und die Schränke, die endlich mal ausgemistet werden müssen. Und ganz von der Arbeit loskommen wird sie wohl doch nicht gleich, hat sie doch den Kollegen angeboten, ihnen bei Fragen jederzeit zur Verfügung zu stehen. Und da steht ja auch noch die Abschiedsrunde an, die in der nächsten Woche geplant ist.

Von Marlies Neumann

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