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Die Tradition des Prinzenraubs lebt fort

Die Tradition des Prinzenraubs lebt fort

Nun ist der Altenburger Prinzenraub doch wieder aufgetaucht. Und nicht etwa abseits am Rande von Teehauswiesen und Schlosspark wie im vergangenen Jahr, sondern dort, wo er hingehört: im Schlosshof.

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Förderverein "Altenburger Prinzenraub" e.V. zeigt im Residenzschloss Altenburg unterhalb des Hausmannsturmes "Kauffungens Fehde" - hier geht Marion Hermsdorf auf Publikumskontakt

Quelle: Jens Paul Taubert

Die Mitglieder des Fördervereins Altenburger Prinzenraub und Bewahrer der Prinzenraubtradition haben schon Recht: Die Tradition ist nicht gestorben. Die erfolgreichen Festspiele in sieben Jahren sind so tief ins Bewusstsein der Altenburger eingedrungen, dass sie nun zu dieser Stadt gehören werden wie der Skat und so manches andere. Das bewiesen die rund 400 Zuschauer bei den beiden Aufführungen am vergangenem Sonnabend. Dieser Publikumszuspruch ist sensationell und ergab eine prächtige Kulisse im Schlosshof ganz oben vor dem Hausmannsturm bei günstigen Witterungsbedingungen.

 

Die Mitglieder des Vereins hatten alles aufs Feinste vorbereitet. Die Eintrittskarten gereichten in Größe und Gestaltung jedem Festival zur Ehre und bilden für Sammler ein besonderes Kleinod. Der Gastronomiebereich neben dem Prinzenpalais bot mehr Vornehmheit als jeder sonstige Biergarten und die ganze Veranstaltung atmete Solidität. Das war einschließlich des Zuschauerareals und der Spielfläche der bestmögliche Rahmen für das Stück "Kaufungens Fehde - der Prinzenraub zu Altenburg" des jungen Autors und Regisseurs Markus Ditz.

 

Er hat im Vergleich zu der Text-Fassung des vergangenen Jahres etwas verändert und Erweiterungen vorgenommen. Dies betrifft Balthasar, der nach der Tötung seiner Frau durch Kriegsschergen über den Sinn seines eigenen Weiterlebens nachdenkt. Er wird zum Räuber, tötet im Affekt den Küchenjungen Schwalbe, nimmt mit seiner Bande Kunz von Kaufungen mit dem Prinzen Albrecht fest und übergibt sie dem Kurfürsten.

 

Und die Änderungen betreffen die Einführung des erstgeborenen Sohnes des Kurfürstenehepaares, Prinz Frederick, in die Handlung, der als Kind kränkelte und zeitig gestorben war. Die Trauer um das Kind wird zur existenziellen Erfahrung für die Eltern. Die Kurfürstin geht in ihrer Trauer auf, der Kurfürst kann nicht trauern, er hat Staatsdienste zu leisten. "Du bist nicht fähig zu lieben, Friedrich!", wirft sie ihm vor. Damit beginnt die Entzweiung des Paares und die Hinwendung der Kurfürstin zum Kanzler Haugwitz, der sie auffängt. Das ist wesentlich sinnfälliger motiviert als in der Fassung vom vergangenen Jahr.

 

Der Rest ist geblieben. Es ist ein Stück aus historisch belegten Fakten und fiktiven Teilen. Das Spiel bringt eine überhöhte satirische Sichtweise auf die Geschichte und persifliert eher bestimmte Ereignisse, als dass es sie ernst nimmt. Die Inszenierung auch, die sich dabei nicht scheut, manches in die Nähe zur Klamotte zu bringen.

 

Seit Februar wurde wöchentlich fleißig gearbeitet. Die Hauptrollen der beiden Brüderpaare, des Kanzlers und des Küchenjungen Schwalbe mussten neu besetzt werden. Dieses frische Schauspielblut war für die Inszenierung nicht von Nachteil.

 

Dennoch lief das Stück etwas zäh an - im Vergleich zum vergangenen Jahr, von dem ein flüssigerer Ablauf noch in Erinnerung blieb. Die neue Spielstätte hatte zwar Vorteile wie die örtliche Originalität und Auftrittsmöglichkeiten aus vier Richtungen, aber auch Nachteile. So waren die Auftrittswege länger und mehrere Darstellergruppen ließen sich nur schwer zusammenführen. Das musste sich erst einlaufen.

 

Die Aufführung lebte von dem Engagement und der Spielfreude von über 30 Spielern und den Helfern im Backstagebereich hinter dem Turm, vom guten Sprechen und der Textverständlichkeit fast aller, von den schönen zeitgemäßen Kostümen aus dem Prinzenraubfundus der Stadt, von wunderschöner Bühnenmusik mit Barockklängen und deutsch- und englischsprachigen Songs (Technik Holger Hainich). Allerdings war ein Nachteil, dass die Musik mit Gesang auch unter den Text der Agierenden gelegt wurde.

 

Martin Scherm gab dem Handlungsplatz mittelalterliches Gepräge und Markus Ditz eben der Aufführung den Text und die Handlung. Und das Publikum gab allen Mitwirkenden Beifall über Beifall und teilweise Standing Ovations. Der Gaukler hatte am Ende für alle Verantwortlichen eine Belehrung parat: "Diese Stadt ist zu vielem fähig, wenn sie nur ihre Kräfte bündelt."

Manfred Hainich

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