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Die Spargelsaison im Altenburger Land hat begonnen

Es spargelt wieder! Die Spargelsaison im Altenburger Land hat begonnen

Die Spargelsaison hat begonnen – doch der Fröstel-Frühling macht den Bauern Sorgen. Sind Bodenheizungen die Rettung? Woher kommen die Erntehelfer? Und was kostet der Spargel in diesem Jahr? Ein Report von den Feldern rings um Leipzig.

Spargelernte im Altenburger Land in Gimmel bei Thomas Sießmeir.
 

Quelle: Mario Jahn

Altenburger Land/Döbeln.  So richtig glücklich ist Landwirt Andreas Schertenleib derzeit noch nicht mit der Witterung. Der einzige Spargelbauer im Landkreis Mittelsachsen mit sechs Hektar Anbaufläche rund um Schmorren (Gemeinde Ostrau bei Döbeln) macht das Schaltjahr für die demnächst wieder aufziehende Kälte verantwortlich. „In den Schaltjahren spielt das Wetter immer verrückt. Es gibt zu viel Wind, es ist zu kalt und dann wieder Regen. Da wird nichts fertig, nichts wächst richtig“, hadert er mit Blick auf den Wetterbericht.

Erntehelfer Beniamin-Sebastian aus Rumänien beim Spargelstechen auf dem Feld von Landwirt Andreas Schertenleib

Erntehelfer Beniamin-Sebastian aus Rumänien beim Spargelstechen auf dem Feld von Landwirt Andreas Schertenleib.

Quelle: Sven Bartsch

Am Freitag erst haben seine sieben rumänischen Saisonarbeiter mit dem Stechen der ersten Spargelköpfe begonnen. Schnell konnte Andreas Schertenleib die Hälfte von ihnen zur Bepflanzung eines anderen Feldes abziehen, wo der Spargel die nächsten beiden Jahre reifen muss, bevor er erstmals geerntet werden kann. Mehr als zehn bis 15 Kilo des „weißen Feldgoldes“ waren am ersten Erntetag noch nicht drin.

90 Prozent des Spargels wächst auf Sandboden

Das liegt einerseits an den kühlen Temperaturen – 20 Grad und Sonne wären für Andreas Schertenleib Wunschwetter –, andererseits aber auch am schweren Lehmboden, auf dem der 56-Jährige anbaut. Hier braucht der Spargel länger, soll aber dafür besser schmecken. „Der Boden ist eine Frage der Philosophie. 90 Prozent des Spargels wird in Sandboden angebaut. Der ist leichter zu bewirtschaften als Lehm und der Spargel wächst bei guten Bedingungen in Stunden. Dafür schmeckt dann alles gleich, weil der Sand dem Spargel nicht alle Nährstoffe gibt“, sagt Schertenleib. Der Lehmboden dagegen sei reichhaltiger, speichere das Wasser besser und sei einfacher auf biologische Weise zu führen, da er keine so hohe Nährstoffzufuhr von außen benötige.

Noch ist es ruhig auf dem Schertenleib-Hof in Pulsitz, nur rund 500 Meter von den Feldern entfernt, wo Elfi Schertenleib schon alles für den Verkaufsstart vorbereitet hat. Ab Montag soll der Hofladen mit dem ersten frischen Spargel öffnen. Schon seit zwei Wochen vertröstet sie immer wieder Kunden, dabei ist der Saisonstart Ende April ein ganz normaler.

Am 24. Juni endet die Spargelsaison

Seither hat sich der Betrieb stetig weiterentwickelt, werden auch Mais, Weizen, Zwiebeln und Kartoffeln angebaut. Spargel spielte zu Beginn bei den Döbelnern gar keine Rolle. „Da haben wir Pionierarbeit geleistet. Es kam oft das Argument, wir essen eher Schwarzwurzel“, erinnert sich Elfi Schertenleib. Inzwischen lieben die Döbelner den Pulsitzer Spargel, der überall im Altkreis, aber auch in Freiberg, Chemnitz, Leipzig und Dresden zu haben ist.

Die Kartoffeln sind verpackt, der frische Spargel liegt ab Montag bei Elfi Schertenleib in Pulsitz bei Döbeln in den Regalen

Die Kartoffeln sind verpackt, der frische Spargel liegt ab Montag bei Elfi Schertenleib in Pulsitz bei Döbeln in den Regalen.

Quelle: Sven Bartsch

22 bis 25 Zentimeter hat die ideale Spargelstange, meint die 52-Jährige. Holzige Enden gebe es bei den Stendaler Züchtungen, die auf Schertenleibs Felder kommen, nicht mehr. „Wer ein sehniges Ende hat, hat vielleicht nicht sorgfältig geschält. Man darf den Spargel auch nicht zu lange kochen, sonst fühlt es sich faserig an. Bissfest reicht völlig“, so die Fachfrau.

Am Johannistag am 24. Juni endet traditionell die Spargelsaison. Bis dahin wollen Schertenleibs wie bisher jedes Jahr die gesamte Ernte verkauft haben. Dafür kommt sogar extra Tochter Alexandra aus Worms für vier Wochen nach Hause, um zu helfen. Sie oder ihr Bruder Matthias sollen den Hof einmal weiterführen. Der Enthusiasmus für den Spargel ist in der Familie jedenfalls gegeben.

Spargelernte im Altenburger Land in Gimmel bei Thomas Sießmeir

Spargelernte im Altenburger Land in Gimmel bei Thomas Sießmeir.

Quelle: Mario Jahn

Altenburger Land: Preise bleiben stabil

Für Spargelbauer Thomas Sießmeir aus Gimmel im Altenburger Land läuft die Spargelernte in diesem Jahr langsam an. „Wegen des unbeständigen, kühlen Wetters haben wir erst am 8. April – also später als sonst mit dem Ernten begonnen.“ Auch die Erntemenge fällt deshalb bislang noch nicht üppig aus. Über Ernteausfälle wegen extremer Dürre oder viel Nieder- oder Hagelschlag wie im Vorjahr kann der Landwirt aber nicht klagen. Die späte Ernte werde sich zudem „nicht auf den Preis auswirken“, sagt Sießmeir. Er erwartet in den kommenden drei Monaten Erntezeit höhere Temperaturen, was den schleppenden Ertrag am Anfang wieder ausgleichen werde. Auch der Mindestlohn macht dem Bauern keinen Strich durch die Rechnung. Er zahlt seinen Saisonkräften bereits jetzt neun bis elf Euro, um diese zu mehr Leistung anzuspornen. Nach einer Preiserhöhung um 50 Cent im Vorjahr, steigen bei ihm die Preise nicht. Der Preis pro Kilo Spargel liegt nun je nach Sortierung zwischen 7 und 12 Euro.

Hier gibt es den Spargel

Landwirtschaftsbetrieb Sießmeier (Altenburger Land) mit Hofläden in Gimmel (Mohliser Weg 6) und in Zschöpel (Nitzschkaer Straße 4), Öffnungszeiten: Montag bis Sonnabend von 8 bis 18 Uhr, sonntags von 8 bis 12 Uhr, 39 Verkaufsstände zwischen Altenburg und der Grenze zu Tschechien

Von Sebastian Fink und Oliver Tim Becker

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