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Altenburg Die Probleme der Anderen: Report aus der Suchberatungsstelle
Region Altenburg Die Probleme der Anderen: Report aus der Suchberatungsstelle
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20:08 09.08.2012

Von Jenifer Hochhaus

"Wozu soll ich in die Beratung kommen? Das Problem hat mein Partner." Sätze, die Martin Woratz schon hunderte Male gehört hat. Der Leiter der Suchtberatungsstelle kennt die Ängste der Angehörigen, offen über die Suchtkrankheit in der eigenen Familie zu sprechen und sich beraten zu lassen.

"Das Problembewusstsein ist da, aber die Angehörigen sehen oft nicht, dass auch sie selbst Hilfe brauchen." Dabei sei eine Suchtkrankheit eine Familienkrankheit, also auch ein Symptom für kranke Familienbeziehungen, so Woratz. Deshalb legt seine Beratungsstelle seit vergangenem Jahr vermehrt Wert darauf, auch Partner oder Eltern von Süchtigen anzusprechen und ihnen bei Problemen zu helfen.

Erste Erfolge für den neuen Arbeitsschwerpunkt kann die Beratungsstelle bereits vermelden: Lag die Zahl der Einzelgespräche mit Angehörigen 2010 noch bei 42, ist sie im vergangenen Jahr auf 149 angestiegen. "Allerdings reicht ein Gespräch nicht aus", erklärt Woratz. "Beratung hat mit eigener Veränderung zu tun, und das dauert seine Zeit."

Deshalb ist für ihn wichtig, auch die Zahl der Beratungsprozesse mit Angehörigen anzuheben. Als Beratungsprozess gilt in der internen Statistik, wenn zwei oder mehr Einzelgespräche stattgefunden haben. Aber von 346 Beratungsprozessen, die die Stelle im vergangenen Jahr begleitet hat, waren lediglich elf Angehörigenberatungen.

Der Bedarf, dass Angehörige von Suchtkranken sich helfen lassen, sei da, so der Leiter. "Aber Angehörige wagen den Schritt zur Beratung oft nicht. Sie haben mit Gefühlen, wie Scham, Wut, Trauer, Resignation und Hoffnungslosigkeit zu kämpfen. Und es fällt ihnen schwer, mit Fremden darüber zu reden."

Wer will, kann sich deshalb auch zunächst in der Beratungsstelle selbst in Fachliteratur einlesen. Oder an den Treffen der Selbsthilfegruppe für Angehörige von Suchtkranken teilnehmen. "In der können sie sich ihre Probleme von der Seele reden", sagt Woratz. Sich auszutauschen und zu sehen, dass andere ähnliche Schwierigkeiten haben, sei häufig eine Hilfe.

Ein Angehöriger, der anonym bleiben möchte, bestätigt das: "In der Selbsthilfegruppe wird das Gefühl vermittelt, mit diesem Problem nicht alleingelassen zu sein. Schon die freundschaftliche Atmosphäre, der lockere Umgang miteinander, verspricht für diesen Augenblick eine Linderung des Bedrückenden." Auch dass sind Sätze, die Martin Woratz kennt, auch wenn er sie nicht so oft hört wie die anderen.

Die Suchtberatungsstelle, Zeitzer Straße 14, % 03447 313448, hat Dienstag 15 bis 18 Uhr, Donnerstag 9 bis 12 sowie 14 bis 17 Uhr geöffnet. Termine können auch zu anderen Zeiten vereinbart werden. Die Selbsthilfegruppe für Angehörige von Suchtkranken trifft sich jeden ersten und dritten Montag im Monat, jeweils 18 Uhr in der Zeitzer Straße, % 03447 375445.

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