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Das nächste Rotstift-Opfer

Das nächste Rotstift-Opfer

Nach den Barbarossa-Festspielen fällt jetzt ein weiteres Altenburger Alleinstellungsmerkmal dem Rotstift zum Opfer: Ab Januar wird es keine Stadtarchäologie mehr geben.

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Einen Stadtarchäologen - Michael Mattern hier mit den Funden einer Sargbestattung aus dem späten Mittelalter an den Roten Spitzen - wird es nicht mehr geben.

Altenburg. Von Ellen Paul

"Das tut mir unheimlich leid. Die Entscheidung ist mir entsprechend schwer gefallen", bekannte Oberbürgermeister Michael Wolf (50, SPD) gestern im Pressegespräch. Doch die finanzielle Lage der Stadt - im Haushalt für 2013 klafft derzeit noch immer ein Loch von über sieben Millionen Euro - lasse ihm einfach keine andere Wahl. Zumal sich Altenburg als einzige Thüringer Kommune eine eigene Stadtarchäologie leistet.

Anfang der 90er-Jahre war von Wolfs Amtsvorgänger Johannes Ungvári mit dem damals zuständigen Landesamt die Einrichtung einer eigenen Stadtarchäologie ab 1. September 1993 vertraglich vereinbart worden. Finanziert wurde sie mit 80 000 DM Fördermitteln des Landes und Geldern der Stadt. Doch im Laufe der Jahre sank die Höhe der Fördermittel immer mehr und ging im Jahr 2008 ganz auf Null. Außerdem wurde es immer schwieriger, die erforderlichen Grabungshelfer zu bekommen, ergänzte Bürgermeisterin Kristin Knitt. Denn im Laufe der Jahre verschlechterten sich die Rahmenbedingungen der Bundesagentur für Arbeit für den Einsatz von ABM- oder SAM-Kräften, 1-Euro-Jobbern und Bürgerarbeitern.

Wie ein vor wenigen Tagen geführtes Gespräch zwischen der Altenburger Verwaltungsspitze und dem TLDA-Präsidenten ergab, ist eine Verbesserung der Finanzierungssituation nicht in Sicht. Deshalb geht die Aufgabe Archäologie zurück an das Landesamt, das per Gesetz ohnehin dafür zuständig ist. Es wird also trotz der Schließung der Stadtarchäologie auch zukünftig archäologische Grabungen in Altenburg geben. Vermutlich, so Knitt, aber nur noch bei Bauvorhaben und nicht aus Forschungszwecken. Auch das in Altenburg deponierte Grabungsgut - etwa 40 Tonnen - kommen in den nächsten zwei Jahren Stück für Stück nach Weimar.

Oberbürgermeister Michael Wolf hofft, durch die Schließung der Stadtarchäologie rund 50 000 bis 60 000 Euro jährlich zu sparen. Eigentlich sollte die Summe noch größer sein, doch für die von ihm beabsichtigte betriebsbedingte Kündigung des Stadtarchäologen Michael Mattern bekam Wolf im Hauptausschuss des Stadtrates nicht die erforderliche Mehrheit. Mattern ist deshalb eine andere Aufgabe in der Verwaltung angeboten worden.

Die Kündigung habe jedoch nichts mit der Arbeit von Michael Mattern zu tun, für die sich Wolf bei ihm wie allen anderen Helfern ausdrücklich bedankt. "Doch in der heutigen Situation kann ich mir solche Sahnehäubchen nicht mehr leisten", bedauerte Wolf.

Bauwillige müssen den Beginn von Erdarbeiten zukünftig bei der zuständigen Gebietsreferentin Dr. Spazier beim Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Humboldtstraße 11, in 99423 Weimar, (% 03643 818 343) anzeigen.

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