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Altenburg Die Gerüchteköche tischen auf – Nörgelsäcke auf der Spur von Fake New
Region Altenburg Die Gerüchteköche tischen auf – Nörgelsäcke auf der Spur von Fake New
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19:29 12.03.2018
Schwingen in Gößnitz als Gerüchteköche den Kochlöffel: Markus Tanger, Thomas Puppe und Micha Kreft (v.l.). Quelle: Kabarett
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Gößnitz

Fake News vom Feinsten wurden am Sonnabend auf der Kleinkunstbühne in Gößnitz feilgeboten. Das Kabarett Nörgelsäcke tischte im ausverkauften Haus kräftig auf. „Die Gerüchteköche“ nennt sich das neue Programm der Ostthüringer Kabarettisten. Die Gäste ließen sich das von Thomas Puppe, Markus Tanger und Micha Kreft zubereitete Mahl munden und löhnten die Akteure mit viel Applaus. Wer bei dem Programmtitel an Kochshows, Promidinner oder Kochduelle denkt, der liegt daneben. Um das Fernsehen geht es aber unter anderem auch.

Dramaturgisch wird der Abend zusammengehalten von der Suche nach einem Konzept für den alternden Fernsehstar Tommy, der schon gemeinsam mit Heinz Rennhack auf der Bühne Witze gerissen hat. Diese Witze reißt er heute noch. Denn die Zuschauer erwarten Beständigkeit, heißt es. Auf der Suche nach einem Konzept für Tommy ist dann im Laufe des Abends die Rede von einem Dschungelcamp für Religionen, von einem öffentlichen Promisterben und vom Politikertalk mit elektrischem Stuhl. Das wirkt etwas hilflos, lenkt aber zum Glück nicht davon ab, worum es eigentlich in dem neuen Programm der Nörgelsäcke geht.

Das ist die Suche nach einer Antwort auf die Frage: Wie können so schnell Gerüchte entstehen, und wie kann aus Wahrem etwas Falsches werden, das für wahrer gehalten wird als das Wahre selbst? So erfährt man in Gößnitz, was aus dem Märchen von Hänsel und Gretel geworden wäre, hätte es zu Zeiten seines Entstehens schon solch soziale Medien gegeben, wie es sie heute gibt. Die Schlagzeile würde lauten: „Mord im Wald! Ist das Opfer eine Deutsche? Minderjährige Täter. Vermutlich Asylanten. Familiennachzug – nein Danke.“ So schnell und so schlüssig kann das gehen. Ganz ohne eine einzige Lüge. An jedem Gerücht ist doch ein Fünkchen Wahrheit, heißt es an anderer Stelle im neuen Programm der Nörgelsäcke. War da ein zustimmendes Nicken im Publikum?

Zu Zeiten der Märchen und Legenden gab es auch noch keine Firma zur Weiterverbreitung von Gerüchten. Heute kann man dort zum Klatschbasentarif Fake News verbreiten lassen. Markus Tanger will dort ein Gerücht in Umlauf bringen: „Helene Fischer und Florian Silbereisen trennen sich.“ „Das wird unter Mülltrennung abgelegt“, sagt Thomas Puppe. Was dann weiter mit der falschen Neuigkeit in der Gerüchteküche passiert, dafür sind Gerüchtsvollzieher, die Stille Post oder der Gerüchtsdiener Emil zuständig. Geht es um Fake News, dann ist selbstverständlich Donald Trump ganz nah: „Wenn der twittert, haben 140 Zeichen Angst.“ Thomas Puppe taucht mit einer Art Mopp auf dem Kopf auf der Bühne auf und lässt sich als Häuptling aller Amerikaner beim Kauf eines Krisenherdes beraten. Einen selbstreinigenden. Am Schluss bestellt er 5000 Stück und poltert von der Bühne mit den Worten: „Niemand hat die Absicht, Schutzzölle zu errichten.“ Auch nicht gegen Fake News. Und die kommen aus dem Osten, von den Russen. Das weiß doch jeder. „Doch das, was seit September auf der politischen Bühne in Berlin abgegangen ist, das können selbst die Russen nicht gewollt haben“, zweifelt Markus Tanger.

Die Gößnitzer Nörgelsäcke sind politisches Kabarett, lieben aber auch den Ausflug in das Komödiantische. So spielt Thomas Puppe hinreißend einen Opa, der mit seinem Enkel über den Kauf eines Buntfernsehers spricht. Der braucht nur drei Pixel. Einen fürs Ein- und Ausschalten, einen für laut und leise und einen für die Sender. Denkst du denn, ich bin nicht blöd? Markus Tanger glänzt als Herr Kloppstock in einer Forsa-Umfrage.

Am Klavier ist es Micha Kreft, der den Abend zusammenhält. Er gibt dem Programm die eigentliche dramaturgische Stabilität. Seine Töne sind die leiseren, seine Sprüche sind die weiseren. Er vermag aber auch den ganzen Saal zum Singen zu bringen. Mit „Alle meine Entchen“ geht es gemeinsam von Ostthüringen über die Moldau bis ins Morgenland. Und zurück nach Gößnitz.

Alle bislang bekannten Vorstellungstermine der „Gerüchteköche“ im ersten Halbjahr sind bereits ausverkauft.

Von Klaus Peschel

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