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Altenburg Deutlich mehr Sozialleistungen für arme Rentner und Erwerbsgeminderte
Region Altenburg Deutlich mehr Sozialleistungen für arme Rentner und Erwerbsgeminderte
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00:33 02.03.2018
Viele Familien mit Kindern sind auf Unterstützung angewiesen. Dafür gibt es unter anderem das Bildungspaket, über das die Lernförderung oder das Schulmittagessen bezuschusst werden können. Quelle: dpa
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Altenburg

Wenn Rente oder Arbeitslohn nicht reichen, um die Wohnung oder wenigstens das Leben zu finanzieren, helfen die öffentlichen Kassen. „Nur mit einem Zuschuss vom Staat – sei es zur Miete oder zum Lebensunterhalt – können manche Menschen ihre Grundbedürfnisse ausreichend decken“, sagt Silke Manger, die Leiterin des Fachdienstes Grundsicherung, Wohngeld und sonstige Leistungen im Landratsamt. Ihre Behörde in der Altenburger Lindenaustraße 31 ist der zentrale Anlaufpunkt für Hilfebedürftige im Altenburger Land.

Gezahlt wird nur, wenn Hartz IV ausscheidet

Die unterste Ebene im Netz der sozialen Sicherung sind die Gelder, die als sogenannte Grundsicherung im Alter an Senioren mit kleiner Rente gezahlt werden. Oder an jüngere Menschen, denen eine dauerhafte volle Erwerbsminderung einen Strich durch die Lebensplanung gemacht hat. Voraussetzung für den Bezug dieser Leistungen ist, dass Betroffene von Hartz-IV-Leistungen ausgeschlossen sind, ein geringes Einkommen haben und weniger als 5000 Euro Vermögen besitzen.

Durchschnittlich erhielten 2017 im Altenburger Land 919 Menschen monatliche Leistungen der Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung, davon 338 in Einrichtungen lebende. Das entspricht im Vergleich zum Jahr 2016 einer Steigerung in Höhe von rund 25 Prozent. Denn in den Vorjahren – darüber geben die Daten des Thüringer Landesamtes für Statistik Auskunft – war die Zahl der Empfänger dieser untersten sozialen Sicherung recht stabil, pendelte der Wert um etwa 730 bis 770 Betroffene und war in jüngster Zeit sogar leicht abgesunken. Etwa ein Drittel der Betroffenen ist im Rentenalter.

Im Schnitt rund 400 Mal Hilfe zum Lebensunterhalt

Hinzu kommen weitere Personen, die zum Beispiel nur vorübergehend voll erwerbsgemindert sind. Für sie zahlt der Landkreis sogenannte Hilfe zum Lebensunterhalt – in durchschnittlich rund 400 Fällen pro Jahr. „Neu ist seit Jahresbeginn 2018, dass die Menschen, die Hilfe zum Lebensunterhalt oder Grundsicherung im Alter erhalten, bei ihrer Sachbearbeiterin jetzt auch den Sozialpass bewilligt oder verlängert bekommen“, fügt Fachdienstleiterin Manger hinzu.

Bereits seit über einem Jahr befindet sich ihre Behörde im Vordergebäude der Lindenaustraße 31 in Altenburg. Auch Familien mit Kindern werden dort vorstellig. Sie kommen oft wegen Wohngeldes, können aber für ihre Sprösslinge auch gleich die Leistungen des Bildungspaketes beantragen. „Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 1837 Anträge auf Zuschuss zum Mittagessen, für Klassenfahrten oder eintägige Ausflüge, für Lernförderung, Schulbedarf, Teilnahme an einer kulturellen, sozialen oder sportlichen Aktivität oder auch für Schülerbeförderung gestellt“, berichtet Manger. Familien, die Wohngeld oder Kinderzuschläge beziehen, haben Anspruch darauf.

„Die ausgezahlten Gelder im Rahmen des Bildungspaketes betrugen 2017 insgesamt 155 500 Euro. Der größte Anteil entfiel auf den Zuschuss zur Mittagsverpflegung in Schule oder Kindergarten“, stellte Manger fest. Steigende Ausgaben im Bildungspaket seien seit zwei Jahren vor allem im Bereich der Lernförderung zu verzeichnen. 2017 seien dafür fast 10 000 Euro bewilligt worden.

1,4 Millionen Euro fürs Wohngeld

Der mit Abstand größte Posten unter den Sozialleistungen dieses Fachdienstes sind jedoch die Zuschüsse zur Miete oder zum selbst genutzten Wohneigentum. „Insgesamt 2365 solcher Anträge haben wir im vergangenen Jahr bearbeitet“, bilanziert Manger. Nicht jeder Vorstoß erwies sich letztlich als berechtigt, doch immerhin 1576 Mal sei ein monatlicher Zuschuss bewilligt worden. „Manche Renten und Löhne hierzulande fallen sehr gering aus. Ein Teil der Einkommen, vor allem bei Frauen, Alleinerziehenden, Altersrentnern oder kranken Menschen liegt monatlich unter 800 Euro“, erklärt Silke Manger, warum so viele Menschen für ein Dach überm Kopf Geld von der öffentlichen Hand brauchen. Unter den Zuschussempfängern seien auch 668 Rentnerinnen und Rentner gewesen. Insgesamt seien 1,4 Millionen Euro an betroffene Haushalte im Altenburger Land ausgezahlt worden.

Ob Anspruch auf Wohngeld besteht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Etwa von der Höhe der eigenen Miete oder der Belastung durch den Unterhalt des eigenen Hauses. Auch die Anzahl der Haushaltsmitglieder, der Wohnort und das monatliche Gesamteinkommen aller zum Haushalt gehörenden Personen spielen eine Rolle. In manchem Haushalt gibt es nur einen Wohngeld-Empfänger, in manchen mehrere. Die Zahl der von Wohngeld betroffenen Haushalte im Altenburger Land ist laut Landesstatistik in den vergangenen Jahren stark gesunken.

Höhe des Wohngeldes steigt

Gestiegen ist jedoch die durchschnittliche Höhe des Wohngeldes. Zuletzt wurden monatlich im Schnitt 124 Euro gezahlt, teilt das Landratsamt mit. Laut Landesamt für Statistik lag der durchschnittliche Wohngeldanspruch im Altenburger Land im Jahr 2015 noch bei 84 Euro. Allerdings: Die hiesigen Mieten bewegen sich im Landesvergleich noch auf niedrigem Niveau. Die durchschnittlichen Wohngeldansprüche in Erfurt und Weimar haben längst die 140-Euro-Marke geknackt.

Fachdienst Grundsicherung, Wohngeld und sonstige Leistungen: Lindenaustraße 31 in Altenburg; Öffnungszeiten dienstags 8 bis 12 Uhr und 13.30 bis 18 Uhr sowie donnerstags von 8 bis 12 Uhr und 13.30 bis 16 Uhr.

Von Kay Würker

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