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„Die Schutzlosen“ erlebt am Altenburg-Geraer Theater eine Neuauflage

Schauspieldirektor Bernhard Stengele im Interview „Die Schutzlosen“ erlebt am Altenburg-Geraer Theater eine Neuauflage

Sie war einer Umfrage der Thüringischen Landeszeitung zufolge das Stück des Jahres im Freistaat – die Schauspielproduktion „Die Schutzlosen. Les Zéros-Morts“ des Altenburg-Geraer Theaters. Jetzt wird die Tragödie zum Thema Asyl  in einer aktualisierten Fassung  auf die Bühne gebracht. Wir sprachen vor der Premiere mit Regisseur und Autor Bernhard Stengele.

Szene aus der Erstfassung des Stücks aus dem Jahr 2014.

Quelle: Jens Paul Taubert

Altenburg. Sie war einer Umfrage der Thüringischen Landeszeitung zufolge das Stück des Jahres im Freistaat. Sie sorgte sogar bundesweit mit einer Berichterstattung in den ARD-Tagesthemen für Furore – die Schauspielproduktion „Die Schutzlosen. Les Zéros-Morts“ des Altenburg-Geraer Theaters. Jetzt wird die Tragödie, die sich zu großen Teilen mit Praktiken des Dokumentartheaters mit dem Thema Asyl beschäftigt, in einer aktualisierten Fassung  auf die Bühne gebracht. Sie trägt den Titel „Die Schutzlosen 2015“. Wir sprachen vor der Premiere am Sonnabend mit Regisseur und Autor, Schauspieldirektor Bernhard Stengele, über die Beweggründe.

Schauspieldirektor Bernhard Stengele spricht im Interview über die Produktion „Die Schutzlosen. Les Zéros-Morts“.

Schauspieldirektor Bernhard Stengele spricht im Interview über die Produktion „Die Schutzlosen. Les Zéros-Morts“.

Quelle: dpa

War es von vornherein geplant, das Stück wieder auf den Spielplan zu setzen oder sahen Sie sich durch  die aktuelle Entwicklung einfach dazu veranlasst?

Ich wollte auf jeden Fall, dass wir es noch einmal machen. Geplant war eigentlich, das Stück im Dezember im Thüringer Landtag zu zeigen. Doch das hat sich inzwischen aufgrund von organisatorischen Schwierigkeiten  erst einmal zerschlagen. Doch egal, ob im Landtag oder auf der Bühne: Mir war klar, dass wir dafür nicht einfach die Fassung von 2014 nehmen können.

Die Ereignisse in der Asylkrise überschlagen sich förmlich. War es schwer, hier eine möglichst aktuelle Fassung zu finden?

Bis vor zwei Wochen habe ich mich geweigert, überhaupt irgendetwas zum Stück zu machen. Aus gutem Grund, weil die Sache ja derart galoppiert, dass man kaum hinterher kommt. Trotzdem war klar, dass wir das Stück nicht komplett umschreiben können. Wir machen auf der Basis der Lampedusa-Geschichte weiter, wollen aber die aktuelle Situation in Deutschland stärker thematisieren. Vor einem Jahr ging es ja mit Pegida gerade erst richtig los. Das ist jetzt gewichtiger geworden. Außerdem haben wir mit Katerina Papandreou eine griechische Schauspielerin im Ensemble, die sehr schmerzlich die Situation vor den Küsten Griechenlands erlebt hat. Ebenso hat die Haltung der Bundeskanzlerin eine erstaunliche Wendung erfahren. Auch das findet Berücksichtigung.

Das Stück, das in Kooperation mit dem Carrefour International Théâtre de Ouagadougou aus Burkina Faso entstand, wurde Anfang des Jahres auch auf der dortigen Bühne gezeigt. Wie wurde es in Afrika aufgenommen?

Die Leute waren sehr interessiert, weil sie das Bild, was wir darin von Europa zeichnen, so nicht kannten. Ich glaube, sie sind sich der Schärfe und Gefährlichkeit der Situation überhaupt nicht bewusst. Viele glauben Verheißungen, wonach jeder Flüchtling in Deutschland eine kleine Villa geschenkt bekommt.

Die schwierige, oft tragische Situation der Flüchtlinge ist das eine. Inzwischen machen sich aber auch viele Deutsche ernsthaft Sorgen, wie das alles bewältigt werden kann. Die Stimmung hat sich sehr verändert.

Und wir reagieren darauf, nicht nur in der aktualisierten Fassung des Stücks. Nach jeder Aufführung gibt es ein moderiertes Nachgespräch. Und wir laden am 16. Dezember, 19.30 Uhr, unter dem Motto „Was hat der Flüchtling mit meiner Rente zu tun?“ zu einem besonderen Abend ein. Das Hauptaugenmerk liegt hier auf der politischen und sozialen Situation vor Ort. Es ist  ein interaktiver Theaterabend, wo wir auch Szenen zum Thema Flucht spielen werden, aber wir wollen vor allem  diskutieren. Denn wir werden die Fragen der Bürger tatsächlich ernst nehmen, nicht für Propaganda missbrauchen und versuchen, ihnen immer auch humorvoll Antworten zu geben. Nicht jeder, der eine Frage hat, darf gleich in die rechte Ecke gestellt werden  Landrätin Michaele Sojka habt ihr Kommen als Gesprächspartnerin schon zugesagt. Wer noch dabei ist, darüber werden wir rechtzeitig in einer Pressemitteilung informieren. Mit einem Eintritt von fünf Euro ist der Abend zudem für jeden erschwinglich.

Interview: Ellen Paul

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