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Der Zwinger: Von wunderschönen Aussichten und einem verschwundenen Brunnen

Altenburger Schlossgeheimnisse Der Zwinger: Von wunderschönen Aussichten und einem verschwundenen Brunnen

Der Zwinger des Residenzschlosses zu Altenburg ist nur den wenigsten zugänglich. Dabei bietet der grünste Teil der Festungsanlage einige der lohnenswertesten Aussichten auf die Skatstadt.

Der Zwinger war zunächst eine militärische Anlage, wurden später jedoch als Gartenanlage genutzt, erklärt Beatrix Weinhold-Haucke. Das merkt man ihm heute noch an.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Was ist ein Schloss ohne Mauern? Nicht mehr als eine hübsche Residenz, fehlt ihr so doch jegliche militärische Relevanz. Ein Zwinger stellt dabei ein einfaches, aber effektives Mittel dar, um die feindlichen Streitkräfte in Schach zu halten: Überwindet der Gegner den äußersten Verteidigungswall, wird er in einen abgeschirmten Abschnitt vor der inneren Mauer gezwungen (daher der Name), in welchem die Verteidiger von oben aus attackieren können.

Der Zwinger des Residenzschlosses zu Altenburg hat eine lange und bewegte Geschichte hinter sich, die bis zu den Anfängen des Gebäudekomplexes zurückgeht. Die slawische Wallanlage, die hier im 9. Jahrhundert errichtet wurde, legte den Grundstein für die heutigen Mauern. In den Folgejahren entstand eine Befestigungsanlage und damit auch der heute als Zwinger bekannte Abschnitt zwischen äußerer und innerer Burgmauer. Ein Terrain, das den Besuchern des Schlosses in der Regel unzugänglich ist und viele kleine Geheimnisse bereithält: Wozu diente das sogenannte „Lusthäuschen“, das hier bis in die 1980er-Jahre stand? Wieso fehlen inzwischen drei der ursprünglich sieben Rondelle? Und wohin ist der Brunnen verschwunden, der einst auf dem Hühnerhof zu finden war?

Museumsassistentin Beatrix Weinhold-Haucke kennt die Antworten auf diese Fragen. Doch zunächst muss erst einmal ein Zugang zum Zwinger gefunden werden. Der führt durch eine Tür in der Ostseite nahe des Eingangs zum mysteriösen Leichengang über alte Holzstufen und durch eine weitere Tür – bis man plötzlich auf einer satten, grünen Wiese steht, die den Platz zwischen innerer und äußerer Zwingermauer bedeckt. Sträucher und Kirschbäume lassen diesen Abschnitt des Schlosses fast schon paradiesisch wirken – wären da nicht die militärischen Anlagen in der Wallmauer. Halbrunde Ausbuchtungen mit Schießscharten wurden für den Fall eines Angriffs hier installiert.

Waren früher noch sieben dieser Rondelle vorhanden, sind es heute nur noch vier. Der Grund: Ab dem 18. Jahrhundert wären diese Verteidigungsposten keine Herausforderung mehr für Belagerungsmaschinen gewesen. Im Laufe zahlreicher Sanierungs- und Reparaturarbeiten an der Schlossmauer, die ab dem 13. Jahrhundert nachweisbar sind, mussten drei Rondelle weichen – auch um die einsturzgefährdete Mauer gleichmäßiger zu belasten.

In Ermangelung militärischer Zwecke wurde der östliche Bereich des Zwingers fortan als Gartenanlage genutzt. Erholung fanden die Hochwohlgeborenen womöglich im „Lusthäuschen“: Einem kleinen, barocken Pavillon mit hochwertiger Ausstattung, der in den 1980er-Jahren aufgrund seines schlechten Zustandes rücksichtslos abgerissen wurde und an den heute nur noch Grundrisslinien erinnern. Was genau sich im „Lusthaus am Zwinger“, wie das Gebäude 1719 bezeichnet wurde, abspielte, ist nicht bekannt. Der Name jedoch spricht wohl für sich...

Die Zwingerroute führt nach weiter Norden, einen steilen Abhang hinunter und an der Außenseite des ehemaligen Waschhauses und der „Flasche“, dem massivsten Turm des Residenzschlosses, vorbei, weiter entlang der Junkerei bis zur Westseite, wo sich das letzte der Rondelle befindet. Von hier aus bietet sich ein exklusiver Ausblick, den nur wenige genießen können, der sich aber über alles lohnt: Durch das satte Grün der Schlossvegetation eröffnet sich ein Blick auf den nordwestlichen Teil der Altenburger Innenstadt. Neigt man den Kopf nach unten, zeigt sich der Schlossteich in voller Pracht – bei richtigem Wetter garniert mit einem farbenfrohen Regenbogen.

Die letzte Station auf der Zwingertour ist der sogenannte Hühnerhof. Wie der Name vermuten lässt, wurde hier das Geflügel gehalten, das auf den Speisetellern der Fürsten landete. Sehr lange wurde diese Zucht aber nicht toleriert: Im 18. Jahrhundert ließ seine Durchlaucht die Tiere entfernen, da er sich wohl von dem Gegacker gestört fühlte

Doch noch etwas verschwand im 18. Jahrhundert vom Hühnerhof: der Brunnen, der lange Zeit der Wasserversorgung des Schlosses diente. Was ist mit dem drei Meter breiten Schacht, der bis zur Sohle der Blauen Flut führte, geschehen? Auch hier kennt Beatrix Weinhold-Haucke die Antwort: Als der Nordflügel des Hauptgebäudes um 1724 abgerissen und wiedererrichtet wurde, wurde der Gebäudeteil, in dem sich die herzoglichen Wohnräume befanden, nach Norden versetzt – und damit der Brunnen überbaut. Der Schacht befindet sich seitdem im Keller des Hauptgebäudes – für heutige Besucher unerreichbar.

Von hier aus führt der Rückweg in den Innenhof durch die düsteren Gänge des Festsaalflügels. Auch hier schlummern noch zahlreiche Geheimnisse. Doch das ist eine Geschichte für ein anderes Mal...

Die nächste und für 2017 auch letzte Zwingerführung findet am 27. August statt und ist auf 25 Personen beschränkt. Um Anmeldung wird unter der Telefonnummer 03447 512712 oder per E-Mail unter b.weinhold-haucke@residenzschloss-altenburg.de gebeten.

Von Christian Neffe

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Altenburg, residenzschloss
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