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Altenburg „Der eingebildet Kranke“ bringt Derbes ans Teehaus
Region Altenburg „Der eingebildet Kranke“ bringt Derbes ans Teehaus
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06:00 08.06.2018
Bockiger Möchtegernpatient: Argan (Thomas C. Zinke) diskutiert mit Angélique (Alexandra Sagurna). Toinette (Mechthild Scrobanita, hinten) schaut zu. Quelle: Foto: Mario Jahn
Altenburg

Thomas C. Zinke ist nicht ganz zufrieden. Sein Thron ist noch nicht optimal eingestellt. Angeregt diskutiert der Schauspieler mit einem der Theatertechniker, eine Lösung muss her. Schließlich soll nichts schief gehen, wenn Zinke am Sonntag zum ersten Mal in die Rolle des Argan in Molières „Der eingebildet Kranke“ schlüpft. Intensive Proben liegen hinter dem achtköpfigen Ensemble, seit Montag wird am eigentlichen Spielort, der Teehauswiese, geprobt.

Sanfte Technik

Ein ungewohnter Ort für die Mitglieder von Theater & Philharmonie Thüringen, soll das Stück doch statt auf der gewohnten Bühne im Großen Haus auf grüner Wiese und unter freiem Himmel zum Leben erweckt werden. Da will so manche Herausforderung gemeistert werden. „Der Ton ist natürlich ganz anders und auch unsere technischen Möglichkeiten sind begrenzter“, weiß Ronny Steglich, der die Produktion als Tontechniker betreut.

Damit die Stimmen der Darsteller nicht sprichwörtlich vom Winde verweht werden, kommen kleine Headset-Mikrofone zum Einsatz. „So können wir die eigentliche Sprechlautstärke sanft mittragen“, erklärt der Fachmann. Einschränkungen gibt es auch bei der Beleuchtung, statt aufwendiger Szenenbeleuchtung setze man eher darauf, den verfügbaren Raum möglichst atmosphärisch auszuleuchten.

Morbide Sonderanfertigung

Viel zu feilen hatte im Vorfeld auch Gesine Pitzer, die für Bühne und Kostüme verantwortlich ist – konnte dabei jedoch auch auf tatkräftige Hilfe zurückgreifen. So entstanden etwa die das Auditorium umrahmenden Kulissen unter Mithilfe von zahlreichen internationalen Schülern, die kürzlich am Friedrichgymnasium gastierten.

Der das Zentrum der Freilichtbühne dominierende Wagen ist ebenfalls eine Sonderanfertigung, „ein umgebauter Leichenwagen aus dem Fundus“, wie Pitzer berichtet. Was morbide klingt, passe hervorragend zum Charakter des Stückes, das sich viel und ausgiebig mit vermeintlichen oder tatsächlichen Gebrechen befasst und auch den ein oder anderen Verweis auf Fäkalien und ähnliches nicht ausspart – ganz dem Zeitgeist des Barock entsprechend.

Schön nörgeln und schimpfen

Den hat sich auch Regisseur Manuel Kressin zum Vorbild für seine Inszenierung genommen und ihn behutsam in seine Interpretation des Stoffes übertragen. „Die Schauspieler stehen klar im Vordergrund, wir müssen und wollen die Übertreibung nutzen, eine Art modernes Volkstheater schaffen“, kündigt er an. Derb soll es dabei zugehen dürfen, „die Lust am eigenen Körper“ solle voll ausgelebt werden, durchaus auch auf clowneske Art, gibt er einen ersten Fingerzeig fürs interessierte Publikum.

Eine Vorgabe, die Hauptdarsteller Thomas C. Zinke mit Freuden umsetzt. Letztlich, so führt er aus, vermengten sich in seiner Rolle zwei grundlegende Elemente. „Da ist zum einen ein Phänomen, das jeder kennt: Ich habe einen kleinen Schmerz und sofort ist die Angst da – ist es etwas Schlimmes?“, erläutert er. Aber auch die Krankheit als Machtfaktor, wie sein Argan sie einsetzt, spielt mit. „Die Philosophie lautet: Weil ich krank bin, kann ich nicht, also müssen die anderen ran.“ Da könne man, freut sich Zinke, in seiner Rolle auch mal richtig schön nörgeln und schimpfen.

Direkter Kontakt zum Publikum

Und gerade dafür, findet der erfahrene Mime, biete sich ein auch ans elisabethanische Theater angelehntes Rondell, wie es nun vorm Teehaus entsteht, bestens an. „Wir können hier viel leichter das Publikum ansprechen und den Kontakt halten“, ist er überzeugt. Er jedenfalls sei voller Vorfreude auf die Premiere.

Für die ist zum Ende der Probe schließlich auch Zinkes Thron bereit. Einige schnelle Handgriffe, ein paar kleine Umbauten und Anpassungen, ein kurzes Probesitzen – und schon ist alles angerichtet für Sonntag.

Premiere am Sonntag, 10. Juni, um 18 Uhr auf der Teehauswiese. Restkarten sind noch vor der Vorstellung erhältlich. Weitere Aufführungen am 15. und 16. Juni, jeweils 20 Uhr. Achtung: Bei schlechtem Wetter wird im Großen Haus gespielt.

Von Bastian Fischer

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