Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg „Das Tabu wird sich noch einige Jahre halten“
Region Altenburg „Das Tabu wird sich noch einige Jahre halten“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:05 09.05.2017
Das ist keine Chilischote, sondern eine Plastiknachbildung in Form der weiblichen Klitoris. Quelle: Mario Jahn
Anzeige
Altenburg

Im Fernsehen, im Internet, in Zeitschriften und Zeitungen – Sex, Partnerschaft, und alles dazwischen ist omnipräsent. Und spätestens seit dem Erfolg von „Fifty Shades of Grey“ sollten die letzten Tabus aus den Köpfen gestrichen sein.

Dass dem nicht so ist, weiß Dr. med. Carla Thiele. Sie ist Fachärztin für Innere Medizin, Diabetologie und Sexualmedizin und seit dem 1. April Teil des Praxisteams im Rheumazentrum Kupka in der Poliklinik in Altenburg. Außerdem hat sie eine eigene Praxis in Leipzig. „Dieses Tabu wird sich bestimmt auch noch einige Jahre halten“, sagt sie. „Wir sehen Sexualität überall. Aber wir reden nicht darüber, zumindest nicht über die eigene.“

Thiele will ihren Teil dazu beitragen, und diese Hemmungen abbauen. Das tut sie nicht nur als niedergelassene Ärztin, sondern auch im Fernsehen. Bei „MDR um 4“ tritt sie rund alle zwei Monate vor die Kamera und berät live im Studio in der Rubrik „Leichter lieben“ Anrufer zu verschiedenen Themen. „Natürlich können die Leute auch per Mail oder Facebook Kontakt aufnehmen.“ Das Ganze passiert, wenn gewünscht, anonym.

„Natürlich können wir – aufgrund des Jugendschutzes in einer Nachmittagssendung – in manchen Dingen nicht so konkret werden“, erklärt die 43-Jährige. Dafür gibt es dann etwas später im Programm die Leichter lieben Latenight Sendung. Die nächste Ausgabe läuft in der Nacht von Freitag auf Samstag um 0.15 Uhr im MDR. „Dort spreche ich ebenfalls mit Anrufern“, erklärt sie das Konzept.

Bereits im Februar gab es eine solche Livesendung. „Die Einschaltquoten waren sehr gut. Wir merken, dass der Bedarf auf alle Fälle da ist.“ Mit ihr im Studio ist dann auch „MDR um 4“-Moderator Peter Imhof. Die Anrufer sind durch die Bank weg aus der Kategorie 50plus.

Neben ihrer Tätigkeit als Internistin in Altenburg ist sie in ihrer eigenen Praxis in Leipzig tätig. Dort vor allem als Sexualmedizinerin. „Meine Fachgebiete durchmischen sich immer wieder.“ Für sie ist es wichtig, als Ärztin eine Ansprechpartnerin für alle Probleme zu sein. „Sexuelle Probleme oder Handicaps entstehen durch viele Krankheiten, wie Diabetes oder Fettleibigkeit. Somit kann man sie gar nicht außen vor lassen.“

Erfahrungsgemäß seien es eher die Männer, die Sorgen auf diesem Gebiet äußern als Frauen. „Männer sind vielleicht unbedarfter und sprechen es einfach an. Frauen sehen ein Problem oft als Makel, verdrängen es oder nehmen es einfach als gegeben hin.“

Aber, Thiele macht Hoffnung. „Die meisten Problematiken können die Patienten leicht von alleine lösen. Ihnen fehlt oft der Anstoß. Die Patienten sollten nicht nur mit dem Gynäkologen oder Urologen über Sexualität sprechen, sondern auch mit ihrem Hausarzt.“

Wer meint, dass die Älteren eher die Verklemmten sind, der irrt. „Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass es mehr die jüngeren Leute sind, die nicht so offen über sich und ihre sexuellen Herausforderungen sprechen“, so die gebürtige Altenburgerin. Vielleicht, so eine Vermutung, ist es die Gelassenheit, mit machen Dingen anders um zu gehen als mit Anfang 30. Der beste Beweis: „Meine Oma ist mein größter Fan.“

„Leichter lieben Latenight“ mit Dr. med. Carla Thiele und Peter Imhof, in der Nacht von Freitag auf Samstag um 0.15 Uhr im MDR-Fernsehen. Themen u.a.: Internetprojekt aus Amerika zeigt, wo Frauen am liebsten berührt werden wollen, Reporter auf einer Fetisch-Messe und natürlich viele Anrufer mit spannenden Themen.

Von Tatjana Kulpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Einkaufstour für die VOX-Sendung „Shopping Queen“ bringt die Dresden-Zwillinge Carmen und Claudia Gentsch in Zeitnot. Am Ende reicht es für den dritten Platz. Carmen und Claudia waren in Begleitung des Kamerateams in mehreren Modeläden der Region unterwegs.

09.05.2017

Die Augen brennen, die Nase läuft, der Hals kratzt: Unter diesen Beschwerden leiden besonders im Frühjahr immer mehr Kinder und Erwachsene. Als rollende Beratungsstelle tourt derzeit die Allergie-, Neurodermitis- und Asthmahilfe Thüringen (Anat) durchs Land. Zu Wochenbeginn hat sie erstmals auch auf dem Markt in Altenburg Station gemacht.

09.05.2017

Die Betreiberfirma der geplanten Seniorenwohnanlage an der Geraer Straße in Altenburg will das Pflegepersonal bei der Konkurrenz nicht aktiv abwerben, um seine Mitarbeiterzahl von 120 zu erreichen. Das versicherte ein Firmenvertreter gegenüber der OVZ. Seine Mitbewerber sind skeptisch, ob es dabei bleibt. Sie befürchten die Schließung anderer Einrichtungen.

09.05.2017
Anzeige