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Altenburg Dickhäuter spazieren im Winterquartier in Starkenberg durch den Schnee
Region Altenburg Dickhäuter spazieren im Winterquartier in Starkenberg durch den Schnee
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08:04 15.01.2019
Elefantendame Tonga scheint beim Spaziergang im Schnee in Starkenberg förmlich zu lächeln. Quelle: Jörg Reuter
Starkenberg

Es gibt Wintermenschen und es gibt Sommermenschen. Die einen mögen den Schnee und haben kein Problem mit der Kälte, die anderen sehnen sich gerade nach Sonne und wünschen sich in südliche Gefilde. In die Tierwelt übertragen, müssten Elefanten eigentlich zu den Sommertieren gehören. Doch augenscheinlich können Moya, Gandhi und Tonga der weißen Pracht etwas abgewinnen. Sie schlendern gemütlich durch den Schnee, kauen dabei Zweige und Äste, die sie wie Fingerfood von den Bäumen auf dem ehemaligen Betriebsgelände in Kostitz zupfen. Sie rüsseln hier im Schnee und reiben dort ihre massigen Hintern an einem Stamm. „So. Das reicht jetzt, wir gehen zurück. Moya! Gandhi! Tonga! Allez!“, ruft Elefantenbesitzer und -dompteur Hardy Weisheit seinen Tieren zu.

Erst die Tiere, dann die Menschen

Ja, es sei fast wie bei Kindern: Er müsse aufpassen, dass sie nicht zu lange im Kalten spielen. „Moya! Gandhi! Tonga! Allez!“, ruft der Zirkusdirektor erneut. Langsam ohne Hast setzen sich die Dickhäuter in Bewegung, um stampfend über die verschneite Wiese zum Stall zu trotten. Elefanten im Schnee, das wird es auch in den nächsten Jahren geben, denn wie berichtet ist der Zirkus inzwischen Eigentümer des Areals, in das er sich vor Jahresfrist erstmals über den Winter einquartiert hatte. „Das ist jetzt definitiv unser zu Hause“, meint Weisheit in diesem Zusammenhang und erzählt, dass er und seine Leute in den vergangenen Monaten trotz des Tourstresses regelmäßig auf dem Grundstück waren, um es für die Winterpause herzurichten. Natürlich für die Tiere. „Die stehen bei uns immer an erster Stelle“, stellt Weisheit klar.

Frische Zweige direkt vom Baum, da vergessen Elefanten die Zeit. Quelle: Jörg Reuter

Absoluten Vorrang hatte der Elefantenstall. Das sei das Schwierigste gewesen, weil die tonnenschweren Exoten auch die schwierigsten Tiere seines Unternehmens seien. Nur Raubtiere wären noch komplizierter, meint Weisheit. Und dann ist es so weit, die Kühe stehen vorm neuen Tor und treten wie selbstverständlich zum ersten Mal in ihrem Leben in den neuen Stall. „Ha, das sind eben Zirkuselefanten“, kommentiert Weisheit hörbar stolz, während Moya als letzte ein wenig den Kopf einzieht und im Stall verschwindet.

Neues Zuhause für die Zukunft in Kostitz

Hardy Weisheit (2.vl.) beobachtet die Rüssel der Tiere genau und schaut, ob im Stall alles Elefanten-sicher ist. Quelle: Jörg Reuter

Viel Geld und noch mehr Arbeit hat er in die Elefantenbehausung gesteckt, die nun sogar mit einer Badewanne ausgestattet ist. Dazu dient ein in den Boden eingelassener flacher Bauschuttcontainer. „Hier duschen wir zukünftig die Tiere“, erklärt Weisheit und schaut zu, wie die drei Elefantendamen, zwei afrikanische und eine indische, ihre Halle untersuchen. Weisheit beobachtet die langen Elefantennasen genau. „Oh ja: Hier oben müssen wie noch Weidezaun hinmachen, damit sie nicht an die Lampe kommen. Und die Mutter hier unten müssen wir auch noch abdecken“, erklärt er seinem Sohn, während der Greiffinger an einer der Rüsselspitzen geduldig die Festigkeit der Verschraubung prüft.

Auch Boxen für die Pferde und ein Kamelstall sind in den zurückliegenden Wochen in den alten Werkhallen in Kostitz entstanden, so Weisheit. Nur am Wohnhaus hätte er noch nichts gemacht. „Das ist ja alles auch eine Geldfrage“, meint der Zirkusdirektor und erzählt, das er vorhabe, das Gelände Stück für Stück auszubauen – unter anderem zum „Elefantenparadies“. Wohl im Laufe der nächsten fünf Jahre wolle er das klassische Zirkustourleben aufgeben und sich mit den Tieren in Starkenberg niederlassen. „Wir werden immer älter, die Elefanten auch. Und die Kosten für den Tourneebetrieb steigen stetig.“ Dazu kämen Auflagen wie Wildtierverbote.

Erstes Schnüffeln im neuen Stall: Die indische Elefantenkuh Gandhi (r.) untersucht ihr neues Heim. Quelle: Jörg Reuter

Offene Türen am 17. Februar

Als Alternative möchte Hardy Weisheit in Kostitz eine Art Zirkushof mit vielen Attraktionen installieren, deren Stars natürlich die Elefantendamen sein werden. Die erste Kostprobe gibt es am 17. Februar zum Tag der offenen Tür beim Circus Afrika in Starkenberg.

Von Jörg Reuter

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