Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Das Märchen vom langen Einkaufssamstag in der Altenburger Innenstadt

Das Märchen vom langen Einkaufssamstag in der Altenburger Innenstadt

Mit wehenden Fahnen ist die Händlerschaft der Altenburger Innenstadt Ende August vergangenen Jahres in den langen Samstag gestartet. Initiiert von der Werbegemeinschaft, der Interessengemeinschaft (IG) Baderei und der Stadtverwaltung wollte man mit einheitlichen Öffnungszeiten bis 16 Uhr der Konkurrenz auf der grünen Wiese, vor allem dem avisierten Modepark Röther, Paroli bieten.

Voriger Artikel
Aufstieg für Altenburger BC so gut wie sicher
Nächster Artikel
Erste Proteste gegen drohende Spartenschlileßung am Theater

400 kostenlose Parkplätze gibt es - doch nur noch 27 geöffnete Geschäfte.

Altenburg. Von Ellen Paul

Es ist ein relativ schöner Nachmittag. Der Winter hat sich zurückgezogen, die Gehwege und Straßen sind frei, die Temperaturen über Null. Ideales Wetter für einen Einkaufsbummel. Das haben sich am Sonnabend nicht gerade Hunderte kauflustiger Kunden gesagt, doch es herrscht durchaus Betrieb in der City. Man sieht kurz vor 15 Uhr Leute bei den großen Filialisten, aber auch in kleinen Geschäften ist keine gähnende Leere. Doch immer wieder gibt es Verunsicherung. "Hier ist ja zu. Ich dachte, die Geschäfte sind alle geöffnet", ist ein Ehepaar irritiert und freut sich, als dann bei einem Optiker die Eingangstür doch nachgibt. Eine junge Familie hingegen hat richtig Stress, weil dem Filius partout der Sinn nach einer Bratwurst steht - doch es gibt keine. Das Geschäft ist zu, ein fliegender Händler Fehlanzeige. Genauso trostlos sieht es in der Baderei, dem Vorreiter der 16-Uhr-Initiative (!), aus. Bis auf zwei Geschäftsleute hatten vor einem halben Jahr alle zugesagt - jetzt haben bis auf drei alle zu.

Ein Händler nach dem anderen hat inzwischen aufgegeben. So wie beispielsweise Heike Bicking mit ihrer Chocolaterie. "Ich war fest davon überzeugt, dass dies eine gute Sache ist, für uns und für die Kunden. Ich bin damals in der Baderei von Laden zu Laden gegangen und habe fürs Mitmachen geworben", erinnert sich die Geschäftsfrau. Doch es wurden immer weniger, die nach dem Jahreswechsel durchhielten. So hat Heike Bicking vor einer Woche das Handtuch geworfen und die Öffnungszeit an der Ladentür wieder auf 13 Uhr korrigieren lassen.

"Das ist ein Domino-Effekt", bedauert auch Achim Dathe, Inhaber des Meeresbuffets und zugleich Vorsitzender der Interessengemeinschaft Baderei, die Entwicklung. "Wenn die Leute in ihren Geschäften stehen und kein Geld verdienen, ist es halt schwer durchzuhalten", zeigt er Verständnis und bekennt zugleich: "Ab halb drei könnten wir eigentlich immer abschließen, denn da kommt kaum noch jemand. Und manchmal tun wir's auch." Ganz aufgeben will Dathe die Sache mit dem langen Samstag aber trotzdem noch nicht. "Der Jahresanfang ist immer eine schwere Zeit für Händler. Wir werden uns deshalb nächste Woche in der IG noch mal zusammensetzen und reden."

Sinn hätte es auf jeden Fall. Denn es gibt durchaus Händler, für die 16-Uhr-Initiative schon jetzt eine Erfolgsgeschichte ist. Dazu zählt beispielsweise die Altenburger Filiale des Modehauses Fischer. 200 Kunden und einen Umsatz im fünfstelligen Bereich hat Filialleiterin Ines Volkmer für das erste halbe Jahr ausgemacht. Und ihr Kollege Peer Jakobson von der Drogerie Müller bestätigt "Wir hatten bisher jeden Sonnabend bessere Zahlen als in den Jahren zuvor, als 14 Uhr Schluss war. Wir werden deshalb auf jeden Fall weitermachen." Der Filialleiter bedauert allerdings sehr, dass so viele Geschäfte nicht oder nicht mehr dabei sind. Das sei einfach nicht tragbar, denn die Kunden kämen sich veralbert vor. "Jeder Konsum auf dem Dorf hat bis 12 Uhr geöffnet. Und wir sind eine Stadt."

Das sieht auch Elke Matthes vom Juwelier- und Bekleidungsgeschäft Kotthoff & Matthes so. Sie findet es besonders beschämend mit Blick auf die Stadtverwaltung, die sich so ins Zeug gelegt hat. "Sie schaltet Werbung, hat die Parkautomaten umgerüstet, und der OB kommt persönlich zu allen Veranstaltungen, wenn es um die Innenstadt geht. Das ist schon traurig angesichts der wenigen offenen Geschäfte." Sie aber will auf jeden Fall durchhalten, mindestens ein Jahr. Es hätten doch alle gewusst, dass es im Januar und Februar nicht einfach wird. "Ich bin sicher, es kommen jetzt auch wieder bessere Zeiten. Für mich hat sich das Mitmachen bislang auf jeden Fall gelohnt", sagt Elke Matthes.

 

-Kommentar

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Altenburg
  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr