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Den gordischen Knoten zerschlagen: Theater-Zukunft vor der Entscheidung

Den gordischen Knoten zerschlagen: Theater-Zukunft vor der Entscheidung

Für das Theater ist es fünf vor zwölf. Zur Rettung des Ostthüringer Musentempels sollen die Mitarbeiter noch größere Lohneinbußen hinnehmen. Heute wird dazu in Gera erneut mit den Gewerkschaften verhandelt .

Seit Jahren üben sich die knapp 300 Mitarbeiter des Theaters in Lohnverzicht, um Thüringens einziges Fünf-Sparten-Theater am Leben zu halten. Geht es nach dem Willen von Land und Gesellschaftern sollen zu den bisher etwa 10 bis 13 Prozent weitere Einbußen hinzukommen. Ohne einen neuen Haustarif-Abschluss würde das Theater 2013 zum Flächentarif zurückkehren und eine Lücke von 2,6 Millionen Euro jährlich im Etat klaffen. Für diesen Fall wird schon mit einem radikalen Jobabbau und der Streichung ganzer Sparten gedroht (OVZ berichtete).

Die Mitarbeiter seien zu Lohnverzicht bereit, der dürfe aber nicht höher ausfallen als bisher, betont der Verhandlungsführer der Deutschen Orchestervereinigung, Andreas Masopust. Wichtig sei auch, dass dem Theater und seinen Mitarbeitern endlich eine Perspektive für die Zukunft aufgezeigt werde. Doch statt dessen sind bisher eher Drohungen zu hören. So hat der Theater-Aufsichtsrat bereits für den Fall, dass es zu keiner Einigung beim Haustarif kommt, eine Art Vorratsbeschluss für eine "unternehmerische Entscheidung" getroffen. Sie dürfte auf einen radikalen Stellenabbau hinauslaufen.

"Fakt ist: Damit würde das Theater künstlerisch amputiert und verlöre seine Ausstrahlungskraft und sein Renommee", konstatiert Masopust. Allerdings wehren sich die Gewerkschaftsvertreter gegen den aufgebauten Druck. Die Gesellschafter verweisen jedoch auf geltende Kündigungsfristen, wonach bis Ende Oktober Klarheit geschaffen sein muss.

Klar ist aus Sicht der Gewerkschaften: Ein Haustarif kann nur mit Job-Garantien einhergehen. Doch ist aus Kreisen des Aufsichtsrates zu hören, dass das Haus langfristig ohne Stellenabbau kaum auf stabile Füße zu stellen sei. Die Situation gleiche dem sprichwörtlichen gordischen Knoten, der bisher nicht habe zerschlagen werden können. Zudem erwarten die Gewerkschaften, dass Land und Gesellschafter über ihre bisherigen Zusagen hinaus weiteres Geld zur Verfügung stellen. Masopust erinnerte daran, dass das vom Kultusministerium zugesagte Geld noch immer deutlich unter dem Landeszuschuss Mitte der 90er-Jahre liege - trotz zwischenzeitlich gestiegener Kosten. Damals seien es jährlich umgerechnet 11,5 Millionen Euro gewesen, ab 2013 sind es 10,4 Millionen Euro.

Das Kultusministerium verweist dagegen darauf, dass das Theater nur mit Landeshilfe Ende 2010 vor dem Finanzkollaps bewahrt wurde und erst Ende April dieses Jahres die Finanzierungsvereinbarung für die kommenden Jahre noch einmal nachgebessert wurde. "Man kann dieses Spiel nicht endlos wiederholen", stellte Ministeriumssprecher Gerd Schwinger klar.

Andreas Hummel

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