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DRK Altenburg schnappt sich Oldtimer-Krankenwagen

DRK Altenburg schnappt sich Oldtimer-Krankenwagen

Beim Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) fiebert man dem Sonnabend entgegen. Speziell beim siebenköpfigen Traditionsverein mit Günter Schöbel an der Spitze.

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Das Krankenwagen-Schmuckstück kurz vor der Rundum-Erneuerung.

Altenburg/Steigra. Denn der kann nach intensiver Suche sein neues, frisch restauriertes mobiles Schmuckstück in Besitz nehmen. Ein Unikat. Der 1953 in der DDR gebaute IFA F8 ist ohnehin schon eine Rarität. Immerhin lief dieser Fahrzeugtyp nur 25 000-mal von den Bändern. Doch in der Ausführung als Krankentransportwagen, wie ihn bald der Traditionsverein in Altenburg präsentieren kann, ist er mittlerweile einzigartig. Natürlich macht sich deshalb eine kleine Abordnung mit dem Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes, Ulf Müller an der Spitze, auf den Weg von Altenburg nach Steigra nahe Querfurt, wo das Fahrzeug aufwendig restauriert wurde.

 

"Klar ist bei uns allen die Vorfreude riesig", sagt Ulf Müller. Der einzigartige F8 mit seinem markanten Heck aus Holz ist beim hiesigen DRK sozusagen eine Ablösung. Denn ursprünglich hatte der Traditionsverein, der mit so einem auffallenden Gefährt regelmäßig bei Treffen gleichgesinnter Oldtimerfans sowie auf Werbefahrten für das DRK und das ehrenamtliche Engagement unterwegs ist, einen Sanitätskraftwagen der Marke Garant aus dem Jahr 1958 als Flaggschiff. Zwischen 2001 und 2003 hatten Vereinsmitglieder das betagte Fahrzeug restauriert und wieder fahrtüchtig gemacht. "Aber der Garant konnte längere Strecken nicht aus eigener Kraft bewältigen. Und es war für uns immer ein riesiger Aufwand, das Fahrzeug per Transporter zu entfernteren Treffen zu schaffen", so Müller.

 

Deshalb habe man beim DRK nach einem anderen, leichter zu handhabenden Oldtimer gesucht. "Das war schon ein ziemlicher Aufwand. Immerhin sind solche speziellen Krankenfahrzeuge echte Raritäten", erinnert sich Müller. Aber vergangenes Jahr sei man im Internet fündig geworden: Eine Autowerkstatt in Steigra, die SAS Autoservice KG, bot eben jenen F8 an. "Natürlich noch völlig unsaniert. Aber wir haben uns dann dazu entschlossen, unseren Garant zu verkaufen und mit dem Erlös den F8 sowie dessen Restaurierung zu finanzieren", erklärt Müller das Geschäft mit den Sachsen-Anhaltern.

 

Szenenwechsel: Familie Hodel in Steigra hat förmlich Benzin im Blut. Das Unternehmen SAS ist ein echter Familienbetrieb. Und vor allem bei betagten Fahrzeugen schlägt das Herz der Hodels schneller. "Wir sind eigentlich immer auf der Suche nach solchen Schätzen", erzählt Stefan Hodel. Gemeinsam mit einem Bekannten wurde der Juniorchef der Firma im Internet auf den F8 aufmerksam. "Er hat um die 30 Jahre ungenutzt bei Werdau in einer Scheune gestanden. Sicher war das für das gute Stück auch ein Glücksfall, denn das sowie später aufgetragene Lackschichten haben das Fahrzeug und speziell das hölzerne Heck recht gut konserviert", erzählt er.

 

Vorerst verwahrten Hodels den Oldtimer in ihrer Firma - und boten ihn im vergangenen Jahr selber via Internet an. "Das ist als Krankenwagen ein so spezielles Fahrzeug, dass wir dafür Nachnutzer suchten, die idealerweise vom Fach kommen. Und das ist mit dem Altenburger DRK ja ein richtiger Glücksfall."

 

Schnell wurde man sich einig, und die mühevolle Restaurierung startete. In zahllosen Stunden nach Feierabend und an Wochenenden machte sich der 32-Jährige daran, dem F8 wieder neues Leben und vor allem neuen Glanz einzuhauchen. "Ich habe auch das lange Wochenende am Maifeiertag praktisch durchgearbeitet, um alles fertig zu bekommen", sagt Hodel. Für die Aufarbeitung des Holzhecks konnte er auf die Hilfe eines gut bekannten Tischlers und Stellmachers bauen, der die Holzrestaurierung quasi in Rekordzeit erledigte. Wie auch alle anderen Arbeiten. "Eigentlich habe ich erst im Januar so richtig mit der Restauration losgelegt. Das war schon ein schönes Stück Arbeit. Aber danach ist man auch sehr stolz, so etwas Einzigartiges geschaffen zu haben", bekennt der Experte.

 

Morgen können die Altenburger Rotkreuzler nun ihr neues (altes) Schmuckstück erstmals in der Steigraer Werkstatt bestaunen. Und in absehbarer Zeit wird das Fahrzeug dann auch gen Thüringen umziehen. Kommt da bei Stefan Hodel nicht auch ein wenig Wehmut auf? "Keineswegs. Mir ist dieses Wissen wichtiger, etwas Einzigartiges geschaffen zu haben." Und sicher werde man bei dem einen oder anderen Oldtimertreffen diesem F8 wieder begegnen.

 

In Altenburg hat Ulf Müller zwischenzeitlich den Steckbrief des F8 regelrecht auswendig gelernt: "Das ist ein wassergekühlter Zweitakter mit 20 Pferdestärken, drei Gängen und 700 Kubik. Und die Maschine hat erst ganze 4700 Kilometer auf dem Buckel", zählt er wie aus der Pistole geschossen auf.

 

Übrigens: Ihren alten und selber restaurierten Garant mit dem Baujahr 1958 haben die Altenburger Rotkreuzler schweren Herzens verkauft, um die Neuanschaffung zu finanzieren. Aber vielleicht gibt es bald ein Wiedersehen zwischen dem 57-jährigen Garant und dem 62-jährigen F8. Denn verkauft wurde der erste DRK-Oldtimer nach Gera und hat damit ganz in der Nähe sein neues Zuhause gefunden.

Jörg Wolf

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