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Die AltenburgerSpielkartenfabrik trumpft auf

Die AltenburgerSpielkartenfabrik trumpft auf

Die Spielkartenfabrik Altenburg (ASS) hat die Talsohle durchschritten. Nach einem Jahr des Umsatzrückgangs und einem der Konsolidierung schloss das Traditionsunternehmen 2014 mit fast 14 Prozent Wachstum ab.

Wie Geschäftsführer Stefan Luther auf OVZ-Nachfrage sagte, kletterte der Umsatz von 19,6 Millionen anno 2013 auf etwa 22,3 Millionen Euro. Zum Gewinn wollte der 45-Jährige keine konkreten Angaben machen - nur, dass das Wachstum ähnlich hoch ausgefallen sei wie beim Umsatz. Aufgrund dieser Entwicklung stößt die ASS an Grenzen und plant, in Altenburg zu expandieren.

 

Angesichts des Umsatzsprungs und fast 14 Milliarden produzierter Spielkarten wundert es wenig, dass die Stimmung bei ASS blendend ist. "Wir haben ein sehr erfolgreiches Jahr hinter uns", sagte Luther. Zumal alle drei Geschäftsbereiche - Karten- und Spieleproduktion, Handelsprodukte und Werbekampagnen/Kundenbindung - ihren Anteil daran hatten. Etwas stärker als die anderen war der Bereich Werbekampagnen am Wachstumsschub beteiligt. "Hier kann man mit einer Aktion große Volumina erzielen", begründete der Geschäftsführer.

 

Erfolgreichstes Produkt war 2014 das Shuffle-Konzept mit Lizenzen des US-Spielwarengiganten Hasbro. Dabei handelt es sich um Kartenspiele von Titeln wie Monopoly, Cluedo, Transformers, My Little Pony oder Trivial Pursuit, bei denen über eine App Zusatzfunktionen freigegeben werden. "Wir haben mit Hasbro einen Fünfjahresvertrag, der Sicherheit bedeutet, aber nicht mehr üblich ist", erklärte Luther. Damit sei man im vergangenen Jahr zu einem der Gewinner im deutschen Handel geworden.

 

Obwohl auch die Karten- und Komplettspielproduktion "deutlich ins Plus gewandert" ist, tritt Luther auf die Euphoriebremse. "Unsere Maßnahmen am Markt greifen, aber wir werden uns für dieses Jahr kein zweistelliges Wachstum vornehmen", so der 45-Jährige. Er habe keine Erwartungshaltung. "Da bin ich konservativ und für gesunden Realismus." Ziel sei es, die etwa 160 Arbeitsplätze weiter zu garantieren und dem Handel ein verlässlicher Partner zu sein.

 

Luther geht es bei seiner Drei-Jahres-Strategie vorrangig darum, wie man kontinuierlich wachsen kann. Deshalb nutzte die ASS 2013 zur Analyse und 2014 zur Restrukturierung und will 2015 weiter durchstarten. Neben einer Verschlankung der Strukturen von vier auf drei Geschäftsbereiche fällt hierunter auch das Qualitätsmanagementsiegel Iso 9001 - von der Kundenberatung und -pflege bis hin zur Pressearbeit und dem Internet-Auftritt. "Das war für uns ein Meilenstein", sagte Luther. "Es ist nicht angenehm, sich als Chef von Mitarbeitern in einer 360-Grad-Feedback-Runde seine Fehler und Schwächen vorhalten zu lassen, aber es hilft, weiter an der Qualität zu arbeiten. Denn die ist wichtig, nicht nur das Pricing."

 

Doch ASS stößt zunehmend an Grenzen. "Wir haben im vergangenen Jahr in drei Schichten und so fast 24 Stunden am Tag gearbeitet", erklärt der vor zweieinhalb Jahren nach Altenburg gewechselte Spiele-Experte. "Wir haben an der physischen und psychischen Grenze gearbeitet, aber wir wollen weiter wachsen."

 

Deshalb gab es 2014 mit dem Fraunhofer Institut eine Standortanalyse, bei der es darum ging, Schwachstellen zu finden. "Die letzte große Investition war die Druckhalle, und die liegt acht Jahre zurück", erklärte Luther. Außerdem seien die acht Gebäude unterschiedlichen Alters schwer zu handhaben. "Auch das externe Lager in Frohburg ist ein Problem, was wir durch einen Neubau hinter der Druckhalle lösen könnten." Doch das bringe noch keine Lösung für die Produktion auf vier Etagen. "Deshalb wäre die Fräger-Halle für uns eine Möglichkeit. Das ist keine perfekte Lösung, weil wir das Lager-Problem dort auch hätten, aber die ebenerdige Halle bringt Produktivität."

 

Die Entscheidung für oder gegen den Kauf der Halle des ehemaligen Automobilzulieferers etwas weiter oben an der Leipziger Straße soll in den nächsten Wochen fallen. "Es wäre ein Riesenschritt in die richtige Richtung", sagte Luther, der aber nichts übers Knie brechen will. Auch wenn man etwa noch eine Million Euro reinstecken müsse, bevorzuge er diese Lösung gegenüber einem ebenfalls im Gespräch befindlichen Neubau. "Vorher muss aber die Frage der Nachnutzung unseres jetzigen Standortes geklärt werden, was parallel zu unserer Suche geschieht."

 

Eines aber macht Luther ganz klar und spricht da auch für den belgischen Mutterkonzern Cartamundi: "Wir stehen zu Altenburg. Es ist ein profitabler Standort, aber unsere Frage ist: Geht es hier noch profitabler?" Die Dimension der angepeilten Expansion lässt hoffen. Denn allein eine neue Druckmaschine kostet rund vier Millionen Euro - und man braucht zwei davon. "Diese Investition werden wir hier aber nicht tätigen.", so Luther. "Weil wir das Band dann um eine Säule herum bauen müssten."

Thomas Haegler

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