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Crystal-Stadt Altenburg? Schriftzug an der Roten Zora befeuert Debatte

Crystal-Stadt Altenburg? Schriftzug an der Roten Zora befeuert Debatte

Die Skatstadt hat ein Drogenproblem. Allein es spricht kaum jemand offen darüber. Jetzt hat ein Graffito, das Unbekannte an das ehemalige städtische Kinder- und Jugendhaus "Rote Zora" in der Schollstraße sprühten.

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Bunt und provozierend: Der circa fünf Meter lange Schriftzug am Ex-Jugendzentrum "Rote Zora" mobilisiert die Internetgemeinde.

Quelle: Mario Jahn

"Altenburg Crystal City" ist an der Fassade gleich gegenüber vom Großen Teich zu lesen. Die Polizei kannte dieses Graffito bis gestern noch nicht. "Aber jetzt werden wir ein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung einleiten", erklärte Ronny Pommer, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes der Polizeiinspektion Altenburger Land. Aufsehen erregt hat der Schriftzug aber schon reichlich. So gibt es etwa bei Facebook seit Tagen eine umfangreiche und äußerst kontroverse Diskussion, wie es sie bislang öffentlich kaum gab.

 

"Traurig, aber wohl leider wahr...", schreibt Sven Schmidtchen gleich zu Beginn der Debatte und Altenburgs CDU-Chef André Neumann ergänzt: "Leider eine ziemlich erschreckende Entwicklung! Besonders da wir es, bis auf die Dinge die wir tun, nur schwer beeinflussen können, lässt einen zweifeln."

 

Jenny Gehrhardt, offenbar Mutter eines betroffenen Jugendlichen, kontert: "Bitte was??? Härteres Durchgreifen und betroffene Eltern von Amtswegen nicht in der Luft hängen lassen, wäre schon mal ein Anfang! Leider verhalten sich da aber Obrigkeiten und auch Lokalpolitiker wie die drei Affen!"

 

Sven Barufe meint dazu, dass die Kontrollen durch die Polizei am Thema Drogen vorbeigehen und spricht Neumann direkt an: "Hauptsache es wird kontrolliert, ob man Warndreieck und Verbandkasten im Auto hat oder versehentlich nur Standlicht anhat. André, die Prioritäten sind falsch gesetzt, das Sicherheitsempfinden der Bürger macht sich daran definitiv nicht fest."

 

Mit Susann Winkler meldet sich eine ebenfalls betroffene Angehörige zu Wort: "Wir standen beide ohne Unterstützung von irgendjemanden da... hilflos und allein und genauso allein bekommen wir unsere Kinder auch wieder aus dem Sog heraus, denn Unterstützung und Hilfe bekommt man hier definitiv nicht. Im Gegenteil, wir wurden gehasst, weil wir uns das Recht herausnahmen und an die Öffentlichkeit gegangen sind. Es sollte doch bitte weiter ,geheim' bleiben im Altenburger Land. Dumm nur, dass die Mitbürger nicht alle wegschauen und es mitbekommen haben, was wirklich in ABG los ist. Ein damals Abhängiger hat sich die Prävention angesehen und in seinem Feedback klar gesagt: ,Hier werden die Kinder noch neugieriger auf Drogen gemacht.' Keiner von den Veranstaltern hat ihm geglaubt und doch ist es eine Tatsache."

 

De Anscha ist in der Sozialarbeit tätig und macht den Spagat ihrer Arbeit deutlich: "Wir handeln in unserem fachlichen und rechtlichen sowie arbeitsbezogenem Rahmen. Manche Dinge haben auch etwas mit Vertrauensbasis und Schweigepflicht gegenüber den Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie Eltern und Angehörigen zu tun! Da kann man auch nicht jeden involvieren. Es ist für alle Beteiligten schlimm, wenn ein Angehöriger in eine Sucht verfällt und man den Eindruck hat, keine Hilfe zu erhalten, wobei es auch Unterschiede macht, ob der-/diejenige Hilfe möchte oder nicht. Es gibt Sozialarbeiter die mit Geduld, Aufklärung und Akzeptanz gute Erfolge erzielen. Jedoch ist soziale Arbeit keine Politik und hängt ihre Zahlen nicht ständig aus."

 

Dass man so debattiert, findet der in der "Roten Zora" tätige Sozialarbeiter Rico Schwertner gut. "Aber die Debatte kommt eigentlich um Jahre zu spät", meinte er gestern auf OVZ-Nachfrage.

 

Ohne Folge ist die immer wieder aufflammende Drogen-Debatte aber nicht geblieben. Nach OVZ-Informationen will Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) noch diese Woche mit führenden Vertretern der Polizei aus Altenburg und Gera, der Staatsanwaltschaft Gera und des Amtsgerichts Altenburg eine neue Strategie für mehr Sicherheit in der Skatstadt präsentieren. Dabei soll auch das Thema Drogen eine Rolle spielen.

Jörg Wolf/Thomas Haegeler

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