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Die Kreisstadt - eine einzige Baustelle

Die Kreisstadt - eine einzige Baustelle

Autofahrer in Altenburg haben es derzeit nicht leicht. Denn leicht haben die Baustellen sie fest im Griff. Diese erwarten den ortskundigen Fahrer gefühlt an jeder dritten Ecke und überraschen Gäste zuweilen öfter.

Altenburg.

 

 

Autofahrer in Altenburg haben es derzeit nicht leicht. Denn leicht haben die Baustellen sie fest im Griff. Diese erwarten den ortskundigen Fahrer gefühlt an jeder dritten Ecke und überraschen Gäste zuweilen öfter. Sorgt hier eine Fahrbahnverengung für längere Wartezeiten, erfordert dort eine Vollsperrung einen nervenaufreibenden, weil zeitintensiven Umweg. Gewürzt wird das Ganze durch einen Schilderwald, der stellenweise nur mit einem Kopfschütteln zu kommentieren ist. Ein Selbstversuch.

 

Erhöhter Puls

Gut 1,5 Kilometer vor der Wettinerstraße weist ein Schild auf deren Vollsperrung hin. Doch bevor ich zur gesperrten Hauptschlagader zwischen Innenstadt, Bahnhof und Altenburg-Nord durchdringe, gilt es die Bahnbrücke auf der Leipziger Straße zu queren. An der Ampel trennen nichts als ein paar Warnbaken mein Auto vom Gegenverkehr. Was wiederum kein Problem wäre, wenn nicht ständig LKW vom Hausweg auf die Leipziger Straße biegen würden. Der Schwung, mit dem ein weißer 7,5-Tonner die enge Kurve nehmen will, beschleunigt meinen Puls. Doch der Fahrer ist ein Profi, bremst und zirkelt sein Gefährt herum. Zwischen ihn und die Baken passt aber gerade noch mein Schreibblock.

Anstatt den direkten Weg zur Redaktion zu nehmen, entscheide ich mich vor dem Lindenau-Museum für die leere Spur und biege rechts ab. Was mich allerdings in der Wettinerstraße erwartet, hat es in sich. An der Sparkasse zwingt mich ein Pfeil nach rechts in die Kanalstraße. Ich folge ihm, stelle mein Auto ab und nähere mich dem Nadelöhr zu Fuß. Schließlich kontrolliert die Polizei dort seit vergangenem Dienstag immer wieder, und auf 15 Euro Strafe kann ich verzichten.

Unklare Beschilderung

Allerdings fällt mir auf, dass es möglich ist, von der Kanalstraße in beide Richtungen zu fahren. Unsinn, denke ich, weil rechts wenige Meter später ein Schild die Durchfahrt verbietet. Angezeigte Ausnahmen: Linienverkehr und Anlieger (bis Fabrikstraße). Just in diesem Moment kommt ein Bus die Wettinerstraße entlang und passiert das Schild. Am Pfeil, der mich zum Abbiegen zwang, fehlt aber der Hinweis auf die Ausnahmen, sodass der Bus gegen die Vorgabe verstößt. Das allerdings ist eine Spitzfindigkeit gegenüber dem, was auf der anderen Seite wartet. Denn in der Bahnhofstraße dürfen nur die Deutsche Bahn, der Lieferverkehr, Taxis und die Thüsac die Absperrung kurz hinter der Tiefgarage passieren. Dahinter parken dennoch reihenweise Autos.

"Das sind Narrenpossen", meint Dietrich Heinz, dessen Frau in der Fabrikstraße ein Blumengeschäft betreibt. "Von der Wettinerstraße dürfen nur Busse links in die Fabrikstraße abbiegen und von der Bahnhofstraße kommt man gar nicht rein." Die Kunden kämen kaum noch durch, weil die Terrassenstraße im vorderen Teil Einbahnstraße ist. "Ich weiß nicht, was man sich im Ordnungsamt dabei gedacht hat", wettert Heinz weiter. "Die Anwohner sollen offenbar mit dem Hubschrauber einfliegen."

Überhaupt: Wer aus der City mit dem Auto zum Bahnhof will, der muss Verkehrsregeln brechen, über den Lerchenberg und die Gerhart-Hauptmann-Straße ausweichen oder über Kauerndorfer und Offenburger Allee fahren. Doch selbst dann kommt man nur auf den Parkplatz am Bahnhof - vorausgesetzt man sieht das einsame Hinweisschild. Der Vorplatz ist Taxis und Bussen vorbehalten.

Kein Ende in Sicht

Kaum habe ich mich Richtung Nord durchgekämpft, warten dort die nächsten Umleitungsschilder und sorgen für ein innerliches Aufstöhnen. Denn Richtung Rositz geht es ausschließlich über die B 7 und nach Zschernitzsch oder Oberzetzscha komme ich nur mit einem Schlenker über die Albert-Levy-, die Siegfried-Flack- und die Bonhoefferstraße. Der Grund: Die gesperrte Feldstraße, weswegen auch der K-Bus derzeit etwas länger braucht. Apropos länger. Der Umweg kostet mich knapp zehn Minuten. Für einen Journalisten eine halbe Ewigkeit. Das eventuelle Platzen eines Termins lässt sich nur vermeiden, wenn ich die Tempo-30-Schilder genauso ignorieren würde wie die ächzenden Stoßdämpfer meines Wagens und das Ruhebedürfnis der Bewohner der Flack- und der Bonhoefferstraße.

Langsam habe ich die Nase voll und schlängle mich zurück auf die Kauerndorfer Allee. Das nächste Mal höre ich mich fluchen, als ich in der Schmöllnschen Straße stehe und wegen der dortigen Baustelle reihenweise Autos vorbeilassen muss, um zur Tiefgarage am Roßplan zu gelangen. Langsam drängt die Zeit, denke ich. Schließlich muss der Artikel noch geschrieben werden. Das heißt aber auch, dass ich die Baustellen in der Schillerstaße und die gesperrte B 180 nach Nobitz nicht mehr schaffe.

Die Laune sinkt ins Bodenlose, als ich in der Redaktion die Antwort von Rathaussprecher Christian Bettels lese. Denn kaum soll die Wettinerstraße wieder frei sein, folgen die nächsten Sperrungen wie die der Bahnhofstraße zwischen Fabrik- und Wettinerstraße (6. - 11. August). Außerdem dabei: die Jungferngasse (6./7. August) sowie die Paditzer Straße (6. August - 5. Oktober) und der Wilchwitzer Weg (13. August - 26. Oktober). Besonders bezüglich der jeweiligen Enddaten legt Bettels gesteigerten Wert auf das Wort "voraussichtlich". Mir schwant Böses.

 

-Kommentar

Thomas Haegeler

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