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"Die Geschichte einer obsessiven Liebe"

"Die Geschichte einer obsessiven Liebe"

Eine außergewöhnliche Premiere steht im Heizhaus Altenburg an: "Nachtgeschwister", das auf den Romanen "Nachtgeschwister" von Natascha Wodin und "Das Provisorium" von Wolfgang Hilbig beruht.

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Anja Schneider

Quelle: Autor unbekannt

Vor der heutigen Premiere spricht Anja Schneider, die ihre persönlichen und künstlerischen Wurzeln in Altenburg hat, über das Stück, persönliche Erinnerungen an die Wende und ihre Gefühle, wieder im Altenburger Theater zu stehen.

 

Wie würden Sie den Inhalt Ihres Dramas "Nachtgeschwister", das heute auf die Bühne des Heizhauses kommt, grob zusammenfassen?

 

Es ist die Geschichte einer obsessiven Liebe, einer Begegnung auf Leben und Tod - zwischen einem Mann und einer Frau, beide Schriftsteller, die von vielen Grenzen umgeben sind, Grenzen der Geschlechter, politische Grenzen, innere Grenzen ...

 

Wie kam es zu diesem Projekt?

 

Daniela Holtz, die auch auf der Bühne agiert, und ich arbeiten im Duo. Quasi gleichzeitig wurden wir auf Wodins Roman aufmerksam, der ja autobiografisch ist. Und als ich das dann las, wusste ich, dass das der ideale Stoff für unsere Kooperation ist, vor allem als ich merkte, dass der Mann, um den es geht, Wolfgang Hilbig ist. Wir haben dann gezielt Hilbigs "Provisorium" als Erzählung aus seiner Perspektive entgegengesetzt.

 

Auch wenn die Geschichte zwischen der Frau und dem Mann auch außerhalb des konkreten historischen Kontexts funktioniert, ist der Bezug zu den Wendejahren nur zu deutlich. Sie waren zwölf, als die Mauer fiel. Sehen Sie diesen Bezug auch?

 

Ich sehe den Bezug sehr deutlich. Das ist eben das Spannende in der Arbeit mit Daniela Holtz, die so alt ist wie ich, aber aus dem Westen kommt. Wir stellen in bestimmten Zusammenhängen fest, dass wir komplett verschieden sozialisiert sind, Dinge ganz unterschiedlich verstehen, dass es Ost und West in der Wahrnehmung auch in unserer Generation definitiv noch gibt. Und das war ein weiterer entscheidender Grund, sich mit diesem Stoff auseinanderzusetzen.

 

Wie haben Sie die Wende erlebt?

 

Wie bestimmt viele andere auch: die Nachricht als solche ist mir in Erinnerung und dann, wie man in der Schule sitzend erlebte, wie alles wegbrach, man mit den Lehrern diskutierte und diese verschwanden, das Erlebnis einer großen Unsicherheit ... Ich weiß noch, dass ich mir sofort Sorgen gemacht habe, weil man mir das ja die ganze Zeit gesagt hatte, dass die Mieten jetzt steigen, Drogen und Arbeitslosigkeit jetzt kommen würden und so weiter. Und andererseits ist da die Erinnerung an die erste Reise gen Westen mit der Familie, das Begrüßungsgeld und die Überforderung durch die Warenflut. Es ist immer die Gleichzeitigkeit von Verunsicherung und Spannung, die diese Erinnerungen prägt.

 

Sie stammen aus Altenburg, haben hier Ihre allerersten schauspielerischen Erfahrungen gesammelt. Mit welchen Gefühlen kommen Sie zurück?

 

Ich bin hier angekommen und vom Heizhaus den Weg in die Kantine über die große Bühne gegangen und habe mich erinnert, wie ich mit ungefähr zwölf in "Anatevka" eine Kinderrolle gespielt habe. Und nun wieder hier sein zu können, ist wunderschön. Aber generell muss man sagen, dass ich extrem treu bin. Ein ganz großer Teil meiner Familie lebt hier, und ich bin regelmäßig da, jetzt mit meiner zweijährigen Tochter noch häufiger. Ich war nie wirklich weg. Es ist trotzdem eine extreme Freude darüber, dass sich Kreise schließen. Dass Familie und Freunde in meiner Heimat die Teile meiner Arbeit, die mir besonders wichtig sind, wahrnehmen können. Es ist einfach toll, das Stück an einem Haus wie diesem zu zeigen.

 

Immer wieder sieht man Sie in TV-Rollen, zum Beispiel in Folgen von "Der Alte" oder "Polizeiruf 110" ...

 

Fernsehen ist in seiner Andersartigkeit als Medium auch spannend. Es ist ein großes Geschenk, wenn man beides machen kann. Aber meine große Liebe gehört natürlich den "Brettern".

 

Interview: Tatjana Böhme-Mehner

Tatjana Böhme-Mehner

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