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„Cohn Bucky Levy“ – Zusatzvorstellungen wegen enormer Kartennachfrage

Theater in der Stadt „Cohn Bucky Levy“ – Zusatzvorstellungen wegen enormer Kartennachfrage

Am Sonnabend ist in Altenburg die mit Spannung erwartete Premiere des Theaterstücks „Cohn Bucky Levy – der Verlust“ zu erleben. Die OVZ war bei den Proben dabei und hat zugleich eine gute Nachricht für alle Interessenten: Der enormen Kartennachfrage wegen bietet das Theater zwei Zusatzvorstellungen an.

Bei den Proben mit den in- und ausländischen Schauspielern im Paul-Gustavus-Haus.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Es ist laut im Hinterhaus des Paul-Gustavus-Hauses in der Altenburger Wallstraße. Musik dringt durch die geschlossenen Fenster, drinnen singt und tanzt eine Gruppe Menschen zu dezent nahöstlich angehauchten Klängen, auf dem nackten Betonboden sind deutlich die Tanzschritte zu vernehmen. Es wird viel gelacht, laut in die Hände geklatscht. Immer wieder gibt Regisseur Bernhard Stengele Anweisungen – auf Deutsch und Englisch, der israelischen und palästinensischen Gastdarsteller wegen.

Ein fast alltägliches Bild in den letzten Wochen im Gustavus-Haus, denn es war die Hochzeit der Proben für das internationale Theaterprojekt „Cohn Bucky Levy – Der Verlust“, das morgen Abend seine mit Spannung erwartete Premiere erlebt.

Für die Gäste aus Israel waren die Proben mit den deutschen Kollegen nicht nur auf Grund der Sprachunterschiede eine neue Erfahrung. „Hier können sich die Darsteller viel mehr auf ihr Spiel konzentrieren und müssen nicht auch noch die Regie im Hinterkopf behalten“, zählt Shahir Kabaha auf. Und Schauspielkollegin Meshi Elbar fügt hinzu: „Es ist auch technisch anspruchsvoll, wir müssen beispielsweise üben, unsere Stimmen anders einzusetzen, schließlich spielen wir nicht auf einer normalen Bühne, sondern an verschiedenen Orten mit der ihnen eigener Akustik.“

Insbesondere den Räumen im Paul-Gustavus-Haus kommt bei dem Stück eine wichtige Rolle zu. Neben dem Hinterhaus sind auch Szenen in der Bibliothek und in weiteren Räumen im Obergeschoss eingeplant, erklärt Dramaturgin Svea Haugwitz. Und die Räumlichkeiten erfüllen neben der Rolle als Kulisse noch eine weitere Funktion. Durch die für die Ausstattung zuständige Schweizer Künstlerin Marianne Hollenstein wurde eine Mischung aus Bühnenbild, Kunstinstallation und Museum errichtet. Im schwarzen Raum etwa ziehen sich schwarze Papierbahnen mit weißer Schrift über die Wände. „Das ist einer Wand, die wir während unseres Besuchs in Bethlehem sehen konnten, nachempfunden“, so Haugwitz. „In einem Palästinenserlager waren dort auf schwarzen Wänden die Namen von Kindern notiert, die bei einer israelischen Militäraktion ihr Leben verloren.“

Bezüge zwischen der Geschichte des Altenburger Familienverbundes Cohn, Bucky und Levy und aktuellen Ereignissen herzustellen, ist ein Kernanliegen der Produktion. Ganz bewusst ließen deshalb insbesondere die Gastdarsteller ihre palästinensischen und israelischen Hintergründe in den Probenprozess einfließen, trafen sich sogar extra mit einem Psychologen, um in Gesprächen über ihr persönliches Leben einen besseren Bezug zu ihren Figuren aufzubauen.

„Das Gefühl der Vertreibung, etwas Gewohntes plötzlich weggenommen zu bekommen, kann ich sehr gut nachvollziehen“, betont Yara Jarrar. Auch ihre Familie habe nach 1948 fliehen müssen, zunächst in den Libanon, dann weiter nach Syrien. Für ihren Kollegen Kfir Livne-Amram hingegen bildet insbesondere der Kriegsdienst von Albert Levy und Sally Bucky einen wichtigen Anknüpfungspunkt, hat er doch selbst den obligatorischen israelischen Militärdienst durchlaufen.

Generell sei insbesondere der Austausch mit den deutschen Kollegen sehr erhellend gewesen, so Kfir Livne-Amram. „Für uns ist dies die erste Gelegenheit, auch die deutsche Sicht auf den Holocaust kennenzulernen. Beeindruckt hat uns vor allem ihr Bekenntnis zur eigenen Schuld – so eröffnen sich auch uns neue Perspektiven.“ Generell, so fügt Meshi Elbar an, seien die Altenburger ihnen gegenüber sehr aufgeschlossen, träten gerne und intensiv in den Dialog über das Projekt und seine Geschichte.

All das, so sind sich die vier Gastdarsteller sicher, erlaube es ihnen, ihren Figuren und so auch den historischen Vorbildern greifbare Facetten zu verleihen, sie im Heute zu verankern. „Wir geben mit diesem Projekt diesen Familien die Chance, wieder hier zu sein, an den Orten, an denen sie einst lebten“, fasst Livne-Amram zusammen.

Am Freitag treffen die rund 20 Nachfahren der jüdischen Familien Cohn, Bucky und Levy anlässlich der Premiere der Theaterproduktion in Altenburg ein. Bereits im März hatte Schauspieldirektor Bernhard Stengele zur Finanzierung der Unterbringungskosten der Familien aus England, Kanada Südafrika und den USA zur Spendenaktion aufgerufen. Dank der zahlreichen Beteiligung der Altenburger Bürgerschaft und einer Zuwendung der Stadt gemeinsam mit der Energie- und Wasserversorgung (Ewa) ist ein großer Teil finanziert worden. Über einen Projektantrag des Innova Sozialwerk konnten die Restmittel für ein umfangreiches Begleitprogramm für die Gäste finanziert werden.

Wie das Theater mitteilt, sind Gäste aus Altenburg und Umland willkommen, gemeinsam mit den Nachfahren der Familie das Wochenende zu verbringen. Das gilt insbesondere für den Stadtrundgang am Sonnabend um 10 Uhr und die Theaterführung um 15 Uhr. Zudem ist die Premierenfeier am gleichen Tag gegen 22.30 Uhr im Paul-Gustavus-Haus für alle Interessierten öffentlich zugänglich.

Die Nachfrage für das Schauspiel „Cohn Bucky Levy – Der Verlust“ ist inzwischen so groß, dass vom Theater Zusatzvorstellungen angeboten werden. Außerdem gibt es durch nicht in Anspruch genommene Reservierungen auch für die B-Premiere an diesem Sonntag wieder einige wenige Restkarten.

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Die Vorstellungstermine

20. Mai, 19.30 Uhr, A-Premiere (ausverkauft)

21. Mai, 19.30 Uhr, B-Premiere (Restkarten)

23. Mai, 19.30 Uhr (neue Zusatzvorstellung)

24. Mai, 19.30 Uhr (ausverkauft)

26. Mai, 19.30 Uhr (ausverkauft)

27. Mai, 19.30 Uhr (Restkarten)

28. Mai, 19.30 Uhr (noch Karten)

30. Mai, 19.30 Uhr (neue Zusatzvorstellung)

31. Mai, 19.30 Uhr (Restkarten)

1. Juni, 19.30 Uhr (ausverkauft)

2. Juni, 19.30 Uhr (noch Karten)

Karten gibt es an der Theaterkasse
(Tel. 03447 585177) oder in der Altenburg Information (Tel. 03447 574742). Beginn jeweils am Markt 23 in Altenburg (ehemalige Apotheke), Abendkasse in der Altenburg-Information am Markt 10.

Von Bastian Fischer und Ellen Paul

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