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Der Hauptmann aus Burkina Faso

Probenbesuch im Landestheater Der Hauptmann aus Burkina Faso

Alle kennen die legendäre Verfilmung mit Heinz Rühmann. Alle werden die Altenburger Inszenierung daran messen. Für Bernhard Stengele kein Grund, Zuckmayers „Hauptmann von Köpenick“ nicht auf die Bühne zu bringen. Zumal er eine absolute Überraschung in petto hat: Die Titelrolle ist mit einem farbigen Schauspieler besetzt. Die OVZ war bei einer Probe dabei.

Hoch das Bein – auch Tanzeinlagen zu Berliner Gassenhausern fehlen nicht. Die seltenen Proben auf der großen Bühne sind immer besonders wichtig. Alles derzeit noch ohne Kostüm.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. „Welche Geschwindigkeit hatte die Bühne gerade? Sechs? Dann dreh’ mal auf, mach’ volle Kanne“, ruft Bernhard Stengele in Richtung Techniker. Auch das Harmonium scheint ihm zu leise. „Zieh’ mal alle Register“, fordert er Schauspielkapellmeister Olav Kröger auf. Und die Darsteller hören von ihm: „Die Szene bitte noch einmal von Anfang.“

Probenalltag im Altenburger Landestheater. Schauspieldirektor Bernhard Stengele inszeniert Karl Zuckmayers „Hauptmann von Köpenick“. Die Arbeit ist schon weit fortgeschritten. Logisch, am 26. Februar ist Premiere. Stengele scheint recht zufrieden, unterbricht nur wenig. Dies auch, weil die große Bühne nur selten zur Verfügung steht. Dann will möglichst alles im Fluss sehen. Am Detail mit den einzelnen Schauspielern arbeitet er lieber bei den Proben im Heizhaus.

Warum ausgerechnet der „Hauptmann von Köpenick“? Alle kennen die legendäre Verfilmung mit Heinz Rühmann. Alle werden die Altenburger Inszenierung daran messen. Für Bernhard Stengele kein Grund, es nicht zu tun. Zumal er eine absolute Überraschung in petto hat. Der 53-Jährige besetzt die Hauptrolle – vermutlich als erster Regisseur in Deutschland – mit einem farbigen Schauspieler. Quelgo Téné aus Burkina Faso schlüpft in die Rolle des Zuchthäuslers Wilhelm Voigt.

Bernhard Stengele bei der Probenarbeit

Bernhard Stengele bei der Probenarbeit.

Quelle: Mario Jahn

Für Stengele hat dies durchaus eine aktuelle politische Dimension. Denn Zuckmayer parodiert in seinem Stück die Unzulänglichkeiten des bürokratischen Systems, in dem ein Stück Papier definiert, welchen Wert ein Menschenleben hat. „Das sind Dinge, die Menschen, wenn auch anders, noch heute widerfahren. Überall auf der Welt.“ Er kennt unter anderem aus der Arbeit mit den ausländischen Schauspielern in seinem Team. „Manch einer konnte sein Gehalt nicht bekommen, weil der Bank zur Eröffnung eines Kontos ein Einjahres-Vertrag nicht ausreichend war.“ Außerdem stehe die schwarze Hautfarbe sinnbildlich für die Tatsache, wie der Schuster Voigt am Rande der Gesellschaft zu stehen.

Doch das ist nicht die alleinige Grund, dass die Wahl auf den 32-jährigen Afrikaner fiel. „Quelgo ist jetzt seit über vier Jahren an unserem Theater, macht eine ausgezeichnete Arbeit und hat sich sprachlich deutlich weiterentwickelt. Es war einfach Zeit für eine große Hauptrolle“, sagt Stengele. Man betreibe hier schließlich kein Protagonisten-, sondern ein Ensemble-Theater.

An seinen Anforderungen an die Rolle macht der Regisseur dennoch keinerlei Abstriche. Beispielsweise wenn es um den Berliner Dialekt geht, mit dem Zuckmayer die Komödie nicht nur stark mit ihrem Handlungsort verbunden hat, sondern auch eine Milieustudie zeichnet. Also muss Téné wie alle anderen berlinern. Zugegeben eine ganz besondere Herausforderung. „Wenn er dann als Hauptmann hochdeutsch spricht, fällt ihm das natürlich viel leichter“, lacht Bernhard Stengele.

Alles im grünen Bereich also, wäre da nicht die Erkältungswelle, die auch das Schauspielensemble erfasst hat. Nach jedem zweiten Satz wird gehustet und geniest. Ioachim Zarcule hat vom Arzt gleich genrell Sprechverbot, und Anne Diemer will nach der Probe ganz schnell wieder ins Bett. Gut eine Woche haben sie alle noch, sich auszukurieren

Von Ellen Paul

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