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Altenburg Die allerletzten Zeugnisse im Förderzentrum Meuselwitz
Region Altenburg Die allerletzten Zeugnisse im Förderzentrum Meuselwitz
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18:41 20.07.2012

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Von Marlies Neumann

Wohin man in der Schule schaut, überall herrscht Abschiedsstimmung. Bücherstapel, Möbel und Kisten - auf allen kleben Zettel, auf denen geschrieben steht, wo die Sachen hinkommen. Förderzentrum Altenburg ist die Adresse, die am häufigsten zu lesen ist. An dieser Einrichtung werden ab dem kommenden Schuljahr die meisten der Meuselwitzer Förderschüler unterrichtet. Und zehn der 14 Lehrer begleiten ihre Schützlinge dahin.

In dem ganzen Chaos sind gestern morgen die größeren Schüler zusammen mit Lehrern und sonderpädagogischen Fachkräften eifrig damit beschäftigt, Tische und Stühle auf den Hof zu schleppen. Schulleiterin Gisela Jähnel, die 30 Jahre an der Einrichtung tätig war, klärt auf: "Wir bauen eine lange Frühstückstafel auf, an der alle Lehrer und Schüler heute noch einmal gemeinsam sitzen und essen werden."

Der 58-Jährigen stehen dabei die Tränen in den Augen. "Ich wäre heute am liebsten gar nicht in die Schule gegangen. Denn Emotionen schlagen am letzten Tag im Schuljahr immer hoch und heute erst recht", gesteht sie in ihrem Büro. Die Schränke sind leer geräumt und es stapeln sich Kisten mit Erinnerungen aus drei Jahrzehnten ihrer Tätigkeit an der Bildungseinrichtung.

In einer der Kisten liegen dicke Aktenordner mit zum Teil vergilbten Blättern und Fotos. Das sind Zeugnisse der langjährigen Hilfs- und Förderschulgeschichte in Meuselwitz. "Die Chroniken, Niederschriften von Dienstberatungen und Dokumente von Höhepunkten, das alles übergeben wir der Stadt Meuselwitz fürs Archiv. Immerhin waren wir über viele Jahrzehnte ein Teil von Meuselwitz", betont sie. Bereits 1912 habe es in der Stadt besondere Klassen für Kinder mit Lernproblemen gegeben. Die erste eigenständige Hilfsschule sei dann 1969 eröffnet worden. Die befand sich in der ehemaligen Gaststätte Deutsches Haus. Der Umzug an den Standort, der nun für immer geschlossen wird, erfolgte 1981. Und hier erlebten Schüler und Lehrer vor allem nach der Wende turbulente Zeiten, erinnert sich die Schulleiterin. Das Gebäude, das dem Landkreis gehört, steht nun zum Verkauf.

Für sie geht es wie für alle ihre Kollegen ab September an einer anderen Bildungseinrichtung weiter. Sie übernimmt an der Regenbogenschule in Altenburg den Posten der stellvertretenden Schulleiterin. Ihre alte Wirkungsstätte wird sie aber nie vergessen. "Es ist schon ein komisches Gefühl und macht traurig, dass nach so vielen Jahren hier Schluss ist", sagt sie. Wegen sinkender Schülerzahlen hatte der Kreistag im September des vergangenen Jahres die Schließung der Schule beschlossen. "Aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten müssen wir diese Entscheidung akzeptieren.

Die rund 30 Förderschüler, die künftig in Altenburg zur Schule gehen, haben mit ihren Lehrern den Schulweg per Bus bereits erkundet und auch die neue Schule besucht. "Das wird für einige eine große Umstellung, denn der Tag wird lang", meint die erfahrene Pädagogin, die weiß, dass die Mädchen und Jungen im Förderzentrum Erich Kästner gut aufgenommen werden.

Die Schüler der 10. Klasse sind gestern die letzten Förderschüler, die in Meuselwitz ein Abschlusszeugnis bekommen. Sie haben wie alle anderen als Erinnerung eine CD und ein Foto von ihrer Schule erhalten.

Nach der Zeugnisausgabe hat der Lehrkörper noch mit ehemaligen Kollegen zusammengesessen. Und am Nachmittag hat Gisela Jähnel dann mit Wehmut und Trauen zum letzten Mal das Licht ausgeknipst.

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