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Der Mann hinter dem roten Bart von Kaiser Barbarossa

Der Mann hinter dem roten Bart von Kaiser Barbarossa

"Das war doch hoffentlich das letzte Mal, dass man ihn wieder einfangen musste. Der Mann ist wie ein Sack Flöhe", echauffiert sich die Frau im grauen Kostüm über Barbarossa.

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Geschichte und Rolle des Kaisers fest im Blick: Philipp Reinheimer (l.) in "Barbarossa ausgeKYFFt" während einer Probe im Landestheater Altenburg.

Quelle: Mario Jahn

Gerade erst hat sie den Kaiser aus seinem Tiefschlaf wecken lassen, damit er für die Partei "Deutschland Voran" als Kanzlerkandidat antritt. Doch natürlich hat der Rotbart eigene Pläne. Nun steht er im Bademantel und Latschen, mit Bürste in der Hand, da und will nicht so recht verstehen, warum er gegen ein gemeinsames Europa eintreten soll. Stolz, heroisch, mächtig erscheint er auch in diesem Moment, doch zugleich konterkariert der Bademantel die Herrscherfigur. Genau darauf setzt die Inszenierung "Barbarossa ausgeKYFFt", die am morgigen Sonntag im Altenburger Landestheater ihre Premiere erlebt. Autor Manuel Kressin, Regisseur Bernhard Stengele und Schauspiel-Kapellmeister Olav Kröger lassen die historische Figur mit aktueller Politik zusammentreffen - im Gewand eines flotten Musicals.

 

Doch wie ist dieser aufgeweckte Barbarossa? Und vor allem: Wer ist dieser Barbarossa? "Er ist ein ganz herzlicher, kräftiger Mann, der gerade heraus spricht. Er ist streitlustig, aber nicht unfair. Er zählt auf die Kraft des Schwertes und auf die von Argumenten", beschreibt einer die Hauptfigur des Musicals, der es wissen muss. Philipp Reinheimer heißt der Mann hinter dem Bart, ist gerade 31 geworden, spielt seit 2012 am Altenburg-Geraer Theater. Vorher kannte der Dortmunder, der Kindheit und Jugend in der Pfalz und am Bodensee verbracht hat, Altenburg nur von Spielkarten her. "Für mich war es sehr spannend, hierher zu kommen. Es ist erst das zweite Theater, an dem ich spiele", sagt Reinheimer, der zuvor am Mainfranken Theater Würzburg war.

 

Dass er irgendwann an und auf die Bühne will, wusste Reinheimer schon während der Schulzeit. Nach dem Abitur hospitierte er zunächst in der Regie. "Aber dann war klar, dass mir das nicht reicht. Ich wollte auf die Bühne", erzählt Reinheimer. Warum? "Na, aus Vernunftgründen macht man das nicht. Ich stehe gern auf der Bühne, ich erzähle gern Geschichten." Damit die Emotionen auch auf den Zuschauer überspringen, spielt der Mime seine Figuren gern aus dem Bauch heraus. "Aber natürlich darf man auch den Kopf nicht vergessen", sagt er und lacht. "Ich sehe mich eher als Bauchtypen, ob ich einer bin, müssen andere sagen." Bei Barbarossa habe es viele Impulse für die Annäherung über die Maske und das Kostüm gegeben. "Basisfaktoren darf man nicht vergessen, aber Barbarossa ist so lange her, dass man relativ frei spielen kann." Bei der Inszenierung "Die im Dunkeln" sei das schon anders gewesen, da hätte man naturalistischer agieren müssen, sei der Bezug zu den realen Personen größer gewesen.

 

Theaterbesucher kennen Reinheimer aber nicht nur vom bewegenden Stück über den Widerstand in Altenburg in den 50er-Jahren, sondern auch als Dame Edna. In der Rolle der schrillen Alten mit den lila Haaren war er der Liebling beim diesjährigen Geraer Theaterball. "Das hat sehr viel Spaß gemacht." Zumal, als Frau auf der Bühne zu stehen, für Reinheimer etwas Besonderes ist. Eine seiner Traumrollen ist nämlich Frank N. Furter aus der Rocky Horror Picture Show. "Er changiert zwischen den Geschlechtern. Das fasziniert mich sehr", beschreibt Reinheimer. Doch auch die klassische Männerrolle schlechthin, den Romeo, würde er gern einmal geben. "Das wird aber schwer, ich bin nicht der klassische Typ für das Fach des jungen Liebhabers", sagt er: "Jetzt spiele ich praktisch das genaue Gegenteil von Romeo."

 

Und spielen heißt nicht nur, dass Reinheimer den modernen Barbarossa auf der Bühne verkörpert. In Kostüm und Bart war er bereits in Altenburg und anderen Städten Thüringens unterwegs, um für die Rockerette zu werben. Morgen reitet Reinheimer als Stauferkaiser vom Theater in Richtung Rote Spitzen. Was die Zuschauer danach bei der Premiere im Landestheater erwartet, will er noch nicht zu viel verraten. Es werde eine Reise durch Welt und Gefühle. Lustig, spannend, traurig und politisch, kurz: "ein proppevoller Theaterabend".

 

Für die Premiere am morgigen Sonntag um 18 Uhr gibt es nur noch Restkarten. Die OVZ verlost 5 x 2 Freikarten für die Vorstellung am 17. Mai. Wer gratis dabei sein möchte, muss am Montag, 11. Mai, ab 14 Uhr die 03447 313542 anrufen und Glück haben.

jenifer hochhaus

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Von Redakteur Jennifer Hochhaus

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