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Das Geheimnis der Moritzstraße 6

Das Geheimnis der Moritzstraße 6

Henry Wagners Arbeit gleicht der filigranen eines Chirurgen. Mit einer Spezialflüssigkeit in einer Spritze festigt der Leipziger Diplomrestaurator derzeit Tröpfchen um Tröpfchen die Malschichten eines alten Deckengemäldes in der Moritzstraße 6 in Altenburg.

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Das komplett freigelegte Deckengemälde wird der Hingucker in dem Wohnzimmer.

Quelle: Jens Paul Taubert

Dass es im ersten Obergeschoss dieses um die 15 Jahre leer stehenden Barockgebäudes überhaupt so ein Deckengemälde gibt, war lange Zeit unbekannt. Oder besser gesagt: Es war vergessen. Denn irgendwann wurde das circa 36 Quadratmeter messende Bild mit Szenen aus der griechischen Götterwelt schlichtweg mit weißer Farbe übertüncht. Und erst bei einer genaueren Untersuchung im Zuge der derzeit laufenden Generalsanierung des völlig maroden Gebäude wiederentdeckt.

 

"Um die zwei Wochen habe ich gebraucht, um zunächst diese Farbschicht vorsichtig zu entfernen", erzählt der 36-jährige Experte, der noch nicht weiß, wie viel Zeit er noch genau für die Restauration des Werkes benötigt.

 

Doch mittlerweile sind bereits die ersten Geheimnisse um die Darstellung gelüftet. "Ich denke, dass das Gemälde im 19. Jahrhundert entstanden ist und nicht, wie erst angenommen, bereits in der Barockzeit", legt sich der Leipziger fest, der als Restaurator ein ausgemachtes Faible für die Skatstadt entwickelt hat. "In der Stadt gibt es eine solche Fülle von historischen Gebäuden, die schon bestechend ist." Und die für einen Fachmann wie Wagner beruflich Idealzustände verheißen. Der Mann hat sich auch schon bei anderen Objekten in Altenburg eingebracht und hier sogar schon als Student gearbeitet. Beispielsweise war er bei den Restaurierungen im Oberzetzschaer Herrenhaus sowie im Teehaus dabei.

 

Altenburgs oberster Denkmalschützer Jürgen Fröhlich kommt beim Gang durch die Baustelle ins Schwärmen: "Solche eher zufälligen Funde sind für uns doch eher wie Glücksmomente", sagt der 53-Jährige. Und so richtig rund macht das Glück, dass der ungenannt bleiben wollende Besitzer der denkmalgeschützten Immobilie aus freien Stücken die Restaurierung finanziert. "Das ist wirklich ein sehr gutes Zusammenarbeiten", lobt Fröhlich den geschmeidigen und beileibe nicht immer üblichen Umgang zwischen Denkmalschützern und Investoren.

 

Beileibe soll das Deckenbild nun von Henry Wagner nicht wieder in seinen tadellosen Urzustand zurückversetzt werden. "Vielmehr soll es bis auf einige kleine Kaschierungen so konserviert werden, wie es sich jetzt darbietet", sagt Fröhlich. Auch die demolierten Teile der Stuckelemente sollen hergerichtet werden.

 

Übrigens: Für Glücksmomente bei den Denkmalschützern sorgt nicht nur das Bild, sondern auch die Wiederauferstehung des gesamten Gebäudes. "Immerhin handelt es sich hier um eines der repräsentativsten bürgerlichen Barockgebäude in der Stadt, und es ist das prächtigste der Moritzstraße", legt sich Fröhlich fest. Mit Schaudern erinnert er sich an den ruinösen Zustand, in dem sich der Komplex vor dem Beginn der Sanierung befand und findet dafür ein Wort: "Katastrophal! Schön, dass es jetzt wiederhergestellt wird."

Jörg Wolf

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