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Die Invasion des Riesen-Bärenklaus im Altenburger Land

Gefährliche Pflanze Die Invasion des Riesen-Bärenklaus im Altenburger Land

Schon länger breitet sich der Riesen-Bärenklau im Altenburger Land aus. Besonders an den Ufern der Pleiße hat es sich die gefährliche Pflanze bequem gemacht. Die bisher unklare Zuständigkeit für die Herkulesstaude hat aber nun ein Ende. Am 2. August tritt die überarbeitete Liste zu einer EU-Verordnung in Kraft, die die Bekämpfung des Einwanderers regelt.

Halbe Wälder von Riesen-Bärenklau, zum Teil bis zu drei Meter hoch, finden sich in der Nähe der Pleißebrücke in Windischleuba.

Quelle: Maik Thiel

Altenburg/Windischleuba. Eigentlich sehen sie ganz schön aus, die hohen und sattgrünen Pflanzen mit den weißen Blüten. Aber nur eigentlich. Denn hinter dem ansehnlichen Äußeren des Riesen-Bärenklaus befindet sich ein gefährliches Innenleben. Laut Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) führt der Pflanzensaft zusammen mit Sonne zu verbrennungsähnlichen Symptomen inklusive heftiger Schmerzen.

Nun entdeckte OVZ-Leser Maik Thiel jüngst an der Bundesstraße 7 ein größeres Vorkommen des gefährlichen Gewächses nahe der Pleißebrücke in Windischleuba. Bis zu drei Meter hoch seien die Pflanzen, denen der Volksmund auch den Namen Herkulesstaude gegeben hat. Daher interessiere ihn: „Wer hat hier Zuständigkeit? Und wie werden diese gefährlichen Pflanzen bekämpft?“

Berechtigte, aber keineswegs leicht zu beantwortende Fragen. Denn obwohl die Pflanze eine Gefahr für die Gesundheit und die hiesige Natur darstellt, gehörte sie lange nicht zu der EU-Liste von eingewanderten Bewohnern in die europäische Flora und Fauna, die eine Bekämpfung nach sich zieht. Das änderte sich erst mit der am 13. Juli beschlossenen zweiten Listen-Fassung, die jedoch erst am 2. August in Kraft tritt.

Damit wird zugleich der Fachdienst Umwelt- und Naturschutz des Landratsamtes als untere Naturschutzbehörde zuständig. Das wiederum erklärt, warum das Amt das von Leser Thiel gefundene Vorkommen des Riesen-Bärenklaus an der Pleiße bisher nur untersuchte, seine Mitteilung bestätigte und darüber die Gemeinde Windischleuba als zuständige Ordnungsbehörde sowie den Eigentümer der Fläche, die Talsperrenmeisterei Windischleuba, informierte.

„De facto sind wir bisher nicht zuständig und können nur darauf hinweisen, weil es eine Gefahr ist“, sagte Fachdienstleiterin Birgit Seiler. Es freue sie aber, dass sich das nun ändert, auch wenn man dadurch mehr Arbeit habe. „Denn von den invasiven Arten haben wir mit dem Riesen-Bärenklau und dem Waschbär die größten Probleme.“ So sei die aggressive Pflanze auch im Altenburger Land auf dem Vormarsch – besonders entlang der Pleiße in Windischleuba. Deshalb werde man nun die Gemeinde neu informieren, dass man selbst zuständig sei. „Dem Eigentümer ordnen wir entweder an, dass er die Pflanzen zu entfernen hat oder er versichert uns, dass sie nicht frei zugänglich sind.“

Allerdings plädiert Seiler generell für ein Vorgehen gegen den Einwanderer. „Der Riesen-Bärenklau ist nicht nur wegen des Safts gefährlich, sondern auch weil er jegliche Ufervegetation verdrängt“, so die Behördenleiterin. Zudem sei die Pflanze gegenüber anderen Arten im Vorteil, weil sie sich – wie ein Pilz – über die Wurzel verbreitet. Deswegen sei er auch schwer und nur mit hohem Aufwand zu beseitigen.

Eine Einschätzung, die die TLUG teilt. Gilt der Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Kaukasus als Zier- und Gartenpflanze nach Europa eingeführte Riesen-Bärenklau doch in Thüringen inzwischen als weit verbreitet – Tendenz steigend. Schwerpunkt sei Ostthüringen, teilte TLUG-Referent Lutz Baseler mit. Er sei bereits 1912 am Ufer der Gera erstmals nachgewiesen worden, nehme seit Mitte des 20. Jahrhunderts rapide zu und besiedle offene Wiesen und Brachflächen.

Bekämpft werde er auf großen Flächen durch Pflanzengifte, „auf geeigneten Flächen auch durch mehrfaches Mähen und Mulchen, Fräsen oder durch das Beweiden mit Robustrindern“, so Baseler. Ziel müsse es immer sein, weitere Samenbildung zu verhindern. Einzelpflanzen oder kleine Bestände könnten im Frühjahr (spätestens Mitte April) oder im Herbst (Oktober bis Anfang November) ausgegraben und durch Abstechen der Wurzel 10 bis 15 Zentimeter unterhalb der Erdoberfläche getötet werden. Um zu verhindern, dass Samen gebildet werden, könne man mähen oder den Blütenstand zu Beginn oder während der Blüte abschneiden (Ende Juni/Anfang Juli).

Neben der Gefahr für die Gesundheit stellt der Riesen-Bärenklau auch eine Gefahr für die Landschaft und die hiesige Flora und Fauna dar. Durch seinen hohen Wuchs „gehen meist die Pflanzen der Krautschicht stark zurück, wovon auf Wiesen auch seltene und gefährdete Arten betroffen sein können“, erklärte Baseler. Er verändere den Lebensraum, was sich negativ etwa auf Spinnen oder Heuschrecken auswirken könne.

Das sind letztlich auch die Gründe, warum die EU die Pflanze in die Liste invasiver Arten aufgenommen hat, die laut einer Verordnung vorbeugend bekämpft werden sollen. Arten, die sich bereits ausgebreitet haben, wie der Riesen-Bärenklau, sollen hingegen „gemanaged“ werden, wofür binnen 18 Monaten Pläne erstellt werden müssen.

Damit beginnen Birgit Seiler und Co. bereits nächste Woche. Für diese Strukturen, die etwa den Informationsfluss an die Bevölkerung oder die Schaffung einer Eingreiftruppe beinhaltet, sei man aber auf die Hilfe vieler angewiesen, erklärte die Chefin des Fachdienstes. Einbeziehen will sie dabei Veterinäramt, Naturschutzbeirat, Angler, Jäger und Forstwirtschaft , aber auch externe Experten. „Wir brauchen erst mal einen Fahrplan.“

Von Thomas Haegeler

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