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Altenburg Das große Schlemmen - zum 13. Mal laden Johanniter zum Festschmaus
Region Altenburg Das große Schlemmen - zum 13. Mal laden Johanniter zum Festschmaus
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20:25 26.12.2013

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Entenkeulenbraten, Kaninchen- sowie Lammragout garten nebst 120 Klößen. Bereits zum 13. Mal lud das Haus Familien aus Nord zum gemeinsamen Festschmaus ein.

Die Bezeichnung "Chefkoch" mag Janek Rochner-Günther eigentlich überhaupt nicht. Der 41-jährige Sozialarbeiter setzt sich seit 13 Jahren eher symbolisch die Mütze des Küchenchefs auf, um gemeinsam mit einem großen Team an Ehrenamtlichen Familien ein schönes Weihnachtsmahl zu bereiten, das sie sonst vielleicht nicht hätten. "Gegen 12 Uhr haben wir losgelegt. Mittlerweile ist auch keiner mehr wegen der Arbeit gestresst, sondern weiß jeder, was zu tun ist", sagt der Sozialarbeiter, der als Streetworker Menschen am vermeintlich sozialen Rand betreut.

Was Rochner-Günther immer wieder hervorhebt: "Da engagieren sich so viele ehrenamtliche Helfer. Beispielsweise die Susi." Gemeint ist damit Susann Bessel, die mittlerweile nur "Kloß-Susi" genannt wird und für das Formen der insgesamt 120 Klöße verantwortlich ist. "Seit sechs Jahren bin ich jetzt schon dabei", sagt die inzwischen 23-Jährige, die zu den Stammbesuchern zählte. "Es ist einfach schön, etwas für Menschen zu tun."

Klöße, Braten und Co. sind rechtzeitig in der Johanniter-Küche angerichtet. Zuvor gibt es aber noch ein gemütliches Kaffee-Trinken. "Das läuft etwas überschaubarer an", sagt Rochner-Günther mit Blick auf die 15 eher jungen Gäste. Aber später, wenn das Festessen auf den Tisch kommt, steigt der Zuspruch. Auch bei Muttis und Vatis. Für Menschen mit muslimischem Glauben kommt Lammragout oder Kaninchengulasch auf den Tisch. "Die Zutaten, immerhin 24 Gänse-, zwei Lammkeulen und drei Pfund Kaninchen, kaufen wir immer am späteren Heiligabend, wenn die Supermärkte die Preise senken", erzählt Rochner-Günther. Die Ware ist so keinen Deut schlechter, aber viel preiswerter.

Und warum bekocht man fremde Menschen, obwohl daheim die eigene Familie sitzt? "Manche haben kein richtiges Weihnachtsfest und freuen sich über so einen langen Nachmittag mit Kaffee, Kuchen und Plätzchen sowie Weihnachtsessen", sagt der Sozialarbeiter auch mit Blick auf etliche doch nicht unbekannte Stammgäste. Aber nicht nur für die wurden von den Helfern je nach Geschmack immerhin bis zu 80 Portionen zubereitet, sondern auch für deren Eltern, die herzlich eingeladen waren. "Einfach ein paar beschauliche Stunden mit netten Gesprächen, Essen und Musik sollen sie verleben. Wenn es allen gefällt, dann ist das auch unser Lohn."

Und noch etwas ist für den 41-Jährigen wichtig: Weihnachten ist zwar das Fest der Christen. Aber wenn Kinder oder gar ganze Familien mit muslimischem Glauben teilnehmen, dann sei dies ein Stück Integration, holt dies auch manchen aus der Isolation. Deshalb gebe es die Menü-Auswahl, die schon seit 13 Jahren festgeschrieben ist. Mittlerweile hilft in der Küche beim Vorbereiten auch ein 17-jähriger Muslim freiwillig mit. "Das freut mich ganz ehrlich", sagt der Sozialarbeiter.

Übrigens: Wie jedes Jahr blieben auch diesmal Menüs übrig. Die wanderten aber keineswegs in den Müll oder in eine Kühltruhe. Denn im Obdachlosenheim freut sich jeder über das unerwartete Festessen.

Jörg Wolf

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