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Das kleine Wunder von Garbisdorf

Neue Ausstellung Das kleine Wunder von Garbisdorf

Die Galerie „Pferdestall“ im Kulturgut Quellenhof in Garbisdorf wartet unter dem Motto „Die Welt ist voll alltäglicher Wunder“ mit einer neuen Ausstellung auf. Zu sehen sind unter diesem Luther-Zitat 50 Werke thüringischer Künstler in Zeichnung und Grafik. Damit widmet sich die Kulturoase im Wieratal überraschend dem Reformationsjubiläum.

Günther Lichtenstein (r.) begrüßt die überaus zahlreichen Gäste zur Vernissage, unter ihnen Dieter Gleisberg (vorn 4.v.l), der den Einführungsvortrag hielt.

Quelle: Klaus Peschel

Garbisdorf. Die Galerie „Pferdestall“ im Kulturgut Quellenhof in Garbisdorf wartet mit einer neuen Ausstellung auf. Sie nennt sich „Die Welt ist voll alltäglicher Wunder“. Dies ist ein Ausspruch Luthers. Zu sehen sind 50 Werke thüringischer Künstler in Zeichnung und Grafik. Es überrascht, dass sich auch die Galerie im Quellenhof und die Anita-und-Günter- Lichtenstein-Stiftung einfügen in den Reigen der Ehrungen des Reformators anlässlich der 500-jährigen Wiederkehr des Thesenanschlags in Wittenberg. Denn: „Luther war nie hier“, so Günter Lichtenstein. „Und Spalatin hat es auch nicht bis nach Garbisdorf geschafft“, fügte er hinzu.

Hier sei angemerkt, auch Rainer Maria Rilke war nie in Garbisdorf. Aber Rilke hat es vor zwei Jahren geschafft, anlässlich seines 140. Geburtstages mit einer Ausstellung in dem kleinen Ort im Wieratal geehrt zu werden. Warum aus gegebenem Anlass nun nicht auch Luther würdigen? Rilke war ein Literat mit großer Affinität zur Bildenden Kunst, und Bildende Künstler lassen sich bis heute von den Texten Rilkes inspirieren. Ähnlich verhält es sich mit Martin Luther. Zwar war dieser ein Mann des Wortes, misstraute eher dem sakralen Bild. Dennoch war er mit Lucas Cranach d.Ä. befreundet und seine Lehre von Gott bleibt nicht ohne Einfluss auf die Männer und Frauen der Stifte und der Pinsel. Bis heute.

Die jetzt eröffnete Ausstellung ist für die Galerie im Quellenhof die zweite thematische. So wie die Rilke-Ausstellung 2015, wird auch sie von einer Grafikmappe begleitet, herausgegeben von der Anita-und-Günter-Lichtenstein-Stiftung. Zugleich erschien im E. Reinhold Verlag Altenburg ein Katalog. Er trägt die Nummer 14 der Göpfersdorfer Kunstblätter. Der Katalogtext stammt aus der Feder des Altenburger Kunstwissenschaftlers Dieter Gleisberg. Dieser hielt auch den Einführungsvortrag zur Vernissage.

Er hatte maßgeblichen Anteil an der Konzeption und dem Zustandekommen der Ausstellung. Gleisberg sagte in seinem Vortrag, dass zu den potenziellen Wundern, „so da täglich geschehen“, nicht zuletzt Leistungen der Kunst zählen. Und er stellte die Frage, wie es denn um das Wunder Bildende Kunst in Thüringen stehe, einem Landstrich, der eher mit Literatur und Theater auf sich aufmerksam mache als mit Malerei. Auch sei das Profil der Galerie eher auf Sachsen und Berlin ausgerichtet als auf das Grüne Herz Deutschlands. Ausgenommen ostthüringische Künstler, die häufig ihre Arbeiten im Wieratal zeigten. Doch ging der Blick diesmal weiter gen Westen und man traf eine Auswahl.

Auswählen heißt immer auch weglassen. 33 Künstlerinnen und Künstler sind an der Ausstellung beteiligt. Das sind ganz unterschiedliche Lebenserfahrungen und künstlerische Handschriften. Da trifft Gerhard Altenbourg auf Bernd Schlothauer, Alfred Ahner auf Wieland Payer, Hans Winkler auf Beate Debus, Kay Voigtmann auf Roger Bonnard.

Lutherporträts nach Cranach – eine Radierung aus 35 Quadraten von Roger Bonnard

Lutherporträts nach Cranach – eine Radierung aus 35 Quadraten von Roger Bonnard.

Quelle: Kamprad Verlag

Letzterer ist kein in Thüringen Geborener. Er stammt aus Rouen, einer Stadt im Norden Frankreichs, lebt und arbeitet seit den 1970er-Jahren aber in Weimar. Für die Grafikmappe schuf er eine Radierung, bestehend aus 35 Quadraten. Diese geben Variationen der Lutherporträts nach Cranach wieder, Bildnisse Luthers Frau und Luthers Eltern. Auch Lutherzitate sind zu lesen. So beispielsweise dieses: „Die Welt ist voll alltäglicher Wunder“.

An der Grafikmappe sind weiter beteiligt Peter Schnürpel, Gerd Mackensen, Gerda Lepke, Stefan Knechtel, Horst Peter Meyer, Walter Sachs, Tanja Pohl, Ulrike Theusner und Peter Zaumseil. Die Ausstellung im Quellenhof ist noch bis Ende des Jahres zu sehen. Dieter Gleisberg endete seinen Vortrag mit den Worten: „Lassen Sie sich anstecken von der Hingabe, mit der diese sehenswerte Ausstellung vorbereitet und verwirklicht wurde. Ihr Zustandekommen ist ein kleines Wunder, wenngleich alles andere als ein alltägliches.“

Ausstellungsbesuche sind nach Voranmeldung über Günter Lichtenstein (Tel. 037608 29030) möglich. www.quellen-hof.de.

Von Klaus Peschel

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