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Altenburg Der „verappte“ Mensch: Kabarett-Premiere in Gößnitz
Region Altenburg Der „verappte“ Mensch: Kabarett-Premiere in Gößnitz
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00:33 05.11.2015
Ein Hauch von New Orleans in Gößnitz. Maxim Hofmann am Klavier und Bettina Prokert erreichen das in ihrer Zugabe.   Quelle: Klaus Peschel
Gössnitz

Ich habe kein Schlauphone. Ich bin selbst smart. Verlaufe mich weder im Wald, noch in Gößnitz. Deshalb kann ich einer Gruppe junger Frauen aus Zwickau, noch bevor diese ein Smartphone zücken, den Weg zur Spielstätte der Nörgelsäcke zeigen. Dort gab es eine Premiere. „Höhenflüge in Bodennähe“ nennt sich das neue Programm von Bettina Prokert und Maxim Hofmann. Es ist ihr Viertes.

Als Ensemble Weltkritik touren sie seit 2006 über die Kabarettbühnen landauf und landab. Was sie in den Rollen der Kunstfiguren Silke Sumpf-Pretsch und Thomas Lümlich aktuell auf die Bühne bringen, setzt Bewährtes fort. Einiges, was sie aufs Korn nehmen, kenne ich nur vom Hören und Sagen. Ich weiß, was eine App ist, werde mich aber vor solchen Applikationen auch weiterhin hüten.

Nach etwa zweieinhalb Stunden Kabarettpremiere erst recht. Mir soll es nicht so gehen wie dem vernetzten Thomas Lümlich auf der Bühne. Auf die Frage, wie es ihm gehe, antwortet er: „Fragen Sie nicht mich, fragen Sie meine Gesundheits-App.“ Die App und das Smartphone sind die dramaturgischen Klammern des neuen Programms der beiden Kabarettisten.

Bettina Prokert und Maxim Hofmann haben drei Stärken. Sie sind gute Schauspieler, als Sängerin und Sänger haben sie wohltuende Stimmen, ihre größte Stärke ist aber die Improvisation. In ihrem Couplet „Ich krieg ´ne Krise“ sind sie tagesaktuell. Am Premierentag ist Weltspartag, China erlaubt die Zweikindehe, tags darauf ist Reformationsfeiertag und Halloween. All das und vieles Aktuelle mehr bringen sie gekonnt gereimt auf den Punkt. Es scheint, als werfen sich Prokert und Hofmann die Pointen zu. Wissen vielleicht selbst nicht, was als nächstes kommt.

In einer Szene, die auf dem Sonnendeck eines Luxusdampfers spielt, muss kurzerhand der anwesende Pressefotograf mit agieren. Er wird zunächst herzlich als Bordfotograf begrüßt, dann als Paparazzi beschimpft und muss abtreten. Das Publikum soll bestimmen, welcher Slogan zur Stadt Gößnitz passt. Ein Herr im Publikum wird auserwählt. Frage: Gefällt Ihnen die Stadt? Antwort: Ja. Frage: Wie heißen Sie? Antwort: Mathias. „Da haben wir schon den Slogan: Gößnitz – Mathias gefällt ´s.“ Ein Werbespruch, der durchaus bei Gremien durchgehen würde und Millionen kosten würde.

Zwei Sketche sollen als Höhepunkte des Programms noch erwähnt werden. Das sind einmal die beiden reichen Damen auf dem Sonnendeck des Luxusliners. Sie essen Kirsch-Sahne-Torte und philosophieren darüber, dass man nicht viel zum Leben brauche. Sport sei aber wichtig. „Deshalb hat sich mein Mann auch den Fußballklub gekauft“, sagt die eine. „Einen Rolls Royce brauchen wir nicht“, sind sich beide einig. Warum? „Ham wir doch schon.“ Die Pointe: Beide alte, reiche Schachteln sehen auf dem Meer Menschen auf das Schiff zuschwimmen. „Welch schöne schwarze Körper“, rufen sie begeistert. Der Rest der Kirsch-Sahne-Torte wird im Publikum verteilt.

Großartig die Partnertherapie kurz vor Ende des Programms. Bettina Prokert und Maxim Hofmann gelingt es, durch ihr schauspielerisches Können die fiktive dritte Person der Therapeutin, die gar nicht anwesend ist, mitspielen zu lassen. Und beide pflegen in diesem Sketch den Kalauer, nutzen gnadenlos die Mehrdeutigkeit der Wörter und Sätze der deutschen Sprache. Sie: „Ich hab mir von ihm in Güstrow ein Schloss gewünscht.“ Er zur Therapeutin: „Finden Sie mal in Güstrow auf die Schnelle einen Baumarkt.“ Anderes Beispiel. Sie: „Der Mann meiner Freundin hat als Liebesbeweis den Namen seiner Frau angenommen.“ Er: „Soll ich jetzt Silke heißen?“

Gen Ende gab es wahrlich ein Feuerwerk an Pointen und statt Applikationen reichlichen Applaus. Prokert und Hofmann bedankten sich mit zwei Zugaben. Die „Höhenflüge in Bodennähe“ haben weitere Aufführungen. Wann und wo? Fragen Sie Ihr Smartphone. Besorgen Sie sich die entsprechende App, dann wissen Sie bescheid.

Klaus Peschel

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