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Die Pleiße braucht mehr Platz

Die Pleiße braucht mehr Platz

"Den Flüssen wieder mehr Fläche geben - Breitwasser statt Hochwasser" heißt eine neue Sonderausstellung im Naturkundemuseum Mauritianum.

Altenburg.

Die Schau zeigt 40 Luftbildern vom Hochwasser der Pleiße und ihrer Zuflüsse im Altenburger Land aus den Jahren 2002 und 2013. Die ungewöhnlichen Ansichten sollen zu neuen Einsichten führen.

 

Der Weimarer Biologe Detlef Stremke hat die beiden Fluten vom Flugzeug aus dokumentiert und dem Museum einige hundert Bilder zur Verfügung gestellt. "Von oben sieht man Zusammenhänge, die sich vom Boden aus nicht erschließen", erklärt der 62-Jährige seine Vorliebe für die Vogelperspektive. Sein Anliegen: gute und schlechte Beispiele von Hochwasserschutz aufzeigen.

 

Negativ fielen ihm beispielsweise Teichdämme bei Windischleuba auf, "die wie ein Keil in die Aue hineinragen und sie dadurch verengen". Die Folge: "Das Wasser fließt an solchen Stellen wie durch ein Nadelöhr."

 

Stremke will zwar den Zeigefinger nicht allzu hoch heben. Trotzdem ist er besorgt über den Umgang mit den Flüssen. Dass in Gößnitz ein Auto-Umschlagplatz mitten in die Fluss-aue gebaut wurde, sei keine glückliche Entscheidung gewesen. In Serbitz liege eine Gartenanlage ebenfalls in unmittelbarer Nähe zum Fluss.

 

"Wenn wir unsere Auen einengen und bepflastern, brauchen wir uns über Hochwasserschäden nicht wundern", meint der Experte. Tendenziell werde dies derzeit aber immer öfter gemacht, hat er beobachtet. Die Entscheidungsträger hätten aus dem Hochwasser 2002 nichts gelernt, kritisiert Stremke. Statt dem Fluss Raum zu verschaffen, werde die Pleiße immer weiter eingeengt.

 

Dabei zeigt der Naturschützer sogar Verständnis dafür, dass man einem Fluss innerorts oft nicht mehr Raum geben kann, sondern sich mit Dämmen schützen muss. Die Hochwassermauer in Treben führt er als gelungenes Beispiel an. Doch langfristig helfe es nicht, nur die Dämme immer höher zu bauen. "Wir werden ein anderes Klima bekommen", ist er überzeugt. Und zwar eines mit Hitzeperioden und Dauerregen - und damit auch häufiger mit Hochwasser. Statt den Schwerpunkt auf "operative Schritte" wie Schutzdämme zu lenken, müsse ein Umdenken stattfinden. Heißt: mehr Überflutungsflächen.

 

Das Problem ist: Vor allem Landwirte hören solche Vorschläge gar nicht gern. "Keiner will Land abgeben", sagt Mike Jessat, Leiter des Mauritianums. "Um jeden Hektar Acker wird gekämpft." Der 45-Jährige hat auch ein Beispiel parat: In Zschernichen hatten Mitarbeiter des Naturkundemuseums Vorschläge ausgearbeitet, wie man eine überschwemmte Ackerfläche wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzen könnte: Entstehen sollten Tümpel, die das Wasser bei einer erneuten Flut aufnehmen würden. "Die Landschaft wirkt dann als natürlicher Schwamm", erklärt Jessat das von der EU geförderte Projekt.

 

Bei der Idee ist es letztlich geblieben, umgesetzt wurden die Vorschläge nicht. Jessat meint: "Der Bauer hat gewonnen." Der Naturschützer glaubt, dass die Landwirtschaftslobby viel zu stark sei, um Veränderungen zuzulassen. Dabei müsste man eigentlich Äcker verkleinern, Deiche rückverlegen und Grünland ausdehnen. "Doch das wird Utopie bleiben", sagt Mike Jessat.

 

Er hofft, dass die Sonderausstellung zum Verständnis beiträgt, dass viele Probleme der Flut hausgemacht sind. Die ersten Reaktionen von Besuchern haben ihn überrascht: "Viele sehen tatsächlich ein, dass den Flüssen wieder mehr Platz gegeben werden muss", hat er festgestellt.

 

Um das Problem zu verdeutlichen, wurde die Schau mit Absicht schlauchförmig angelegt, sodass sich Besucher an engen Stellen begegnen - wie in einem Fluss, der künstlich eingeengt wird. Gewünscht ist außerdem, dass die Exposition wächst. Wer eigene Hochwasserfotos geschossen hat, kann diese gern an die Wände pinnen.

 

iDie Ausstellung "Den Flüssen wieder mehr Fläche geben - Breitwasser statt Hochwasser" ist noch bis April 2014 im Altenburger Mauritianum zu sehen. Das Naturkundemuseum ist dienstags bis freitags von 13 bis 17 Uhr und sonnabends und sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Gina Apitz

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