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"Das war unsere Feuertaufe" - Technisches Hilfwerk zieht Lehren aus der Jahrhundertflut

"Das war unsere Feuertaufe" - Technisches Hilfwerk zieht Lehren aus der Jahrhundertflut

Eine helle Villa in der Altenburger Geschwister-Scholl-Straße wurde im August 2002 sozusagen zum Nervenzentrum. Denn als erst Teile Thüringens und dann noch viel schlimmer Sachsens in der Jahrhundertflut untergingen, koordinierte ein Stab vom hiesigen Länderverbund des Technischen Hilfswerks (THW) den Einsatz Tausender Helfer und den Nachschub von Technik und Hilfsgütern.

Altenburg.

 

 

 

 

Von Jörg Wolf

Zum zehnjährigen Jubiläum der Jahrhundertflut hat das THW eine Werbeanzeige geschaltet, um neue Mitglieder zu akquirieren: "2002 haben wir Ihnen geholfen, jetzt brauchen wir Ihre Hilfe", ist da nachzulesen. Die schlimme Flut vor zehn Jahren hat sich tief in die Erinnerungen der Hilfswerker eingegraben. "Klar. Das war damals für unseren noch so jungen, gerade einmal sechs Jahre alten Länderverband die Feuertaufe", bestätigt Andrea Wirth, für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Die Fränkin gehört zu den Miterbauern des Länderverbandes und ist hauptamtlich schon seit 1990 bei der Bundesbehörde. "Aber diese Flutkatastrophe übersteigt bis heute alles Erlebte, weshalb man sich nicht nur an Jahrestagen daran erinnert", erzählt die 48-Jährige. Damals habe sich die Situation in beängstigendem Tempo immer weiter aufgeschaukelt. Das Wasser kam ja wie in einer Zangenbewegung erst über Thüringen und damit auch das Altenburger Land, dann aber mit noch viel größeren Verheerungen nach Sachsen.

"Wir haben hier in Altenburg beizeiten den sogenannten Lage- und Koordinationsstab gebildet und damit die Einsätze gesteuert", erinnert sich Andrea Wirth. 24 Tage am Stück habe dieser Stab rund um die Uhr gearbeitet. "Wir waren nur zwölf Leute damals, und das Zentrum war eher nur provisorisch eingerichtet." Natürlich musste akribisch Einsatztagebuch geführt und jede Entscheidung oder Order festgeschrieben werden. "Es wurde ein dicker Ordner daraus", beschreibt Wirth heute, die nicht mehr sagen kann, wie viele Anfragen und Hilferufe aus den Hochwassergebieten im unscheinbaren Raum 207 in der Altenburger Schollstraße eingingen.

Auch ungewöhnliche Aufträge waren dabei. Beispielsweise musste Andrea Wirth für den damaligen Bundesinnenminister Otto Schily bei seinem Besuch im überfluteten Dresden eine THW-Uniform beschaffen. "Heute haben die zuständigen Regierungsvertreter für den Fall der Fälle eine Uniform dabei", plaudert Wirth und muss schmunzeln.

Vielleicht eine der kurioseren Lehren aus der Katastrophe. Andere sind für das THW wichtiger - beispielsweise bei der technischen Ausstattung. Bis zum Jahr 2002 hatten die beim THW benutzten Pumpen eine maximale Leistung von 5000 Litern pro Minute. Dann wurden Hochleistungspumpen angeschafft, die die dreifache Menge schaffen.

Die Erfahrungen der Altenburger Einsatzleitung hatten auch organisatorisch auf das gesamte THW Auswirkungen. "Bis zur großen Flut wurde der Lage- und Koordinierungsstab bei entsprechenden Lagen provisorisch aufgestellt. Jetzt gibt es bei sämtlichen Landesverbänden so einen fertig eingerichteten Stabsraum, der binnen weniger Minuten seine Arbeit aufnehmen kann", sagt Wirth.

Und es wurden engere Kooperationen auf allen Ebenen angebahnt. Auf Landes- und Kommunalebene sind Fachberater des THW jetzt zusätzliche Bindeglieder. "International setzt sich das fort, weil Hochwasser vor keiner Grenze halt macht", betont Wirth und erinnert an Albis im Jahr 2008 - eine große EU-Übung mit Tschechien, wo das Zusammenwirken bei Hochwasser durchgespielt wurde. Um dem jeweiligen Nachbarn rasch helfen zu können, seien die Katastrophenschutzdienste der EU-Länder sogar mit technisch gleich ausgestatteten Einheiten abestückt worden, um im Ernstfall diesseits und jenseits der Grenzen sofort einsetzbar zu sein.

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