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"Das Ansehen leidet"

"Das Ansehen leidet"

Gegen die vom Kreistag beschlossene Mieterhöhung des Wohnheims für Berufsschüler regt sich Widerstand. Vertreter der Ausbildungsbereiche Papier- und Packmitteltechnologie befürchten Nachteile für den Standort Altenburg.

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Im Azubi-Wohnheim in der Ludwig-Hayne-Straße steigen ab Sonntag die Mieten - monatlich auf 40 Euro im Haus 1 (rechts) und auf 70 Euro im Haus 2 (links).

Quelle: Mario Jahn

Schüler kritisieren den plötzlichen und zu hohen Anstieg der Kosten, die sich im sanierten Teil des Heims fast verdoppeln.

 

Der Kreistag hatte auf seiner Dezember-Sitzung einstimmig beschlossen, die Miete im sanierten Teil des Wohnheimes (Haus 2) in der Ludwig-Hayne-Straße von 40 auf 70 Euro und im unsanierten Teil (Haus 1) von 30 auf 40 Euro pro Woche zu erhöhen. Der Anstieg tritt an diesem Sonntag in Kraft.

 

Im Haus 1 gibt es 120 Betten, von denen meist 50 bis 60 nicht belegt sind. Haus 2 besitzt 70 meist immer belegte Betten. Diese Zahlen erfuhr OVZ von Thomas Friedewald, einem Fachlehrer für Papier- und Packmitteltechnologie an der Johann-Friedrich-Pierer-Schule. Seinen Angaben zufolge komme der Großteil der Azubis, die im Wohnheim übernachten, aus seinen Fachbereichen, nämlich etwa 70 bis 75 Berufsschüler. Dabei gebe es die Fachrichtung Papiertechnologie neben Altenburg nur noch einmal in Deutschland, nämlich in Baden-Baden, erläutert Thomas Friedewald. Die Ausbildung zum Packmittel-Technologen findet in den neuen Bundesländern ausschließlich in der Skatstadt statt.

 

Deswegen haben die Lehrer in seiner Fachrichtung wegen des plötzlichen und ziemlich hohen Anstiegs der Mieten große Bauchschmerzen. Die Konsequenzen seien nicht absehbar. Ziemlich sicher sei, dass das Ansehen Altenburgs als Ausbildungsstandort für Papier- und Packmitteltechnologie leidet. "Schlimmstenfalls könnte die Ausbildung auch woanders stattfinden", sagt Friedewald.

 

Verwundert ist Thomas Friedewald auch über die Darstellung des Landratsamtes, wonach Azubis ins preiswertere Haus 1 umziehen könnten, wenn ihnen die Mietsteigerung zu hoch ist. Nähmen die Schüler dieses Angebot an, wäre dieses Gebäude voll und könne dann aber nicht saniert werden. Friedewald geht damit auf die Ankündigung des Landratsamtes ein, wonach im Haus 1 dringend etwas getan werden muss, wie bei Fußböden, Türen, Sanitäreinrichtungen und technischen Anlagen. Dafür solle auch das Geld eingesetzt werden, das durch die Mieterhöhung zusätzlich eingenommen wird.

 

Friedewald verweist in seiner Kritik auch auf die Historie des Lehrlingswohnheimes, das Ende der 80er-Jahre errichtet und von der Ingenieurschule für Papier- und Verpackungstechnik betrieben wurde. Erst im Zuge der Übernahme der Berufsschule in Trägerschaft des Kreises Mitte der 90er-Jahre sei auch das Wohnheim an den Landkreis gegangen. Diesen Aspekt hebt auch Simone Hoege hervor, die Vorsitzende des Fördervereins "P2V-Altenburg", der unter anderem die Ausbildung in der Papiererzeugung unterstützt. Das Wohngebäude sei schließlich nicht vom Landkreis, sondern von der Industrie errichtet worden, sagte sie der OVZ. Und jetzt werden genau die Azubis jener Industriezweige zur Kasse gebeten. Hoege und Friedewald ist bekannt, dass das Haus 2 des Wohnheims für 3,2 Millionen Euro vom Landkreis neu gebaut und 2007 eingeweiht wurde. Aber auch dafür habe die Papierindustrie 250 000 Euro beigesteuert, betonen beide.

 

Unruhe gibt es offenbar auch unter den Azubis, die die plötzliche und auch ziemlich saftige Erhöhung ärgert. "Warum sollen wir jetzt für Dinge bezahlen, die in der Vergangenheit versäumt wurden?", fragt sich beispielsweise Tom Rothfeld, angehender Papiertechnologe. Der Azubi aus Zschepplin bei Eilenburg verweist auf den Fakt, dass auch nicht alle Berufsschüler Mietzuschüsse von ihren Betrieben bekommen. 280 Euro im Monat seien dann nicht mehr erschwinglich.

 

Auch das Landratsamt hatte gegenüber OVZ darauf verwiesen, dass die Mieterhöhung für die meisten Heimbewohner kaum Auswirkungen habe, weil 80 Prozent der Miete die Betriebe zahlen.

 

Genau dort regt sich nun Widerstand. Das zumindest will Simone Hoege erfahren haben, die als Fördervereinsvorsitzende die Kontakte zu den Betrieben und betreffenden Wirtschaftsverbänden pflegt. Ihren Informationen zufolge ist dort geplant, bald Kontakt zum Landratsamt aufzunehmen, um bestehende Irritationen auszuräumen und auch über die Mieterhöhungen zu sprechen. © Kommentar

Jens Rosenkranz

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