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Altenburg Die Natur des Leinawalds - Der Forst bei Nobitz ist Rückzugsort für seltenen Pflanzen / Jetzt erscheint ein neues Buch darüber
Region Altenburg Die Natur des Leinawalds - Der Forst bei Nobitz ist Rückzugsort für seltenen Pflanzen / Jetzt erscheint ein neues Buch darüber
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20:14 16.07.2012

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Von Jörg Reuter

Für Naturschützer ist der Leinawald etwas Besonderes, das es so zu erhalten gilt. Aus diesem Grund wurde er 2009 zum Naturschutzgebiet erklärt. Die Geschichte des Artenschutzes im Leinawald ist jedoch deutlich älter. Schon 1940 wurden die ersten Parzellen unter Schutz gestellt. Zu DDR-Zeiten kamen weiter Areale dazu. Hintergrund der Bemühungen ist die besondere Umgebung, in der der Leinawald wächst. Das Lösshügelland vor den Mittelgebirgen ist relativ waldarm. "Wegen des fruchtbaren Bodens hier mussten die Bäume schon vor langer Zeit der Landwirtschaft weichen", erklärt Hartmut Bade. Der Altenburger ist, was die Flora des Leinawalds betrifft, Fachmann. Erst 1996 schrieb der ehemalige Lehrer und spätere Mitarbeiter des Mauritianums seine Doktorarbeit über den Leinawald. Diese wissenschaftliche Arbeit ist der Ausgangspunkt des neuen Buches, das er jetzt über das rund 1850 Hektar große Naturschutzgebiet verfasst hat.

Davon abgesehen, dass es in der Region nur sehr wenige derart große Waldgebiete gibt, zeichnen die Leina zwei weitere Faktoren für Pflanzen- und Tierwelt aus. "Zum einen handelt es sich um einen historisch alten Wald. Davon spricht man nach 250 Jahren ununterbrochener Bewaldung", so Bade. Eine ganze Reihe Pflanzen, etwa der Bärlauch, der Waldschwingel oder die Ahrige Teufelskralle, kämen nur in historisch alten Wäldern vor. "Zum anderen gibt es im Leinawald eine große Vielfalt an Lebensräumen von sumpfigen Gebieten bis zu eher trockenen, was natürlich eine große Artenvielfalt nach sich zieht." So habe sich etwa die Wasserfeder angesiedelt, die es sonst nirgends in Thüringen gibt.

Zu den Besonderheiten des Leinawaldes zählt auch das bunte Springkraut. Diese Pflanze stammt eigentlich aus dem Himalaya und hat sich erst in der jüngeren Vergangenheit hier angesiedelt. In dem Forst bei Nobitz wurde sie vor etwa zehn Jahren erstmals in Deutschland nachgewiesen. Quasi zum klassischen Bewuchs des Leinawaldes gehört die Weiß-Tanne. Diese hat hier ihre natürliche Nordgrenze, wurde aber in der Vergangenheit so gut wie ausgerottet. Inzwischen gebe es wieder einige Haine, die aber als Versuchsfelder angelegt wurden.

Nichtsdestotrotz zählen die Tannen mit zu den Erfolgen der Unterschutzstellung des Leinawaldes. Bereits Anfang der 1970er hat Bade als Biologielehrer für seine Schüler einen Lehrpfad angelegt. Die Keimzelle für das Naturschutzgebiet Leinawald, an dessen Beantragung der Botaniker in den 1990er-Jahren prägend mitgearbeitet hat. Zieht er nun ein Resümee, dann fällt sein Urteil zwiespältig aus. Es sei ein Erfolg, aber noch nicht alle Probleme gelöst, so Bade. Unvernünftige Rad- oder Motorradfahrer suchen den Wald ebenso heim wie unbarmherzige Bär-lauch-Sammler, die bisweilen viel Schaden hinterlassen. Im Übrigen ist das Entnehmen von Pflanzen und Tieren aus dem Leinawald verboten. Lediglich das Pilzesammeln ist ausdrücklich gestattet.

Die forstwirtschaftliche Nutzung sei bisweilen auch problematisch, vor allem dann, wenn hauptsächlich alte Bäume gerodet werden und damit die natürliche Altersstruktur im Wald zerstört wird. "Aber sie steht grundsätzlich nicht im Gegensatz zum Naturschutz", räumt Bade mit einem verbreiteten Irrglauben auf. Im Gegenteil, weil über Generationen hier Bäume gefällt werden, haben sich bestimmte Baumarten angesiedelt. "Und zwar Eichen und Hainbuchen. Solche Wälder haben bei Naturschützern ein hohes Image", meint der Fachmann.

Auf 460 Seiten hat Bade dies und vieles mehr zusammengetragen. Vorgestellt wird das Buch mit dem Titel: "Der Leinawald bei Altenburg, Geschichte, Forstwirtschaft, Flora und Waldvegetation", Morgen, 19 Uhr, im Mauritianum. Das Buch ist gleichzeitig der Start der neuen Reihe "Beiträge zur Altenburger Landeskunde", die das Museum verlegt.

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