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"Das macht dann zwei Mark" - ungewöhlicher Besuch im historischen Friseursalon

"Das macht dann zwei Mark" - ungewöhlicher Besuch im historischen Friseursalon

"Das sieht ja genauso aus, wie das Geschäft, in dem ich gelernt habe." Elionore Kastner klatscht in die Hände und freut sich wie ein Schneekönig über dieses nachträgliche Geburtstagsgeschenk.

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Wie in ganz alten Zeiten - Elionore Kastner zaubert Peter Müller Wellen ins Haar.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Vor kurzem nämlich feierte die überaus rüstige ältere Dame - man will es kaum glauben - ihren 102. Geburtstag. Weil ihre in Altenburg lebende Großnichte Andrea Fritsche von Oma Ellas - wie sie im Familien- und Freundeskreis liebevoll genannt wird - ehemaligen Beruf wusste, wollte sie ihr unbedingt den historischen Friseursalon in der Pauritzer Straße zeigen.

Ein Anruf genügte und Hausherr Peter Müller, Vorsitzender des Fördervereins Historisches Friseurhaus, durfte am Sonnabend den bislang ältesten Gast in dem in mühevoller Kleinarbeit wieder herausgeputzten Salon aus den 20er- bis 30er-Jahren begrüßen. Und nicht nur das. Oma Ella ließ sich über eine Stunde durchs Haus führen, scheute selbst die steile Wendeltreppe ins Obergeschoss nicht und wusste sogar Neues über die alten Gerätschaften zu berichten. Beispielsweise, dass ein bestimmtes Onduliereisen eigentlich Kreppeisen heißen muss.

Apropos Ondulieren. Als sich Peter Müller bereit erklärte, sich von seinem betagten Gast frisieren zu lassen, ließ sich das Oma Ella nicht zweimal sagen. Beherzt griff sie zum heißen Eisen und zauberte Peter Müller eine Welle nach der anderen ins Haar. "Das macht dann zwei Mark", sagte sie zum Schluss verschmitzt. "Umsonst ist nur der Tod."

Alles so, als wäre es erst gestern gewesen, dass sie die Kundschaft auf diese Weise verschönte. Dabei liegt ihre Lehre mittlerweile 86 (!) Jahre zurück. Und gearbeitet hat die im bayerischen Kelheim Geborene und später mit ihrer Familie in Amberg Lebende zudem nur sechs Jahre. Denn nach der Hochzeit 1932 wurde Elionore Kastner Hausfrau.

Doch das einmal erlernte Wissen blieb."Es ist wie bei allen älteren Menschen. Aktuelle Sachen vergisst unsere Oma recht schnell, doch die Erinnerungen aus längst vergangenen Tagen sind noch immer frisch", erzählt ihr Enkel Günther Kastner. Seine Großmutter wohnt seit 14 Jahren bei ihm in Berlin - und sorgt für mehr Stimmung als manch Vertreter weitaus jüngerer Generationen.

So fährt sie noch alljährlich zum Münchner Oktoberfest und wirbelt dort über die Tanzfläche wie ein junger Hüpfer. Sie fährt mit der Schiffschaukel und trinkt zwischendurch natürlich auch mal eine Maß. Seit sie 95 ist, belässt es Oma Ella zudem nicht bei einer einfachen Feier. Sie unternimmt stattdessen Reisen und plant ganze Themenwochen. Zu ihrem 100. war sie beispielsweise im Vatikan und in San Marino und im vergangenen Jahr im Königreich Buthan, wo sie wie ein Staatsgast gefeiert wurde. Dem Empfang beim Premierminister folgte ein Treffen mit der Königin und dem höchsten buddhistische Würdenträger. Denn in dem 700 000 Einwohner zählenden Königreich gelten Personen über 100 Jahre als etwas ganz Besonderes. Zustande kam der Kontakt über Enkel Güntner Kastner, der als Touristiker arbeitet und den Oma Ella alljährlich an seinem Stand auf der ITB besucht. Ohne Zögern kam sie der Einladung von Vertretern Buthans nach.

So wie auch jetzt der Einladung einiger ihrer Familienmitglieder, die es in die Skatstadt verschlagen hat. "Ich bin 102 Jahre alt und habe diesen schönen Friseursalon besucht. Hier in Altenburg konnte ich mich an meine Jugendzeit erinnern. Es hat mir sehr gut gefallen", schrieb Elionore Kastner ins Gästebuch. Ellen Paul

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