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Altenburg „Der Absprung“ befasst sich im Schlosshof mit jüngerer Altenburger Geschichte
Region Altenburg „Der Absprung“ befasst sich im Schlosshof mit jüngerer Altenburger Geschichte
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08:42 27.07.2018
Zeitgeschichtliches vor historischer Kulisse: Das Hörspiel „Der Absprung“ wirft im Schlosshof einen Blick auf Altenburgs jüngste Vergangenheit. Quelle: Foto: Mario Jahn
Altenburg

Angespannte Stille, dann schnelle Schritte. Das Sprungbrett federt kurz, man hält den Atem an. Und ganz plötzlich spricht die Stimme, die eben noch aus dem ersten Stock des Festsaalflügels drang, direkt vor einem. Und es antworten andere. Von links, von rechts, von hinten. Alle verschieden – und alle körperlos.

Experimente im Schloss

Sie alle sind Protagonisten des Hörspiels „Der Absprung“, das an diesem und dem kommenden Wochenende im Hof des Altenburger Residenzschlosses aufgeführt wird. Das Projekt ist Teil der diesjährigen experimentellen Veranstaltungen, die man sich beim Schloss- und Kulturbetrieb ins Programm geschrieben hat. „Mit der Produktion möchten wir das Schloss als aktiven Erlebnisort für Geschichte stärken“, versucht Direktor Christian Horn den Anspruch in Worte zu fassen.

Das Hörspiel selbst bildet den Abschluss der „Fremde & Geister“-Trilogie von Paul Plamper. In der Reihe möchte der Autor und Regisseur die Konstruktion des Fremden sowie die Geister der Vergangenheit erkunden, die etwa aus der Kolonialisierungsgeschichte europäischer Staaten bis heute zu den Zuhörern sprechen.

Leerstadt Altenburg

„Der Absprung“ führt – nach Abstechern in futuristische Welten und in die Vergangenheit in den Vorgängerwerken – nun in die Gegenwart. „Wir geben hier ein Beispiel für eine Kleinstadt in einer strukturschwachen Region, die allerdings nicht zwingend in Ostdeutschland liegen muss“, erläutert Plamper. Behandelt wird ein Disput über Zuwanderung, der zwischen Bürgern, Politikern, Künstlern und Journalisten ausbricht.

Schlossdirektor Christian Horn brachte das Projekt gemeinsam mit Autor und Regisseur Paul Plamper (v.l.) zur Umsetzung. Quelle: Mario Jahn

Bei allen Allgemeingültigkeitsansprüchen geben die Macher jedoch auch zu, dass die Wahl auf Altenburg nicht zufällig fiel. „Gewissermaßen hat sich das Thema seinen Weg hierher gesucht“, führt Museumschef Horn aus, „Altenburg ist ein Ort, an dem man sich abarbeiten kann.“ Zwar ist das Stück im fiktiven Leerstadt angesiedelt – die Parallelen sind jedoch überdeutlich und durchaus gewollt.

Starker Tobak

Im Ergebnis begegnet dem mit der jüngeren Stadtgeschichte vertrauten Zuhörer in dem 45 Minuten langen Stück so manche einschneidende Begebenheit der vergangenen Jahre. Da werden die wirkungsmächtige Einwohnerversammlung in Altenburg-Nord im Herbst 2016 ebenso detailliert aufgearbeitet wie Gründung und Wachstum des Bürgerforums.

Ausgespart werden auch nicht die durch den Aufruf zum Theaterboykott und die Debatte um vermeintliche rassistische Übergriffe auf Ensemblemitglieder ausgelösten Verwerfungen in der skatstädtischen Kulturlandschaft sowie die nicht immer glückliche Rolle der Medien bei der begleitenden Berichterstattung. Ein ums andere Mal werfen sich die Besucher der Vorpremiere am Donnerstag vielsagende Blicke zu. Nein, an starkem Tobak gespart wird hier nicht.

Hautnah am Original

Dazu trägt insbesondere die Umsetzung des Hörspiels bei. Nicht nur gelingt durch die Positionierung der Lautsprecher eine beeindruckende räumliche Immersion. Auch die Sprecherrollen, die sowohl mit Profi-Darstellern als auch Mitgliedern der Altenburger Mitspielakademie besetzt sind, tragen viel zur einnehmenden Atmosphäre bei.

„Mitspielerin“ Dana Weber in einer der Hauptrollen sticht dabei besonders heraus. Bei ihrem Vortrag muss man zwei Mal hinhören um sicher zu sein, dass dort nicht doch Ex-Landrätin Michaele Sojka das Wort führt, so nah kommen Stimmfärbung und Duktus dem Original. „Wir konnten und sollten auch viel improvisieren“, berichtet Weber von den Aufnahmen, die in Berlin stattfanden.

„Entsprechend gut mussten wir vorab recherchieren und uns vorbereiten.“ Schließlich sollten die jeweiligen Argumente, die mit den anderen Figuren des Stücks ausgetauscht werden, auch sachlich fundiert und mit der nötigen Überzeugung vorgetragen werden.

Letztlich, so hofft Regisseur Plamper, erreiche man dann beim Zuschauer durch diesen Ansatz genau den gewünschten Effekt: Das man zwar bestens unterhalten, aber noch umso mehr zum Nachdenken angeregt wird.

Vorführungen jeweils im Loop am 28.7. (15-18 Uhr), 29.7. (10-17 Uhr), 3.8. (13-18 Uhr), 4.8. (10-17 Uhr) und 5.8. (10-17 Uhr). Am 28.7. findet um 17 Uhr ein Publikumsgespräch statt. Eintritt frei.

Von Bastian Fischer

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