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"Das Wegnehmen muss aufhören"

"Das Wegnehmen muss aufhören"

Der ehemalige Landrat Sieghardt Rydzewski will für die Alternative für Deutschland (AfD) für den Bundestags kandidieren. Das ist das Ergebnis eines Treffens von Mitgliedern und Sympathisanten der AfD am Dienstag in Schmölln.

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Sieghardt Rydzewski

Quelle: Mario Jahn

Rydzewski soll schon in wenigen Tagen auf einer Mitgliederversammlung als Direkt-Kandidat der Protestpartei für den Wahlkreis 195 nominiert werden.

 

"Wenn die Partei das so will, werde ich mich zur Verfügung stellen", sagte der 60-Jährige nach dem Treffen der OVZ. Seine Bewerbung um das Direkt-Mandat spielte auf der etwa 30 Teilnehmer zählenden Versammlung am Abend zuvor im Hotel Reussischer Hof noch keine Rolle. Dort präsentierten sich führende AfD-Mitglieder Ostthüringens interessierten Bürgern, vor allem um zu zeigen, dass die Protestpartei im Altenburger Land Fuß fassen möchte.

 

Dabei ergriff auch Rydzewski in einer etwa 25-minütigen Ansprache selbst das Wort. Dort begründete er, warum er nach seinem Austritt aus der SPD vor sieben Jahren sein Versprechen gebrochen hat, niemals wieder in eine Partei einzutreten. Weil es mit der AfD endlich eine Partei gibt, "der ich wieder mit ruhigem Gewissen meine Stimme geben kann". Bei allen anderen sei dies bislang nicht möglich gewesen, sagte Rydzewski, der bei einer Stichwahl zur Landratswahl am 6. Mai 2012 von Michaele Sojka (Linke) äußerst knapp geschlagen worden war.

 

Neben der AfD-Kritik am Euro ging Rydzewski auch auf weniger bekannte Themen der Protestpartei ein, wie die Stärkung der Bürgerrechte, die Mitbestimmung des Volkes beispielsweise bei Kriegseinsätzen der Bundesrepublik oder die ausufernden Energiepreise. "Die Schule darf nicht zur Spaßpädagogik missbraucht werden, sondern muss ein Ort der Leistungserbringung bleiben", sagte der Politiker, der sich auch für einheitliche Bildungsstandards in ganz Deutschland aussprach. Das Thema soziale Gerechtigkeit dürfe man nicht den Linken überlassen, denen es nur darum geht, den Leistungsträgern der Gesellschaft immer mehr wegzunehmen. "Das ewige Wegnehmen muss endlich aufhören", forderte Rydzewski.

 

In der Diskussion wurde deutlich, dass die junge Partei im Altenburger Land so gut wie nicht verwurzelt und bei vielen gänzlich unbekannt ist. Diese fehlenden Strukturen sieht auch der ehemalige Landrat als eines der Hauptprobleme. Die AfD sei von oben gegründet worden, und es falle gerade in ländlichen Regionen schwer, sie hier aufzubauen, sagte er.

 

Viel Zeit bleibt den wenigen Protagonisten im Landkreis aber nicht. Denn schon in 14 Tagen soll eine Mitgliederversammlung einberufen werden, um den Direkt-Kandidaten für den Wahlkreis 195 zu bestimmen, zu dem das Altenburger Land und der Landkreis Greiz gehören. Partei-Juristen klären bis dahin, ob für diese Nominierung womöglich auch die Gründung eines Kreisverbandes nötig ist. Ebenso fehlen dem Landesverband noch etwa die Hälfte an 2000 Unterstützer-Unterschriften, die für eine Bundestagskandidatur über die bereits aufgestellte Thüringer Landesliste nötig ist. Stephan Meusel, AfD-Sprecher im benachbarten Landkreis Greiz, sieht für diese Probleme nur eine Lösung: "In wenigen Wochen muss jeder wissen, dass es die AfD auch im Altenburger Land gibt." Bis dahin sind hierzulande Stammtisch-Diskussionen und ab August auch Wahlkampf-Aktionen geplant.

 

Als kleine Probe bis dahin wurde vorgestern schon mal über Volkmar Vogel hergezogen (CDU), der das Direktmandat für den Wahlkreis 195 im Moment innehat. Der CDU-Politiker sei von ihm angefragt worden, wie es um die demokratische Kontrolle des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) bestellt sei, sagte einer der Anwesenden. "Uns wurde versichert, dass das alles o.k. ist", löste Vogels angebliche Antwort vorgestern Heiterkeit aus.

 

Trotz der mäßigen Besucherzahl, die vermutlich der Hitze geschuldet sei, bezeichnete Rydzewski das Treffen als gelungen. "Für die AfD im Landkreis ist das kein schlechter Anfang." Die Reaktionen auf den in Aussicht gestellte Aufbau der Partei im Landkreis empfinde er als durchaus positiv.© Kommentar

Jens Rosenkranz

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