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Altenburg Die geheime Umleitung durch Ziegelheim
Region Altenburg Die geheime Umleitung durch Ziegelheim
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08:05 14.03.2018
Holger Berger zeigt auf den Belag des Kirchbergs, der ein halbes Jahr dem Verkehr standhalten soll. Quelle: Jörg Reuter
Ziegelheim

Es sei keinen Zeitungsartikel wert, fand Ziegelheims Bürgermeister Mario Rohr (CDU) Anfang der Woche. Wenn im Ort Umleitungsschilder bei den Brückenbaustellen in Ziegelheim fehlen, werden sie aufgestellt. Er kümmere sich. Doch so einfach scheint es nicht zu sein, denn wie Rohr vor zwei Tagen sagte, habe ihm die Polizei erklärt: Es sei alles okay.

Diese Antwort kennt auch Holger Berger – und genau deswegen hat er sich enttäuscht und sauer an die OVZ gewandt, um seinem Ärger Luft zu machen. Denn für Ortsunkundige ist es kaum möglich sein Zuhause anzufahren. „Ich habe bei der VG angerufen. Dort wurde mir gesagt, die Polizei ist zuständig. Daraufhin habe ich von der Polizei erfahren, dass natürlich nicht sie, sondern die Verwaltung verantwortlich ist. Dann habe ich gedacht, ich komme im Landratsamt weiter, aber von da habe nicht nur erfahren, dass nach Aktenlage alles in Ordnung ist“, berichte der selbstständige Geschäftsmann. Das könne alles nicht war sein, schimpft er. Woran sich der Ziegelheimer so stört, ist das Fehlen jeglicher Ausschilderung einer Umleitung im Ort. Und er regt sich darüber auf, dass ihm offensichtlich nirgends geholfen wird.

Seit August werden in Ziegelheim die vier Brücken über den Dorfbach saniert, was auch noch ein halbes Jahr weiter geht. Von vornherein war klar, dass die Reparatur der beim Hochwasser 2013 in Mitleidenschaft gezogenen Übergänge mit erheblichen Beeinträchtigungen für die Anwohner verbunden ist. Denn die vier Brücken sind mehr oder weniger die einzigen Zugänge zum historischen Oberdorf nahe der Kirche. Eine der Brücken muss deshalb stets offen bleiben. „Aber es ist eben für die Ortsunkundigen nicht ausgeschildert, welche“, nennt Berger das erste Problem, an dem beispielsweise Paketdienste scheitern.

Diese haben Berger erst richtig auf das Problem aufmerksam gemacht. Denn sie mussten mehrfach anrufen und nach dem Weg fragen. Dabei ist es erst der Anfang, die richtige Brücke zu finden. Nicht für umsonst heißen die Schul- und die Postgasse Gasse. Die Fahrbahnen sind teilweise so schmal, dass Kleintransporter kaum oder gar nicht durchpassen.

Dazu sind etliche Passagen in dem Quartier lediglich Einbahnstraßen. „Aber manche Fahrer geraten trotzdem in die engen Stellen und fahren dabei alles kaputt, weil sie nicht wissen, dass die offizielle Umleitung über den Kirchberg führt. Es ist ja nirgends ausgeschildert“, so Berger.

Er sei Geschäftsmann und auf Lieferungen per Paketdienst angewiesen. Und nicht alle Zusteller rufen an. Viel häufiger nehmen sie die Sendungen mit dem Vermerk „Empfänger nicht gefunden“ wieder mit. Berger schätzt, dass rund 25 Anwohner davon betroffen sind – und viele von ihnen sind ältere Leute.

„Was mich noch viel mehr verunsichert: Was ist mit dem Krankenwagen“, fragt Berger. Der müsse im Ernstfall schnell das Ziel finden und könne nicht durch viel zu engen Gassen irren, sich womöglich festfahren. Laut Rohr wüssten die Rettungsdienste Bescheid über die Umleitung in Ziegelheim. Dass das ohne Schilder ausreicht, zweifelt Berger ausdrücklich an.

Schließlich, so Berger, sei es fraglich, wie lange der unbefestigte Kirchberg als Umleitung hält. Vor allem, wenn Laster ihn befahren. Grundsätzlich dürften diese zwar nicht da lang, andererseits müssen die Anwohner früher oder später zum Beispiel mit Heizöl versorgt werden. Und auch Baustellenfahrzeuge hat er schon beobachtet, wie sie sich im Oberdorf verirrt haben. „Mir ist ja völlig klar, dass es bei solchen Bauprojekten Einschränkungen für uns gibt. Aber die Umleitung auszuschildern – das kann doch nicht zu viel verlangt sein.“

Von Jörg Reuter

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