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Dauerbrenner: Schrumpfende Personaldecken, teure Technik und gefährliche Einsätze

Feuerwehr: Führungskräfte treffen sich Dauerbrenner: Schrumpfende Personaldecken, teure Technik und gefährliche Einsätze

Die Jahresberatung der Führungskräfte von Feuerwehr und Rettungsdiensten hat im Kreis schon Tradition. Die angesprochenen Themen aber gleichen sich seit Jahren: Die Zahl der aktiven Kameraden nimmt stetig ab, die Beschaffung der Technik ist immens teuer. Und manchmal hausgemacht sind Verzögerungen bei Anschaffungen.

Einer der Höhepunkte für die Altenburger Berufsfeuerwehr im vergangenen Jahr: die Beschaffung eines neuen Drehleiter-Fahrzeuges.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Einmal im Jahr lädt das Landratsamt die Feuerwehrchefs sowie Vertreter der weiteren Rettungs- und Hilfsdienste zum Führungskräftetreffen ein. Auch wenn nach den Worten von Landrätin Michaele Sojka (Linke) das Jahr 2017 rein von den Einsätzen der Wehren ein „eher durchschnittliches“ war, hatten die 1121 Männer und 89 Frauen in den Einsatzabteilungen der 66 freiwilligen Wehren gut zu tun: 1151 Einsätze waren mit einer Personaldecke zu absolvieren, die erneut im Vergleich zu 2016 um 41 Mitstreiter geschrumpft ist.

Wie schnell heutzutage besonders verheerende Ereignisse wie schwere Unwetter die teilweise merklich geschrumpften Feuerwehren ans Limit führen können, habe das Orkantief Friederike am 18. Januar diesen Jahres bewiesen, als auf die Floriansjünger im gesamten Kreis förmlich auf einen Schlag über 200 Einsätze zukamen. „Sie alle befanden sich während ihrer Einsätze bei diesem Sturm in Lebensgefahr“, unterstrich Sojka.

Millioneninvestition in Technik

Allein auf diesem Fakt leite sich die Verpflichtung des Landkreises ab, trotz permanent angespannter Haushaltslage für eine bestmögliche Ausstattung der Kameraden bei Fahrzeugen und sonstigen Gerätschaften zu sorgen. Seit 2012 habe man allein in Fahrzeuge für den gesetzlich vorgeschriebenen überörtlichen Brandschutz bei den vier Stützpunktfeuerwehren knapp 1,3 Millionen Euro als Kreis investiert. Dem gegenüber stehen Fördermittel des Freistaates in Höhe von rund 290 000 Euro.

Es braucht noch viele neue Fahrzeuge

Im Kreis sei man sicher auf einem guten Stand, aber immense Brocken sind noch zu bewältigen, räumte Sojka ein. So braucht die Stützpunktfeuerwehr Altenburg neben der erst im vergangenen Dezember für Einsätze auf Stadtterritorium in Dienst gestellten Drehleiter eine weitere für den überörtlichen Brandschutz. Außerdem stehen Ersatzbeschaffungen von Löschgruppenfahrzeugen für den Katastrophenschutz sowie den Gefahrgutzug an, in denen das rollende Material zunehmend 25 Jahre und älter und damit verschlissen ist.

Kreisbrandinspektor Uwe Engert verdeutlichte die Dimensionen, die da auf den Kreis zukommen: „Um den Fahrzeugbestand des Landkreises innerhalb von 30 Jahren zu ersetzen ist es notwendig, dass wir jedes Jahr zwei neue Fahrzeuge beschaffen müssen.“

Baustelle Digitalfunk

Auch andernorts tun sich vor den Rettern opulente Baustellen auf. Engert nannte hier nur die komplette Umrüstung auf modernen Digitalfunk, der schon einige Jahre auf sich warten lässt. Zwar wird vom Freistaat dieses in Sachsen und Sachsen-Anhalt schon seit Jahren realisierte Projekt nun mit mehr Druck vorangetrieben. Aber offensichtlich kommt es erneut zu zeitlichen Verzögerungen, die sich vermutlich bis 2020 dehnen werden.

Verantwortlich sei dafür mutmaßlich auch das zuständige Thüringer Innenministerium. Statt die koordinierenden Möglichkeiten des Landratsamtes zu nutzen, wurden alle Gemeinden separat angeschrieben – teilweise auch mit falschen Adressen, was zu einiger Verwirrung und massiven Zeitverlusten führte. Folge: Statt der 2018 geplanten Umrüstung von 1200 Fahrzeugen in Thüringen hat der Anbieter nur noch für 600 die erforderlichen Kapazitäten.

Kulturfeuerwehr? – Altenburg weiß von nichts

Der Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar 2004 oder das Hochwasser 2011 haben gelehrt: Kulturgüter können besser gesichert und bewahrt werden, wenn Kultureinrichtungen, Feuerwehr und Kommunen zusammenwirken. Das rot-rot-grüne Kabinett unterstützt deshalb die Bildung und Ausstattung von Notfallverbünden mit 200 000 Euro. Besonders die Feuerwehren sollen die notwendige Ausstattung erhalten, teilte das Kulturministerium nach der Kabinettssitzung am Dienstag mit. Jeweils rund 25 000 Euro kosteten 36 Notfallcontainer, die komplett vom Kulturministerium gefördert werden. Jeweils neun von ihnen sollen in den Regionen West-Thüringen, Meiningen (Süd), Altenburg (Ost) und Nordhausen (Nord) bei den Feuerwehren stationiert werden. Die Region Weimar (Mitte) habe bereits Notfall-Container. Rund 100 000 Euro soll ein Lastwagen mit Spezialaufbau kosten, der zusätzlich über eine Kühlung für den sachgerechten Transport etwa von durchnässten Büchern verfügt.

Bei Altenburgs Feuerwehrchef Meik Zimny sorgte der plötzliche Gerätesegen für einige Überraschung. „Wir wissen nichts von so einem Vorhaben. Weder dass eine Stationierung auch bei der Altenburger Feuerwehr vorgesehen ist noch wie das funktionieren soll.“

Von Jörg Wolf

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