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Altenburg Denkmalring-Baustelle bringt Sorgen um Radioaktivität an die Oberfläche
Region Altenburg Denkmalring-Baustelle bringt Sorgen um Radioaktivität an die Oberfläche
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00:34 17.05.2018
Jürgen Schmidtchen (r.) hat Angst, dass Wismut-Schotter unter dem Denkmalring liegt. Werner Nitsche (89) wohnt dort seit 1946 und erinnert sich, dass die Straße 1977 mit Schotter aufgefüllt wurde. Quelle: Theresa Held
Knau

Seit kurzem wird im Denkmalring im Altenburger Ortsteil Knau die Abwasserdruckleitung vom Gewerbegebiet Poschwitz zur Kläranlage nach Primmelwitz verlegt – seit Montag ist vor Ort voll gesperrt. Die Baustelle bringt Sorgen an die Oberfläche: „Ich befürchte, dass radioaktive Strahlung austritt“, sagt Jürgen Schmidtchen. Der 67-Jährige steht auf dem Denkmalring in Knau. Einige Meter unter ihm vermutet er ein unsichtbares Problem aus DDR-Zeiten.

1977 wurde die Straße angehoben, erneuert und wohl mit Schotter aufgefüllt. Nach Mutmaßungen von Anwohnern stammte das Material aus der Wismut-Halde in Crossen bei Zwickau. Während Materialengpässen wurden die Stoffe aus dem Bergbau und der Aufbereitung von Uranerz genutzt. Wo genau, ist nicht immer bekannt. Der Schotter sei zwischen der Gabelung der Straße im Westen und ehemaligem Konsum auf etwa 100 Metern verbaut worden, erinnert sich Werner Nitsche. Der 89-Jährige wohnt seit 1946 am Denkmalring.

Verdachtsmomente für Einsatz von radioaktivem Haldenmaterial nicht bestätigt

Nachdem die OVZ Anfang 2014 über die Sorgen der Anwohner berichtet hatte, bat die Stadtverwaltung Altenburg das Thüringer Landesbergamt (TLBA) um Hilfe, wie die OVZ jetzt erfuhr. Das TLBA sollte mit Strahlenmessungen untersuchen, ob und wo gegebenenfalls radioaktives Haldenmaterial der Wismut verwendet wurde.

Nach Angaben des Umweltministeriums wurde im März 2014 auch am Denkmalring die Strahlung gemessen. „Danach konnten an keiner Stelle Verdachtsmomente für den Einsatz von radioaktivem Haldenmaterial bestätigt werden“, hieß es vom Umweltministerium. Die Messergebnisse hätten durchgehend den zu erwartenden von natürlichem Untergrund entsprochen. Jährlich führt das TLBA in Thüringen zwischen drei und fünf Messungen beim Straßenbau durch, um bei erhöhten Strahlenwerten reagieren zu können.

Ebenfalls als Reaktion auf den OVZ-Artikel habe die Berufsfeuerwehr Altenburg Anfang 2014 die Strahlung am Denkmalring geprüft, teilte Stadtsprecher Christian Bettels jetzt auf Anfrage mit. Auch die Feuerwehrleute stellten keine Gefährdung fest.

Doch die Sorge der Anwohner ist nicht aus der Luft gegriffen. Anderswo in der Region ist erwiesenermaßen der radioaktive Wismut-Schotter verbaut worden. Etwa in Gera, Weida, Gößnitz, Ponitz, Ronneburg, Berga, Hermsdorf und Meuselwitz. Teilweise wurde das Material bereits fachgerecht entfernt. Der Großteil der betroffenen Flächen strahle aber nur gering radioaktiv und müsse daher lediglich überwacht werden, antwortete das Umweltministerium im April 2014 auf eine Anfrage der heutigen Umweltministerin Anja Siegesmund, damals noch Landtagsabgeordnete der Grünen.

„Solange das Material unter der Erde liegt, soll es da bleiben“

„Solange das Material unter der Erde liegt, soll es da bleiben“, rät Professor Holger Weiß, Geologe und Altlastenexperte des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung GmbH in Leipzig. Aus Natururan tritt radioaktives Radon-Gas aus. Wenn man sein Leben lang einer hohen Konzentration zwischen 500 und 1000 Becquerel pro Kubikmeter Luft ausgesetzt ist, könne es zu gesundheitlichen Einschränkungen kommen, sagt Weiß. Die Belastung verursache etwa Lungenkrebs.

Grundsätzlich würde in geschlossenen Räumen mehr Radon gemessen, als auf der offenen Straße. Der dichte Asphalt halte das Gas davon ab, in großen Mengen an die Oberfläche zu gelangen, erklärt Weiß. Problematisch werde es, wenn Bauarbeiter oder Anwohner „mit dem Material umgehen“. Bei Kabel- oder Leitungsverlegungen müsse längerfristig aller verbauter Schotter aus Wismut-Halden sachgemäß entsorgt werden.

Eine Gefahr dürfte von der aktuellen Baustelle im Denkmalring aber ohnehin nicht ausgehen: Die Druckleitung werde durch den unbelasteten Teil der Straße in 2,50 Meter bis 3 Meter Tiefe verlegt, heißt es von der Energie- und Abwasserversorgung Altenburg GmbH (Ewa). Die Ewa habe von der Stadt keine Aufbruchgenehmigung für die erst kürzlich gebaute Bushaltestelle bekommen, die sich auf der anderen Seite befindet.

Von Theresa Held

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