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Die Altenburgerin Christine Büring legt nach einem Jahr Rotarier-Vorsitz nieder

Turnusgemäße Übergabe Die Altenburgerin Christine Büring legt nach einem Jahr Rotarier-Vorsitz nieder

Es ist ein bewegtes Jahr, auf das Christine Büring zurückblicken kann. Denn was sie freimütig als eine Art „Sabbatical“ – also eine bewusst gewählte Auszeit vom beruflichen Alltag – bezeichnet, war alles andere als arbeitsarm für die Altenburgerin. Ein Jahr lang stand sie als sogenannter Governor an der Spitze von Distrikt 1950 der Rotary International.

Eines von vielen Hilfsprojekten der Altenburger Rotarier: Ende 2015 sammelten Christine Büring, Holger Frenzel & Co. Geld, um Flüchtlingskindern kostenlos Schulrucksäcke zur Verfügung stellen zu können.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Es ist ein bewegtes Jahr, auf das Christine Büring zurückblicken kann. Denn was sie freimütig als eine Art „Sabbatical“ – also eine bewusst gewählte Auszeit vom beruflichen Alltag – bezeichnet, war alles andere als arbeitsarm für die Altenburgerin. Ein Jahr lang stand sie als sogenannter Governor an der Spitze von Distrikt 1950 der Rotary International – und war damit Verantwortliche und oberstes Sprachrohr für insgesamt 66 Clubs aus Thüringen und Franken.

Ein letztlich logischer Schritt für die engagierte 53-Jährige, die bereits in jungen Jahren in Kontakt mit der humanitären Vereinigung gekommen ist. Das Internationale des Zusammenschlusses liegt ihr im Blut, wie ein Blick auf ihren Lebenslauf verdeutlicht. „Schon mein Vater war als Austauschschüler in Amerika, auch ich selbst bin diesen Schritt gegangen.“ Studium-, Ausbildungs- und Arbeitsstationen in der französischen Schweiz, in Mexiko und Argentinien sowie in Paris folgten. Ihren Weg nach Altenburg fand sie schließlich zusammen mit ihrem Mann in den 90er-Jahren, wo sie sich mit eigenem Unternehmen im Tourismusmarketing engagiert – und 1995 gemeinsam mit Mitstreitern den örtlichen Rotary Club gründete.

Es sind vor allem die humanitären und sozialen Werte der 1905 in Chicago entstandenen Vereinigung, der Vernetzungsgedanke, mit denen Büring ihr Engagement erklärt. „Es ist eigentlich ein sehr simples und logisches System“, fasst sie zusammen. „Die Rotarier bieten weltweit Menschen Hilfe zur Selbsthilfe, mit Hilfe des Netzwerks und der gewachsenen Strukturen lassen sich so schnell Projekte anschieben.“ Ist ein Ansatz erfolgreich, lässt er sich meist ohne größere Probleme – unterstützt durch die lokalen Club-Mitglieder – auch an anderen Orten der Welt umsetzen. Und das oftmals sogar zügiger und umfangreicher, als es langsam arbeitende staatliche Stellen vermögen.

Das zeige sich auch an dem großen Projekt, dass sie im Verlauf ihrer einjährigen Amtszeit anschieben konnte, so Büring. Auf einer Schulung für Governor sei sie mit ihrem Amtskollegen aus dem indischen Mumbai zusammen gekommen. Schnell kam das Gespräch auf ein großes Problem in der Millionenmetropole, das für viele Europäer zunächst unvorstellbar klingen mag. „Es gibt in Indien kaum Toiletten, trotz eines von der Regierung ausgerufenen Programms. Das stellt ein großes Problem dar“, erklärt sie.

Der Ansatz von Büring und ihres indischen Gegenparts: Ein Hygieneprogramm aufzulegen, mit dem insbesondere an Schulen sanitäre Anlagen gebaut und die Schüler im Unterricht über Hygiene aufgeklärt werden. Dass die Wahl auf Schulen fiel, ist kein Zufall, wie sie betont. Denn die prekäre Situation sei oftmals eine willkommene Entschuldigung für Eltern, ihre Töchter aus der Schule zu nehmen, wenn sie ihre Periode bekommen – und keine Sanitäreinrichtungen zur Verfügung stehen. „Wir haben die Klos also nicht zuletzt auch für die Mädchen gebaut.“

Die Finanzierung des Projekts basiert, etwas untypisch, dabei auf einer Wette. „Ich habe mit Gopal Mandhandia, dem Governor von Mumbai, gewettet: Ich sammele Gelder ein, er legt die selbe Summe dazu, die Rotary Stiftung steuert ebenfalls den selben Betrag bei.“ Insgesamt 300 000 US-Dollar sind so zusammengekommen, die Clubs in Altenburg und Mumbai verantworten das Vorhaben gemeinsam. Dadurch seien nicht nur die Kontakte und das Verständnis zwischen deutschen und indischen Rotariern vertieft worden, auch der indische Staat sei so motiviert worden, noch mehr für die öffentliche Hygiene und Toiletten zu tun. Mit dem Projekt, so betont Büring, sei „Altenburg mit der Welt verbunden“.

Dazu trägt auch der stete Schüleraustausch der skatstädtischen Rotarier bei. Derzeit hat der Club insgesamt vier junge Altenburger in die Ferne entsandt – nach Mumbai, Taiwan, Japan und Italien. Im Gegenzug weilen dafür eine Italienerin, ein Peruaner und eine Taiwanesin bei hiesigen Familien. Im Zuge der Konferenz waren zudem insgesamt 22 Jugendliche aus 19 Nationen zu Gast. Eine gemeinsame Schulung sowie ein Erfahrungsaustausch zwischen ehemaligen und künftigen Austauschschülern wurde in diesem Zuge in Windischleuba abgehalten.

Informiert wurde ebenfalls über die Projektarbeit vor Ort. Eindruck hinterlassen hat dabei bei Büring vor allem eine Aktion im fränkischen Teil ihres Distrikts, bei der örtliche Rotarier gemeinsam mit behinderten Menschen künstlerisch tätig wurden und die Werke anschließend für den guten Zweck versteigerten. „So etwas ermöglicht Einblicke, die man sonst im normalen Alltag nicht erhalten würde – und baut Aversionen ab“, zeigt sie sich zufrieden.

Zum 1. Juli nun übergibt Büring turnusgemäß ihren Posten als Governor an ihren Nachfolger. Zu Ende ist ihr Engagement damit aber natürlich noch nicht, vieles ist auch weiterhin geplant. Neben der weiteren Betreuung des Projekts in Indien hat Büring vor allem ihre Geschlechtsgenossinen im Blick. „Gemeinsam mit Freundinnen möchte ich auf der nächsten Weltkonferenz einen Zusammenschluss der ,Women in Rotary’ vorstellen und anschieben“, kündigt sie an. Und auch auf europäischer Ebene will sie weiter aktiv bleiben. „Ich möchte vor allem auch innereuropäische Netzwerke verbessern, den Europa-Gedanken stärken und mit Mitstreitern vorantreiben.“ Das, betont sie, sei gerade in der heutigen Zeit von großer Wichtigkeit.

Von Bastian Fischer

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