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Die Oper „Jenufa“ feiert im Landestheater Altenburg Premiere

Die Kunst des Vergebens Die Oper „Jenufa“ feiert im Landestheater Altenburg Premiere

Das war ein befreiendes Ende, was da auf der Bühne des Landestheaters am vergangenen Sonntagabend ablief und eines der musikalisch schönsten in einer der überzeugendsten Operninszenierungen der letzten Jahre. Da ist eine Liebe, die gott- und menschengefällig ist. Jenufa bringt alle Kraft auf, zu der ein liebend Weib fähig ist, und nutzt sie zur Vergebung.

Hommage an Menschlichkeit und Vergebung: Anne Preuss (Jenufa) und Hans-Georg Priese (Laca ) während der Premiere im Altenburger Landestheater.
 

Quelle: Sabina Sabovic

Altenburg.  Sie nimmt den Mann, der einst ihr Gesicht mit dem Messer entstellt hat, am Ende an der Hand und hofft mit ihm auf eine glückliche Zukunft. Das Publikum in Altenburg hielt wiederholt den Atem an und fand zu befreiendem Schlussbeifall, der lange anhält.

Beeindruckendes ging dem voraus, das aus Liebe geschah. Jenufa liebt Stewa, von dem sie ein Kind erwartet. Das wird unehelich sein. Sein Stiefbruder Laca liebt das Mädchen auch und entstellt aus Eifersucht mit einem Messer ihr Gesicht. Die Küsterin liebt ihre Ziehtochter Jenufa und will verhindern, was ihr als junges Mädchen geschah: in Schande leben zu müssen mit einem unehelichen Kind. Deshalb tötet sie das Kind und lügt aus Liebe zu Jenufa, ihr Kind sei an einer Krankheit gestorben. Als die Kindesleiche später entdeckt wird und die Küsterin ihre Tat gesteht und Reue zeigt, wächst Jenufa über sich hinaus und wird fähig, zu vergeben. Darin spiegelt sich Janaceks Weltbild wider: In jeder Barbarei ist ein Funken Hoffnung.

Das alles brachte Generalintendant und Operndirektor Kay Kuntze nach den Vorgaben des tschechischen Komponisten Leos Janacek werk- und zeitgetreu auf die Bühne, das szenisch und musikalisch höchsten Ansprüchen genügt. Ihm und dem Bühnen- und Kostümbildner Martin Fischer ist in Kooperation mit dem musikalischen Leiter Laurent Wagner gelungen, eine überzeugende Opernaufführung auf die Bühne zu bringen: sauber erzählt und musikalisch rundum stimmig.

Die Geschichte spielt in einer alten Mühle. In dieser Inszenierung ist sie umgelegt und erinnert im 1. Akt an ein zerfallenes technisches Monstrum mit einem Gewirr an Stiegen und Wegen und an dem sich ständig ein Rad bewegt – das Schicksalsrad?

Leos Janaceks (1854-1928) 1904 in Brünn uraufgeführte Oper „Jenufa“ aus dem mährischen Bauernleben ist kein Unterhaltungsstück über lustiges Bauernleben, sondern ein hartes soziales Drama um Liebe, Verrat, Kindsmord und Vergebung und als solches hat es Kay Kuntze auf die Bühne gebracht. Folkloristisches Beiwerk ist aus der Inszenierung genommen, ohne die Geschichte zu beschädigen. Fast schmerzlich wird das Leid der handelnden Personen innerhalb der dörflichen Gemeinschaft auf die Bühne gebracht. Und das alles mit eigenem sängerischen Personal – bis auf eine Ausnahme – die Küsterin. Beela Müller verkörpert diese schwierige Rolle mit starkem Auftritt und wunderschön gefärbter Sopranstimme. Damit gab sie eine Tragödin antiken Formats.

Ein Glücksfall auch Anne Preuss. Sie zeichnet den Leidensweg der Jenufa fesselnd und anrührend nach, ihr Gebet im 2. Akt wird zum magischen Moment. Mühelos packt sie die Klippen ihrer Partitur und führt ihren wundervollen Sopran durch alle Höhen, verzaubert in den leisen Passagen und singt im Finale mit Hans-Georg Priese so hinreißend, dass allein hierfür der Abend schon lohnt.

Priese und Max An, der kurzfristig in die Altenburger Aufführung wieder einsteigen musste, was ihm noch anzumerken war, zeichnen ein überzeugendes Bild der ungleichen Brüder. Letzterer einen Tunichtgut und alkoholisierten Hallodri, ersterer dagegen einen jungen Mann, der verzweifelt liebt und dieser Liebe stimmlich kräftigen und perfekten Ausdruck gibt. Bemerkenswert Judith Christ als die alte Großmutter Buryja. Wie sie fast omnipräsent auf der Bühne diese Alte stimmlich und in Gestik und Habitus darstellt, war mehr als bemerkenswert. Alle anderen in den kleineren Rollen waren ebenso hochkarätig – Johannes Beck als Altgesell, Kai Wefer als Dorfrichter, Akiho Tsujii als Karolka, Jasmin Dommen sowie Eleonora Vacchi und Anita Rosati vom Thüringer Opernstudio fügen sich gleich gut in die Aufführung ein und waren wie der Chor (Einstudierung Holger Krause), Träger der ausgezeichneten musikalischen Qualität dieser Aufführung.

Chefdirigent Laurent Wagner hat die Hauptverantwortung dafür. Das Philharmonische Orchester spielte unter seiner Leitung so souverän, als würde es Janaceks Musik jeden Tag auf den Pulten haben. Die rhythmisch und harmonisch vielschichtige Partitur meisterten Dirigent und Orchester überzeugend. Da gibt es dramatisch auffahrende Tutti, zarte Streicherteppiche und betörende Bläserkantilenen. Das nicht einfache Konzertmeistersolo der Violine gibt Annegret Knoop auf der Bühne als mystische Erscheinung, schön und souverän gespielt.

Ein musikalisches Ausnahmewerk in einer gelungenen Aufführung. Die Altenburger haben noch zweimal Gelegenheit, diese zu erleben.

Von Manfred Hainich

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