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"Die Situation spitzt sich zu"

"Die Situation spitzt sich zu"

Zwischen Anwohnern und Asylbewerbern in einem gegenüberliegenden Wohnblock An der Glashütte in in Altenburg-Nord verschärfen sich die Spannungen. Anlass sind Lärmbelästigungen und die Verschmutzung der Grünflächen, angeblich verursacht durch die Flüchtlinge.

"Bis vor einem dreiviertel Jahr war dies die schönste und ruhigste Straße in Nord", sagt ein Anwohner. Die Zeiten seien vorbei. Jetzt ärgern sich beinahe alle Bewohner von sieben Aufgängen in den Sechs-Geschossern über die neuen Mieter gegenüber. Von Nachmittag an bis weit nach 22 Uhr, oft bis Mitternacht, käme es dort zu starker Lärmbelästigung, vor allem durch Fußball- oder Volleyballspiele, aber auch durch laute Unterhaltung bis zu Schreiereien. Die Bälle würden oft an die parkenden Fahrzeuge der Mieter geschossen. Die Wiese zwischen den Blocks sei stark vermüllt, bei Wind würde der Abfall durch die Gegend geweht. "Dies stellt eine absolute Einschränkung unserer Lebensqualität dar", heißt es in einer Unterschriftensammlung vom 11. Juli, die von fast allen Mietern der sieben Eingänge unterzeichnet und an das Ordnungsamt der Altenburger Stadtverwaltung und das Landratsamt geschickt wurde. Antworten gab es bislang keine, erfuhr OVZ von den Anwohnern. Auch die Polizei sei schon oft gerufen worden und mitunter, aber längst nicht jedes Mal, gekommen, hieß es.

 

Die betreffenden Wohnungen An der Glashütte hat der Landkreis von der Opus One Vermögensverwaltung Berlin, dem Besitzer der Blöcke, angemietet, um ausländische Flüchtlinge unterzubringen. Die Asylsuchenden stammen vorwiegend aus Afghanistan, Syrien und Russland, heißt es in einer Antwort des Landratsamtes auf eine Anfrage der OVZ.

 

Die etwa 45 Flüchtlinge sind in 18 Wohnungen auf fünf Etagen in einem einzigen Aufgang untergebracht. Drei Wohnungen des gleichen Treppenaufgangs sind an Einheimische vermietet.

 

Das Landratsamt räumt ein, die Beschwerden zu kennen, allerdings nur jene über Lärm. Der Landkreis hat aufgrund der steigenden Zugänge an Asylbewerbern zum 1. Juli einen weiteren Sozialarbeiter eingestellt, womit die Betreuung in den Unterkünften intensiviert werden soll. Schwerpunkt sei, das gegenseitige Verständnis und den rücksichtsvollen Umgang untereinander zu fördern. Bei Lärm oder Straftaten, wie zum Beispiel Sachbeschädigung, müsse entweder die Stadt Altenburg oder die Polizei informiert werden, heißt es.

 

Eine solche Herangehensweise ist der SPD-Kreistagsfraktion offenbar zu wenig. "Wie Ihnen bekannt sein dürfte, spitzt sich derzeit im Altenburger Wohngebiet Nord die Situation zu", heißt es in einem Schreiben von Fraktionschef Dirk Schwerd an Michaele Sojka (Linke) von dieser Woche. Darin wird die Landrätin gebeten, schnellstmöglich einen Runden Tisch einzuberufen, um die Situation zu entschärfen. An diesem sollten der Vermieter sowie Vertreter des Landratsamtes, der Anwohner und der Asylbewerber teilnehmen. Aus Sicht der SPD-Kreistagsfraktion sei es problematisch, wenn teilweise traumatisierten Flüchtlingen Wohnraum in einer Gegend bereitgestellt wird, in der es immer wieder zu Drogen- und Gewalt-Vorfällen käme. Schwerd spricht von einer scheinbar unzureichenden sozialen Begleitung der Asylsuchenden, noch dazu in einem Gebiet, dessen soziale Lage als angespannt betrachtet werden könne. Zukünftig sollte die auch von der SPD geforderte dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge nicht darin bestehen, Wohnungen nur in einem Treppenaufgang bereitzustellen. Geeigneter seien einzelne Wohneinheiten in unterschiedlichen Wohngebieten und in verschiedenen Städten des Kreises, in denen Gesellschaften Wohnraum anbieten.

 

Die Landrätin wollte die Problematik An der Glashütte und die Behauptungen der SPD-Kreistagsfraktion offiziell nicht bestätigen und dazu auch kein Statement abgeben. "Der Runde Tisch sollte aber zusammenkommen", sagte sie der OVZ auf Anfrage.

 

© Kommentar.

Jens Rosenkranz

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