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Der langjährige Chef der Altenburger Destillerie geht in den Ruhestand

Unternehmer Dietrich Hueck übergibt die Geschäfte Der langjährige Chef der Altenburger Destillerie geht in den Ruhestand

Am Sonntag übergibt der Chef der Altenburger Destillerie, Dietrich Hueck, die Firma an seinen Nachfolger Michael Schenk. Nach 20 Jahren verlässt Hueck das Unternehmen und gibt auch seine Firmenanteile ab. Mitte der 90er-Jahre rettete er die Altenburger Likörfabrik vor dem Aus. Heute zählt die Firma zu den zehn größten Spirituosenherstellern Deutschlands.

Dietrich Hueck verabschiedete sich aus der Altenburger Destillerie, die er als geschäftsführender Gesellschafter 20 Jahre leitete.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Am Sonntag geht in Altenburg eine Ära zu Ende. Der geschäftsführende Gesellschafter der Altenburger Destillerie und Liqueurfabrik, Dietrich Hueck, übergibt die Firma an seinen Nachfolger Michael Schenk. Kurz nach seinem 70. Geburtstag und nach 20 Jahren auf dem Chefessel beim Spirituosenhersteller möchte Hueck nicht mehr länger die Verantwortung tragen. „Doktor Schenk erwirbt auch meine Geschäftsanteile, ich gebe das Unternehmen komplett ab. Zukünftig werde ich nur noch als Gast oder Berater hier im Haus sein“, sagt der scheidende Chef mit einer Mischung aus Erleichterung und Trennungsschmerz.

Michael Schenk wird ab Montag Boss einer Firma sein, die inzwischen zu den zehn größten Spirituosenherstellern Deutschlands zählt. Pro Jahr verlassen etwa 25 Millionen Flaschen das Werksgelände Am Anger in Altenburg. Die Basis aller Getränke ist 96-prozentiger Alkohol, der hauptsächlich zugekauft und anschließend in Altenburg verarbeitet und veredelt wird. Eine große Zahl der Tanker liefern aus Getreide gewonnenen Alkohol von der Deutschen Kornbranntwein-Verwertungsstelle in Münster. Übrigens, nur aus in Deutschland angebautem Getreide hergestellter Schnaps darf Korn genannten werden.

Der Ausgangsstoff etwa für den Altenburger Klaren wird in der Regel aus Zucker gewonnen, den die Liqueurfabrik vorrangig von den Südzucker Werken bezieht. Insgesamt werden fünf verschiedene Alkohole verwendet. Besonders hochwertige Spirituosen werden aber vor Ort in der eigenen Anlage destilliert. Deren Kapazität reicht aber nicht aus, um die jährlich benötigten sieben Millionen Liter reinen Alkohol herzustellen.

Aktuell umfasst das Sortiment circa 140 verschiedene Produkte. Dazu gehören Klassiker wie der Altenburger Klare oder der Bestseller Altenburger Schwarzgebrannter. In der Skatstadt werden aber auch Eigenmarken-Schnäpse für große Handelskonzerne wie Aldi hergestellt. Etwa 50 Prozent der Produktionsmenge bekommt am Ende das Etikett eines Discounters. Die andere Hälfte sind die eigenen Marken der Altenburger Destillerie. Und deren Vielfalt nimmt stetig zu. „In Zukunft wird beispielsweise ein Whisky dazukommen. Damit haben wir bereits begonnen. Die ersten 1200 Fässer sind abgefüllt und müssen nun einige Jahre reifen“, so Dietrich Hueck.

Als er die Geschäfte übernahm, wurden in Altenburg kaum 20 verschiedene Sorten Schnaps und Likör prodiziert. Und das auch nur theoretisch. Denn als Hueck 1996 ankam, war alles Mögliche zu hören, „nur kein Geklapper von Flaschen, weil fast nichts produziert wurde.“ Der 1948 gegründete Betrieb stand vor dem Aus. Doch der westfälische Unternehmer Dietrich Hueck entschied sich, den ehemaligen VEB Altenburger Likörfabrik zu kaufen. Dafür gab er seine Kornbrennerei in Münster auf und wurde zum Pendler. Diese Entscheidungen retteten den Betrieb und die damals zwölf Arbeitsplätze.

„Hier waren die Voraussetzungen besser“, begründet er seinen damaligen Entschluss. Für Hueck folgten zwei harte Jahre, die härtesten überhaupt, meint er rückblickend. Doch dank seiner vielen Kontakte zu den großen Handelsketten und dem hiesigen niedrigen Lohnniveau – gepaart mit gut ausgebildeten Fachkräften – gelang die Rettung.

In den vergangenen 20 Jahren investierte Hueck an die 18 Millionen Euro in Altenburg. „Aber ich übergebe ein praktisch schuldenfreies Unternehmen“, betont der Geschäftsmann. Eigentlich, so erzählt Hueck, glaubte er, es falle ihm leicht zu gehen. Und er freute sich unbekümmert auf die viele Zeit, die er dann für seine Frau, die drei Kinder, drei Enkel, seine Oldtimer und zum Golfen in seiner Münsterländer Heimat hat. Doch je näher der Tag des Abschieds kam, desto mehr spürt er, wie sehr er an der Firma und Altenburg hängt. „Deshalb gehe ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge.“

Erleichtert wird der Abschied aber, weil er weiß, dass der Betrieb in gute Hände kommt. Michael Schenk gehört seit zwei Jahren dem Unternehmen an und ist seit Kurzem Geschäftsführer. „Er ist sehr gut vorbereitet“, meint Hueck. Der Weg, in erster Linie den Handel zu beliefern, sei vorgezeichnet. Und dem 50-Mann-Unternehmen stehen für die kommenden zwei Jahre knapp zwei Millionen Euro Investitionsvolum zur Verfügung.

Von Jörg Reuter

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