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Altenburg Der Altenburger Ziegenkäse soll bald ein Franzose sein
Region Altenburg Der Altenburger Ziegenkäse soll bald ein Franzose sein
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08:02 30.11.2018
Die Käserei Altenburger Land wurde in rund 20 Jahren zu einem hochmodernen Lebensmittelproduzenten entwickelt Quelle: Mario Jahn
Hartha

Der Altenburger Ziegenkäse wird französisch. Wie berichtet, will einer der größten französischen Milchverarbeiter das Familienunternehmen „Rotkäppchen Peter Jülich“ kaufen. Noch steht aber das Okay des Kartellamtes aus. Bei den Wettbewerbshütern in Bonn sind die Anmeldeunterlagen für das Prüfverfahren am 21. November eingegangen. Bis zum 21. Dezember wird nun entschieden, ob eine Freigabe einfach erteilt werden kann. „Das ist die sogenannte erste Phase, in der ein übergroßer Teil der Verfahren entschieden wird“, sagt Pressesprecher Kay Weidner.

Wettbewerbshüter können bis zu drei Monaten prüfen

Sollten die Fachabteilungen für die Entscheidungsfindung einen genaueren Blick für nötig erachten, dann komme das Verfahren in die zweite Phase, so der Sprecher der Behörde weiter. Dafür haben dann die Mitarbeiter des Bundeskartellamtes drei Monate Zeit, erläutert Weidner. Zum jetzigen Zeitpunkt könne er aber nicht sagen, ob es sich bei der Fusion der französischen Genossenschaft mit dem Familienunternehmen um einen solchen Fall handelt. „Das werden die Kollegen in den kommenden Tagen prüfen.“

Erteilt das Kartellamt sein Okay, dann geht die 90-jährige Tradition des Familienunternehmens Jülich zu Ende, zu dem neben den in Hartha produzierten Marken Rotkäppchen und Der Grüne Altenburger
auch der Rügener Badejungen zählt. Damit ist die in Dortmund ansässige nach eigenen Angaben eines der führenden Unternehmen im deutschen Weichkäsemarkt – mit rund 130 Mitarbeitern. Von denen arbeiten 80 in der Käserei Altenburger Land.

Landkreis hofft auf gute Zusammenarbeit

Wie es in der Presseinformation aus der Dortmunder Konzernzentrale heißt, sei der Familie die Entscheidung nicht leicht gefallen, wurde aber im Hinblick auf die Nachfolgesituation sowie die Marktentwicklung unabdingbar. Und weiter heißt es: „Mit Eurial wurde ein Partner gefunden, der unter Erhalt und Ausbau der Standorte, der Organisation und der Marken das Geschäft in Deutschland deutlich ausbauen möchte.“

Worte, die den Wirtschaftsförderer des Landkreises, Wolfram Schlegel, ein wenig beruhigen. Dennoch ist er zwiegespalten. „Denn für unsere Region ist wichtig, dass die Arbeitsplätze am Standort erhalten bleiben. Aber genau so auch das Produkt“, sagt Schlegel zur OVZ. Schließlich geht es nicht um irgend einen Käse, sondern um eine traditionsreiche Spezialität, die seit 1897 Altenburg im Namen trägt. In diesem Zusammenhang hofft Schlegel, dass die gute Zusammenarbeit – etwa bei der Präsentation der Region auf Messen – zukünftig auch unter dem Dach des großen französischen Konzerns fortbesteht.

Agrargenossenschaft erwartet gute Geschäfte

Auf weiterhin gute Geschäfte hofft auch die Agrargenossenschaft „Altenburger Land“ Dobitschen, wo die Milchziegen gehalten werden. „Wir hatten schon Kontakt mit den Franzosen, wir sind optimistisch, dass das gut für uns wird“, sagt Vorstand Steffen Fritsche. Zum einen sei Eurial als nach eigene Angaben größter Ziegenkäseproduzent ein echter Profi. Und zum anderen hätte der Konzern auch schon angekündigt, im März in Lumpzig zu investieren und die Vorhaben der Peter Jülich Gesellschaft weiterzuführen.

Dies ist für die Franzosen insofern offensichtlich kein schlechtes Geschäft. Denn wie aus dem jüngsten offiziellen Jahresabschlussbericht hervorgeht, konnte das Unternehmen 2016 seinen Gewinn um rund ein Drittel auf 800 000 Euro steigen.

Thüringer Aufbaubank hat keine Bedenken

Fördermittel seien hauptsächlich aus den Landwirtschaftsprogrammen des Freistaates Thüringen geflossen, teilt die Thüringer Aufbaubank mit. Bis 2017 wurden drei Projekte mit zusammen rund 370 000 Euro gefördert und vom Freistaat finanziell unterstützt. Förderrechtlich habe der geplante Eigentümerwechsel keine Auswirkungen, da das Unternehmen weiterhin bestehen bleibt und das Entwicklungskonzept weiterhin entsprechend umgesetzt wird, so Maret Montavon, Sprecherin der Thüringer Aufbaubank.

Die wichtigsten Entwicklungsschritte

1999 nimmt die für 23 Millionen D-Mark neu gebaute Molkerei in Hartha den Betrieb auf.

Wegen der nicht ausgelasteten Produktion gerät die Käserei bald in Zahlungsschwierigkeiten.

Im November 2000 übernimmt die „Rotkäppchen Peter Jülich GmbH & Co. KG“ die Käserei und rettet die Traditionsmarke „Der Grüne Altenburger“.

2002 investiert die Käserei Altenburger Land mehrere Millionen Euro in Technik und Hygiene.

Die Käserei Altenburger Land investiert 2004 eine Million Euro in den Bau einer neuen Halle, eine neue Molke-Linie, modernere Steuerungstechnik und die Umstellung der Abwasseranlage.

2005 werden weitere vier Millionen Euro in die Erweiterung des bisherigen Produktionsstandortes bei Lumpzig investiert.

2006 ist die Produktion von Landrahm und Camembert der Marke Rotkäppchen komplett ins Altenburger Land verlagert worden.

2011 geht die neue Abtropfhalle der Käserei Altenburger Land in Betrieb. Für rund eine Million Euro wurde die Betriebsfläche um 500 Quadratmeter erweitert.

Anfang 2016 kündigt der Geschäftsführer Claus Katzenberger nach 16 Jahren im Chefsessel der Käserei.

2016 soll die Produktion des Camemberts Rügener Badejunge von der Ostseeinsel nach Hartha verlegt werden.

Von Jörg Reuter

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