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Altenburg „Der eingebildet Kranke“ überzeugt zur Altenburg-Premiere
Region Altenburg „Der eingebildet Kranke“ überzeugt zur Altenburg-Premiere
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18:00 11.06.2018
„Der eingebildet Kranke“ von Molière: Die Generalprobe fand auf der Teehauswiese statt, die Premiere wetterbedingt im Großen Haus des Landestheaters. Quelle: Foto: Ronny Ristok
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Altenburg

Open-Air-Veranstaltungen erfreuen sich großer Beliebtheit. Unter freiem Himmel sitzen, den lauen Sommerabend bei einem Konzert oder Theaterstück ausklingen lassen und dabei noch aufs Feinste unterhalten werden, ist für viele Musik- und Kunstliebhaber ein besonderes Erlebnis. Allerdings birgt es auch eine Gefahr für Organisatoren und Gäste, steht da doch immer die bange Frage: Wird das Wetter mitspielen?

Herrlicher Hypochonder

Es spielte am Sonntagabend leider nicht mit. Kurz vor Beginn der Veranstaltung zog sich der Himmel zu und aus Sicherheitsgründen (Unwetterwarnung) verlegten die Macher die Premiere des Schauspiels ins Große Haus des Altenburger Landestheaters. Was schade war, denn Petrus hatte doch noch ein Einsehen und ließ die Sonne wieder scheinen.

Wetter hin, Wetter her: Mit Molières Klassiker „Der eingebildet Kranke“ brachte Schauspieldirektor und Regisseur Manuel Kressin ein Stück auf die Bühne, das auf wunderbar komödiantische Weise Laster und Schwächen der Menschheit aufzeigt. Die Geschichte ist schnell erzählt. Argan (herrlich exzentrisch: Thomas C. Zinke) ist Hypochonder. Er hat jede nur denkbare Krankheit und umgibt sich deshalb mit einer Schar von Ärzten (Manuel Struffolino) und Apothekern. Die bestärken ihn gern in seinen eingebildeten Krankheiten, um diverse Untersuchungen und Behandlungen anordnen zu können. Was sie sich natürlich großzügig honorieren lassen.

Darunter leiden muss die Tochter Angelique (Alexandra Sagurna). Da ihr Vater einen Arzt in der Familie haben möchte, soll sie den Medizinstudenten Thomas (Danijel Gavrilovic) heiraten. Doch sie liebt Cleante (Johannes Emmrich). Stiefmutter Belinde (Nolundi Tschudi) sähe Angelique ohnehin lieber im Kloster und Argan unter der Erde. Doch das Dienstmädchen Toinette (wunderbar in der Rolle: Mechthild Scrobanita) spinnt im Hintergrund die Fäden. Zusammen mit Argans Schwester Beraldine (Ines Buchmann) schmiedet sie einen Plan, um Argan davon zu überzeugen, dass es seiner Ehefrau lediglich um sein Geld geht.

Modernes Volkstheater

„Der eingebildet Kranke“, das letzte Stück des französischen Dramatikers Jean-Baptiste Poquelin, genannt Molière (1622-1673), zeigt Habgier und Selbstmitleid als Untugenden von Menschen auf. Die Inszenierung von Manuel Kressin ist auf die heutige Zeit bezogen, was sich sowohl in den Kostümen als auch in der Ausstattung zeigt. Sein Ansinnen ist es, „modernes Volkstheater“ zu machen und Themen aufzugreifen, die derzeit aktueller denn je sind. Dabei geht es ihm nicht darum, die Ärzteschaft anzugreifen – sein Anliegen ist es, derzeitige gesellschaftliche Richtungen, wie zum Beispiel „bad news – alles ist schlecht“, aufzuzeigen und den Menschen zu sagen: Das Leben ist nicht so, es kann auch schön sein.

Klassiker, die Spaß machen

Dafür greift er zu – wie im Mittelalter üblich – profanen Mitteln: Die Schauspieler agieren mit großen Gesten und derbem Körperspiel. Was am Anfang etwas befremdlich wirkt, aber im Verlauf des Stückes zeigt, dass gerade die übertriebene Spielweise – die Mischung aus Clownerie und Charakterspiel – das Stück ausmacht. Klassiker sollen Spaß machen und müssen nicht immer ernst sein.

Manuel Kressin bedient sich bewusst der Sprache von Molière, die volkstümlich derb und manchmal sehr direkt ist, aber „diesen Hypochonder anders darzustellen, wäre einfach falsch“, so der Regisseur. Entstanden ist ein modernes, sehenswertes Volkstheater-Stück, wobei gerade die exaltierte Spielweise ein Freilichttheater ausmachen sollte. Leider kam diese Atmosphäre eines „Open-Air-Theaters“ im Großen Haus des Landestheaters nicht so zur Geltung, wie es gewünscht war.

Dennoch: Die Zuschauer belohnten die Aufführung mit lang anhaltendem Beifall. Und: Noch sind weitere Auftritte im Angebot und hoffentlich spielt Petrus dann mit und lässt Schauspieler und Zuschauer wie in einem damaligen Volkstheater gemeinsam einen Sommerabend im Grünen mit viel Spaß und großen Gesten erleben. Ein Besuch der Veranstaltung lohnt sich für Liebhaber komödiantischer Derbheit auf jeden Fall.

Weitere Vorstellungen: 15. Juni um 20 Uhr, 16. Juni um 20 Uhr, 22. Juni um 19.30 Uhr, 23. Juni um 20 Uhr, 24. Juni um 18 Uhr

Von Margitta Tittel

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