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Da wird Hamlet fast zweitrangig / Schauspielensemble diskutiert über eigene Zukunft

Da wird Hamlet fast zweitrangig / Schauspielensemble diskutiert über eigene Zukunft

Zwei Dramen sind es, die sich aus der Fülle der dramatischen Weltliteratur hervorheben und den Spielplan eines jeden Schauspiels oder eines ganzen Theaters krönen können: Goethes Faust und Shakespeares Hamlet.

Altenburg.

 

 

 

 

Von Manfred Hainich

Traditionell gab es vor der Premiere das Theaterfrühstück des Altenburger Theatervereins. Ein zahlreich erschienenes Publikum bewies vorgestern, welches Interesse an der wohl problematischsten und am häufigsten aufgeführten Tragödie Shakespeares besteht. Bis auf zwei waren das Inszenierungsteam und alle beteiligten Schauspielerinnen und Schauspieler erschienen, um das Hauptproblem zu behandeln: den Gegensatz zwischen Denken und Handeln, zwischen Geist und Tat. Nach der verbalen Einführung in das Werk und die Altenburger Inszenierung durch Schauspieldramaturg Lennart Naujoks zeigten die Schauspieler die große Auftrittsszene des Königs mit dessen Thronrede - ausgezeichnet gesprochen von Rüdiger Rudolph. Wobei hier wie in den anderen vorgestellten Szenen das gute verständliche Sprechen des Textes in der Schlegel/Tieckschen-Übersetzung angenehm auffiel. Regisseur Tilman Gersch machte die Parallelen zur jetzigen gesellschaftlichen Situation deutlich. Dabei geht es nicht nur darum, wie sich Machtgeilheit und berechnendes Handeln des Königs auch heute noch in politischen Kreisen wiederfinden lassen, sondern am Beispiel Hamlets soll die Menschwerdung eines Heranwachsenden in der Gesellschaft widergespiegelt werden. Leider wurde nichts dazu gesagt, wie dies in der Inszenierung deutlich werden soll. In anderen kurzen Szenen überzeugten Henning Bäcker als Hamlet und Alice von Lindenau als Ophelia. Bühnenbildner York Landgraf erläuterte anhand einer technisch raffinierten Installation das Bühnenbild.

Schon vor Beginn der Veranstaltung hatten sich Vereinsvorstand und Schauspielensemble abgesprochen, das sonst allein dem neuen Stück vorbehaltene Theaterfrühstück auch für eine Debatte zur aktuellen Finanzssituation zu nutzen. Denn: Jede Veranstaltung zur Präsentation eines neuen Stücks wird zweitrangig, wenn die Sparte Schauspiel gefährdet ist und gar überflüssig zu werden droht. Vorsitzende Barbara Grubitzsch nutzte die Gelegenheit, um die Aktivitäten des Vereins zur Unterstützung des Theaters aufzulisten, nannte unter anderem Briefe an hiesige Politiker und Gremien, Aktionen vor und im Kreistag und die Unterschriftensammlung 2010, mit der der Erhalt des Theaters in seiner jetzigen Form gefordert wurde. Als neue Aktion aufgrund der aktuellen Situation wird der Theaterverein allen Kandidaten für die Oberbürgermeister- und Landratswahl und Vertretern der einzelnen Sparten des Theaters ein Forum zum Informations- und Meinungsaustausch geben. Der Termin steht noch nicht fest.

In der Diskussion äußerten sich vornehmlich die Schauspieler. Sie bemängelten unter anderem, dass die Bürger von den verantwortlichen Politikern nicht für Kultur und Kunst sensibilisiert würden. Das Publikum erfahre immer nur Negatives über das Theater von ihnen, ein Bekenntnis zur Kultur und zum Theater im Besonderen fehle vollkommen.

Da habe man 140 Jahre im Vorjahr Landestheater gefeiert und geäußert, dass diese Einrichtung die Stadt, die Region und den Kunstverstand der Bürger geprägt habe. Heute höre man aber nichts davon, dass dies für die Zukunft genau noch gelte. "Welcher Politiker sagt öffentlich: Ich brauche unser Theater wie Ihr, liebe Bürger?, fragten die jungen Schauspieler. Wer lege zuerst ein Bekenntnis zum Theater ab und spreche erst dann über die Möglichkeiten der Finanzierung? Allein schon durch die Tatsache, dass von den gewählten Politikern und den Verantwortlichen in den Parteien, weniger als zwei Handvoll regelmäßig das Theater besuchen würden, sei der Weiterbestand gefährdet.

Bedauert wurde zudem, dass es zur aktuellen prekären Situation so gut wie keine Äußerungen von Bürgern, vornehmlich von Theaterbesuchern gebe.

 

-Kommentar Seite 11

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