Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Die Tradition des Prinzenraubs lebt fort
Region Altenburg Die Tradition des Prinzenraubs lebt fort
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:50 14.07.2014
Förderverein "Altenburger Prinzenraub" e.V. zeigt im Residenzschloss Altenburg unterhalb des Hausmannsturmes "Kauffungens Fehde" - hier geht Marion Hermsdorf auf Publikumskontakt Quelle: Jens Paul Taubert

Die Mitglieder des Fördervereins Altenburger Prinzenraub und Bewahrer der Prinzenraubtradition haben schon Recht: Die Tradition ist nicht gestorben. Die erfolgreichen Festspiele in sieben Jahren sind so tief ins Bewusstsein der Altenburger eingedrungen, dass sie nun zu dieser Stadt gehören werden wie der Skat und so manches andere. Das bewiesen die rund 400 Zuschauer bei den beiden Aufführungen am vergangenem Sonnabend. Dieser Publikumszuspruch ist sensationell und ergab eine prächtige Kulisse im Schlosshof ganz oben vor dem Hausmannsturm bei günstigen Witterungsbedingungen.

Die Mitglieder des Vereins hatten alles aufs Feinste vorbereitet. Die Eintrittskarten gereichten in Größe und Gestaltung jedem Festival zur Ehre und bilden für Sammler ein besonderes Kleinod. Der Gastronomiebereich neben dem Prinzenpalais bot mehr Vornehmheit als jeder sonstige Biergarten und die ganze Veranstaltung atmete Solidität. Das war einschließlich des Zuschauerareals und der Spielfläche der bestmögliche Rahmen für das Stück "Kaufungens Fehde - der Prinzenraub zu Altenburg" des jungen Autors und Regisseurs Markus Ditz.

Er hat im Vergleich zu der Text-Fassung des vergangenen Jahres etwas verändert und Erweiterungen vorgenommen. Dies betrifft Balthasar, der nach der Tötung seiner Frau durch Kriegsschergen über den Sinn seines eigenen Weiterlebens nachdenkt. Er wird zum Räuber, tötet im Affekt den Küchenjungen Schwalbe, nimmt mit seiner Bande Kunz von Kaufungen mit dem Prinzen Albrecht fest und übergibt sie dem Kurfürsten.

Und die Änderungen betreffen die Einführung des erstgeborenen Sohnes des Kurfürstenehepaares, Prinz Frederick, in die Handlung, der als Kind kränkelte und zeitig gestorben war. Die Trauer um das Kind wird zur existenziellen Erfahrung für die Eltern. Die Kurfürstin geht in ihrer Trauer auf, der Kurfürst kann nicht trauern, er hat Staatsdienste zu leisten. "Du bist nicht fähig zu lieben, Friedrich!", wirft sie ihm vor. Damit beginnt die Entzweiung des Paares und die Hinwendung der Kurfürstin zum Kanzler Haugwitz, der sie auffängt. Das ist wesentlich sinnfälliger motiviert als in der Fassung vom vergangenen Jahr.

Der Rest ist geblieben. Es ist ein Stück aus historisch belegten Fakten und fiktiven Teilen. Das Spiel bringt eine überhöhte satirische Sichtweise auf die Geschichte und persifliert eher bestimmte Ereignisse, als dass es sie ernst nimmt. Die Inszenierung auch, die sich dabei nicht scheut, manches in die Nähe zur Klamotte zu bringen.

Seit Februar wurde wöchentlich fleißig gearbeitet. Die Hauptrollen der beiden Brüderpaare, des Kanzlers und des Küchenjungen Schwalbe mussten neu besetzt werden. Dieses frische Schauspielblut war für die Inszenierung nicht von Nachteil.

Dennoch lief das Stück etwas zäh an - im Vergleich zum vergangenen Jahr, von dem ein flüssigerer Ablauf noch in Erinnerung blieb. Die neue Spielstätte hatte zwar Vorteile wie die örtliche Originalität und Auftrittsmöglichkeiten aus vier Richtungen, aber auch Nachteile. So waren die Auftrittswege länger und mehrere Darstellergruppen ließen sich nur schwer zusammenführen. Das musste sich erst einlaufen.

Die Aufführung lebte von dem Engagement und der Spielfreude von über 30 Spielern und den Helfern im Backstagebereich hinter dem Turm, vom guten Sprechen und der Textverständlichkeit fast aller, von den schönen zeitgemäßen Kostümen aus dem Prinzenraubfundus der Stadt, von wunderschöner Bühnenmusik mit Barockklängen und deutsch- und englischsprachigen Songs (Technik Holger Hainich). Allerdings war ein Nachteil, dass die Musik mit Gesang auch unter den Text der Agierenden gelegt wurde.

Martin Scherm gab dem Handlungsplatz mittelalterliches Gepräge und Markus Ditz eben der Aufführung den Text und die Handlung. Und das Publikum gab allen Mitwirkenden Beifall über Beifall und teilweise Standing Ovations. Der Gaukler hatte am Ende für alle Verantwortlichen eine Belehrung parat: "Diese Stadt ist zu vielem fähig, wenn sie nur ihre Kräfte bündelt."

Manfred Hainich

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bei den Testspielen am Wochenende war bei einigen Mannschaften der Region noch mächtig Sand im Getriebe. Die zweite Mannschaft des ZFC Meuselwitz sowie der FSV Meuselwitz verloren ihre Partien gegen höherklassige Gegner, der FC Altenburg kam bei seinem ersten Vorbereitungsspiel nicht über ein Remis beim SV Blau-Weiß Auma aus der Kreisliga hinaus.

14.07.2014

Es ist inzwischen zu einer festen Größe im sommerlichen Veranstaltungskalender geworden - das Altenburger Musikfestival. Vom 7. bis 17. August steht die mittlerweile 24. Auflage ins Haus und damit jede Menge musikalischer Leckerbissen.

11.07.2014

Die Besucherzahlen der Spalatin-Ausstellung im Altenburger Schloss liegen deutlich unter den Erwartungen. Das war von der Stadtverwaltung vor Wochenfrist auf einer Pressekonferenz eingeräumt worden (OVZ berichtete).

11.07.2014
Anzeige