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Das Theater zwischen Publikumsrennern und gähnender Leere im Saal

Altenburg Das Theater zwischen Publikumsrennern und gähnender Leere im Saal

Der kaufmännische Geschäftsführer des Altenburg-Geraer Theaters war – gut ein Jahr im Amt – erstmals zu Gast beim Altenburger Theaterverein. Und der nutzte die Gelegenheit, um Volker Arnold auf den Zahn zu fühlen: Warum werden Publikumsrenner nicht öfter gespielt? Warum gibt es so wenige Marketing-Aktionen? Warum ist das Ticketsystem so kompliziert?

Don Pasquale – zauberhaft inszeniert, doch vom Publikum geschmäht.

Quelle: Sabina Sabovic

Altenburg. Er ist zwar schon über ein Jahr im Amt, doch beim Altenburger Theaterverein war er bislang noch nie zu Gast – der kaufmännische Geschäftsführer des Altenburg-Geraer Theaters Volker Arnold. Nun hat es endlich geklappt, und es wurde für alle, die dieser „Wir um vier“-Veranstaltung bewohnten, ein überaus interessanter Nachmittag. Denn sowohl die Moderatorin, Vorstandsmitglied Gabriele Heinicke, als auch einige Gäste wussten dem Gast so manchen interessanten Fakt zu entlocken.

Volker Arnold

Volker Arnold.

Quelle: Mario Jahn

Beginnen wir mit dem Positiven – persönlich wie dienstlich. So hat der 53-Jährige die Entscheidung, das Theater Zwickau-Plauen zu verlassen und nach Altenburg-Gera zu gehen, bislang keinen Tag bereut. „Erstens haben wir hier in Ostthüringen noch immer ein funktionierendes Fünf-Sparten-Theater, während meiner alten Wirkungsstätte das Puppentheater nach meinem Weggang abhanden gekommen ist.“ Auch die Tatsache, dass in Altenburg-Gera die finanzielle Ausstattung besser sei sowie die Landesregierung immer mit am Tisch sitze, haben Arnold in der Richtigkeit seiner Entscheidung bestärkt. „Es macht sehr viel Spaß, hier zu arbeiten.“

Hinzu kommen die positiven Zahlen, die er vom Jahr 2015 verkünden konnte, auch wenn sein Anteil daran noch nicht groß war. So kann das Altenburg-Geraer Theater im Vorjahr auf rund 140 000 Besucher verweisen. Das sind fast 4000 mehr als 2014. Die Auslastung stieg damit von 74,2 auf 76,9 Prozent, die Zahl der Vorstellungen von 836 auf 861. Nicht zu vergessen auch die theaterpädagogische Arbeit, die dafür Sorge tragen soll, „dass wir kein Theater 60 plus sind, sondern auch die jungen Leute ansprechen.“

Hinter dieser durchaus beachtlichen Bilanz, hinter globalen Jahreszahlen, verstecken sich dennoch einige Probleme, so die Meinung der Theaterfreunde. So können sie nicht verstehen, dass Publikumsrenner nicht oft genug gespielt werden oder neue Inszenierung nach der Premiere vom Spielplan verschwinden und erst viel später wieder auftauchen. „Dann haben die Leute es doch vergessen“, so Gabriele Heinicke, die ohnehin im Marketing des Theaters noch viel Luft nach oben sieht. „Hier könnte man bei der Besucherwerbung einen Zahn zulegen mit Gewinnen oder dem Angebot zwei Tickets zum Preis von einem oder Werbeaktionen zum Mittwochsmarkt.“

„Bei der Preisgestaltung sind wir im Vergleich zu anderen Theatern sehr moderat. Deshalb und auch weil wir natürlich Umsatzerlöse bringen müssen, bin ich gehemmt, etwas zu verschenken“, konterte Arnold. Doch man habe durchaus Ideen. Gemeinsam mit dem Schloss und dem Lindenau-Museum möchte das Theater eine Werbeoffensive in Leipzig starten, um aus der S-Bahn-Verbindung Kapital zu schlagen. Leider so konstatierte Vereinsmitglied Manfred Hainich, habe die S-Bahn bisher das Gegenteil bewirkt: „Die Anzahl der Leute, die nach Leipzig fahren, ist gestiegen.“

Was die Spielplangestaltung angeht, sei diese an einem fusionierten Theater in zwei Städten hinreichend schwierig, gestand Arnold. Es sei nicht so ohne weiteres möglich, wie jetzt beim Piaf-Ballett gefordert, weitere Vorstellungen nachzulegen. „Aber 2017/18 steht das Ballett auf jeden Fall wieder im Spielplan“, versprach der kaufmännische Geschäftsführer. Den Publikumsgeschmack vorherzusagen, sei nicht so einfach. Während die Piaf nach Gera überraschend auch in Altenburg so einschlug, herrschte bei der Oper „Don Pasquale“ selbst an einem Samstagabend gähnende Leere. Dabei sei das Altenburger Publikum eher Opern- denn ballettaffin. Auch dass bei Mahlers 9. Sinfonie kaum mehr Leute im Zuschauerraum saßen als Musiker auf der Bühne, sei sehr enttäuschend gewesen.

Große Schwierigkeiten räumte Arnold auf Nachfrage beim Ticketkauf an der Kasse (lange Wartezeiten) und im Internet (umständlich) ein. „Ich habe dieses Verkaufssystem von meiner Vorgängerin übernommen und bin damit sehr unzufrieden. Wir arbeiten dran.“ Konkret: Das Theater hat der zuständigen Firma eine Frist bis Ende dieses Monats gestellt, um die Probleme zu beheben.

Eine der größten Herausforderung kommt auf Altenburg mit der ab Sommer 2018 beabsichtigen Sanierung der Bühnenmaschinerie im Landestheater zu, so Arnold abschließend. Denn dies bedeutet die Schließung des Hauses für eine komplette Spielzeit. Ausweichspielstätten sind aber bis dato nicht gefunden.

 

Von Ellen Paul

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