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Das Rathaus stiehlt allen die Show

Das Rathaus stiehlt allen die Show

"Entschuldigung, wo geht's denn jetzt zum Turm?" Ohne lange nach Hinweisschildern Ausschau zu halten, wendet sich die Besucherin lieber gleich ans Personal, das am Eingang des Großen Ratssaals steht.

Altenburg.

Von

 

Nutzt in puncto Zeitersparnis aber nicht viel, denn Heike Schramm bittet, nachdem sie freundlich den Weg gewiesen hat, die Dame wie alle anderen Gäste erst einmal um Geduld. "Eine Dreiviertelstunde Wartezeit müssen Sie rechnen, die Leute stehen Schlange."

 

Zum ersten Mal überhaupt hat die Stadtverwaltung gestern zu einem Tag der offenen Tür eingeladen - es ist der Renner zum Altstadtfest anno 2014. Der Ansturm reißt den gesamten Tag über nicht ab, teilweise muss das Rathaus wegen Überfüllung geschlossen werden. Dann heißt es für die Besucher, sich bereits am Eingang in eine Schlange einzureihen. Doch langweilig ist das Anstehen nicht, denn zwei "Reinigungskräfte" im smarten DDR-Look mit Kittelschürze - wir erinnern uns, die gab's damals auch für den Mann - und Teppichkehrer unterhalten das Publikum.

 

Und auch sonst gibt es jede Menge zu erleben in dem markanten Renaissance-Gebäude, das in diesem Jahr seinen 450. Geburtstag feiert. Die Mitspieler-Akademie hat unter Leitung der international gefragten Tanz- und Theaterpädagogin Heike Hennig aus Leipzig Szenen einstudiert, die sich so oder anders in den vergangenen viereinhalb Jahrhunderten abgespielt haben könnten. Zu jeder vollen Stunde ist im Großen Saal ein Stück zu erleben.

 

Doch dem nicht genug. Auf jeder Etage gibt es etwas zu entdecken aus der jüngeren oder älteren Vergangenheit. Im Kleinen Ratssaal beispielsweise ein opulentes Ratsherrengelage, bei dem so manch Besucher gern zugreifen würde. In einer Nische auf dem Weg in den ersten Stock werden Kohlenkarten ausgegeben - wie es zu DDR-Zeiten ab Anfang der 1960er-Jahre üblich war. Zwölf Zentner standen jedem Bürger jährlich zu. All das wird entweder von den Mitspielern oder auf Tafeln ausführlich erklärt. Dazu gibt es in jedem Raum Erläuterungen zu seinem Interieur oder den Gemälden an der Wand.

 

Ständig gut besucht ist ganz besonders das Bürgermeister-Zimmer. "Die Leute wollen vor allem wissen, ob der OB hier wirklich arbeitet und ob er mit einem Blick in die Glaskugel Politik macht", erzählt Mitarbeiterin Lydia Raupach. Doch die mystische Glaskugel entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ein Pokal, der dem Stadtoberhaupt mal überreicht wurde. Und die erste Frage dürfte vermutlich der Tatsache geschuldet sein, dass der Schreibtisch des Oberbürgermeisters wohl noch sie so aufgeräumt aussah ...

 

Wer jetzt glaubt, dass die anderen, traditionellen Angebote eines Altenburger Altstadtfestes ins Hintertreffen geraten sind, der irrt gewaltig. Der Markt ist vor allem am Nachmittag so gut besucht, dass manchmal kaum ein Durchkommen möglich ist. Die zahlreichen lukullischen Offerten verlocken ebenso zum Platznehmen wie die überaus ansprechenden Programme auf beiden Bühnen. Als echter Renner erweist sich das Ein-Mann-Druckluftorchester. Denn Peter Till aus Dresden weiß mehr, als nur Musik zu machen, er weiß perfekt zu unterhalten. Und die Milkauer Schalmeien mischen zum Schluss den Markt noch mal so richtig auf.

 

Selbstverständlich kommen auch die jüngsten Besucher nicht zu kurz. Wann kann man schon mal vor dem Rathaus nach Herzenslust mit Kreide Bilder aufs Pflaster zaubern?!

 

Dass all dies möglich wurde, ist vor allem den Mitarbeitern von Kulturmanagement und Bauhof der Stadtverwaltung zu verdanken. Denn die Kopplung von Bauernmarkt und Altstadtfest an einem Wochenende bedeutete, dass nach Abschluss des Bauernmarktes am Sonnabend gegen 17 Uhr das große Umbauen begann. "Bis gegen 21 Uhr wurde aufgeräumt und aufgebaut, am Sonntag um 6.30 Uhr ging's weiter", erzählt Heike Schramm vom Kulturmanagement. Aber die Anstrengung hat sich gelohnt. "Wahnsinn, was heute hier bei uns los ist", sagt sie und weist der nächsten Gruppe den Weg zum Rathausturm.

 

© Kommentar

Ellen Paul

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