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Das AWA-Team verjüngt sich und die Azubis heuern in Altenburg in Scharen an

Aus- und Weiterbildung Das AWA-Team verjüngt sich und die Azubis heuern in Altenburg in Scharen an

In hochmoderne Technik und exzellente Ausbildungsbedingungen hat der 1. Aus- und Weiterbildungsverbund Altenburg (AWA) seit seiner Gründung vor 23 Jahren weit über zehn Millionen Euro investiert. Doch das allein macht die Erfolgsgeschichte noch nicht rund. „Die Ausbildung und die Arbeit müssen auch Spaß machen“, sagt Chef Hans-Reiner Kasel.

AWA-Chef Hans-Reiner Kasel (2.v.l.) und Mitglieder seines sich verjüngenden Teams: sein Stellvertreter Henry Schüttoff-Kasel (4.v.l.) sowie Robert Kolbe, Ronny Bräunlich, Christian Gerth und Matthias Heinke (v.l.).

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Weil die Hausapotheke mal wieder aufgefrischt werden muss, hält der AWA-Chef etliche Medikamente im Arm, als er über den Hof der Ausbildungsstätte an der Franz-Mehring-Straße zu seinem Büro schreitet. „Ist das alles etwa für Sie?“, schallt es ihm aus einer Gruppe von Azubis entgegen, die gerade Mittagspause haben. „Leider. Das brauche ich, um es mit Euch auszuhalten“, antwortet Hans-Reiner Kasel und hat die Lacher auf seiner Seite.

Eine eher unbedeutende Episode aus dem Alltag beim 1. Gemeinnützigen Aus- und Weiterbildungsverbund Altenburg? Ja und nein. Klar messen beide Seiten diesem Dialog keine große Bedeutung zu. Und dennoch: So banal er auch wirkt, so aussagekräftig ist er über die Atmosphäre, die beim AWA herrscht. Denn eine hochmoderne Technik scheint nur halb so viel wert, wenn Auszubildende oder Umschüler missmutig auf Arbeit gehen, das Klima nicht stimmt.

Und auch beim Chef kommen da zwei Seiten zusammen: die ungezwungene, gern lockere Art des Umgangs mit Kollegen und Schülern und die Tatsache, dass er für den von ihm 1993 gegründeten AWA e.V. nach wie vor brennt und für ihn, wenn es sein muss, hart verhandelt. „Man merkt Ihnen richtig an, dass Ihnen Ihre Arbeit große Freude macht“, konstatierte jüngst kein Geringerer als Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke), von dem Kasel in diesem Jahr zum Sommerfest in die Staatskanzlei eingeladen wurde. „Stimmt, das hält mich jung“, bestätigte er dem Politiker.

All das scheint sich im Altenburger Land und weit darüber hinaus zunehmend herumzusprechen. Denn zum Start des neuen Ausbildungsjahres vor einigen Wochen haben so viele Azubis wie noch nie seit seiner Gründung beim AWA „angeheuert“: 145 an der Zahl. „Die anderen reden alle vom Geburtenknick, wir merken nichts davon“, konstatiert Hans-Reiner Kasel. „Das ist eine große Freude und Bestätigung für uns.“

Besonders die Ausbildung als Werkzeugmechaniker, Verfahrensmechaniker und Werkstoffprüfer sind gefragt. Und was die CNC-Technik angeht, will man Vorreiter in der Region im Bereich der Hochleistungszerspanung werden, die eine Zeitersparnis in der Produktion von 70 Prozent bringt.

„Wir bilden die Leute nicht nur in Altenburg, sondern sehr oft auch in den Firmen direkt aus“, betont Kasel. „Wir gehen dorthin, wo wir gebraucht werden, sei es beim Hersteller von Hochleistungskomponenten Cotesa in Mittweida, dem Elektronik-Hersteller Sumida im thüringischen Lehesten oder in diesem Jahr wiederum in Rumänien.“ Die Einsicht, dass vor allem technische Berufe eine Zukunft haben, sei bei den jungen Leuten zunehmend gereift.

Doch selbstverständlich macht das Image nicht allein das Erfolgsgeheimnis dieses ungewöhnlichen Ausbildungsbetriebes – kein anderer weit und breit ist ein eingetragener Verein – aus. Dazu bedarf es auch der 24 engagierten und auf ihren Gebieten ausgesprochen fitten Mitarbeiter sowie einer Technik und Ausbildungsbedingungen, die ihresgleichen suchen. Allein in den zurückliegenden zwölf Monaten wurden 100 000 Euro beispielsweise in die Serverumstellung und neue Einrichtung der Schulungsräume gesteckt. Noch einmal so viel wird bis Jahresende in neue Technik investiert.

Insgesamt kommt seit Gründung eine Investitionssumme von weit über zehn Millionen Euro zusammen. Alles selbst erwirtschaftet, ohne jegliche Fördermittel, betont Kasel. Und auch sonst können sich die Zahlen sehen lassen: Der AWA ist Partner für Aus- und Weiterbildung in 24 Branchen für insgesamt 347 Unternehmen im In- und Ausland. Er sichert die Aus- und Weiterbildung in 49 Berufen.

In 23 Jahren wurden über 26 000 Fachkräfte berufsbildend begleitet. Dass die Ausbildungsstätte mehrfach zertifiziert ist, zahlreiche Referenzen vorweisen kann, versteht sich hier fast schon von selbst. Außerdem werden im Namen der IHK Leipzig die Werkstoffprüfer geprüft und seit diesem Jahr Deutsch-Einstiegskurs für Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive angeboten.

Was das AWA-Team selbst angeht, wird selbstverständlich auch hier Weiterbildung groß geschrieben. So haben acht Mitarbeiter eine rehabilitationspädagogische Zusatzqualifikation erworben. Und es ist gerade ein Verjüngungsprozess im Gange. „Mehrere Mitarbeiter der ersten Stunde haben inzwischen das Rentenalter erreicht, so rücken in vielen Bereichen junge Leute nach“, sagt Hans-Reiner Kasel, der selbst freilich noch nicht an den Ruhestand denken mag. „Bis 65 bleibe ich auf jeden Fall, und danach noch ein bisschen als Frühstücksdirektor“, lacht der 62-Jährige.

Typisch Kasel halt – siehe Medikamenten-Episode.

Von Ellen Paul

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